Rating-Agentur Fitch unterstützt freiwillige Umschuldung Griechenlands

In die Debatte um Griechenland-Hilfen kommt Bewegung von überraschender Seite: Die Rating-Agentur Fitch will eine weiche Umschuldung nicht mehr als Zahlungsausfall werten. Dennoch steigt der Druck auf das Schuldenland weiter.

Demonstration vor Parlament in Athen (am Mittwoch): Ausweg aus der Krise?
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Demonstration vor Parlament in Athen (am Mittwoch): Ausweg aus der Krise?


London/Frankfurt am Main - Es könnte Signalwirkung haben: Die Rating-Agentur Fitch ändert ihre harte Haltung zu einer freiwilligen Beteiligung privater Investoren an einer Umschuldung Griechenlands. Sie öffnet der Politik damit die Tür zu einer Lösung der Griechenlandkrise einen Spalt weit. Zwar würde die Agentur einen Tausch alter gegen neue griechische Anleihen ("Wiener Initiative") als letzte Vorstufe für einen Zahlungsausfall ansehen, wie Fitch mitteilte. Als sofortigen Zahlungsausfall Athens würde sie ein derartiges Vorgehen aber nicht werten.

Der Unterschied ist entscheidend: Auch wenn griechische Staatsanleihen dann also noch einmal extrem herabgestuft würden, würde dieses Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) erlauben, die Papiere weiter im Refinanzierungsgeschäft mit den Banken anzunehmen. Der Druck vor allem auf griechische Finanzinstitute würde damit deutlich sinken.

Das Modell der sogenannten "Wiener Initiative" gilt derzeit als aussichtsreichste Möglichkeit einer Einbindung privater Investoren in das zweite Rettungspaket für Griechenland: Im Jahr 2009 erklärten sich Großbanken auf einer Konferenz in Wien bereit, ihre auslaufenden Engagements in Ländern Mittel- und Osteuropas zu erneuern. Nach diesem Vorbild sollen nun fällige griechische Staatsanleihen nicht bar zurückgezahlt, sondern in neue Schuldtitel getauscht werden. Vermutlich würde ein Tausch nicht verpflichtend, sondern auf freiwilliger Basis erfolgen. Falls das Vorhaben gelingt, würde das dem Land die Refinanzierung seiner Altschulden erleichtern.

Hiobsbotschaften von Finanz- und Arbeitsmarkt

Der Plan könnte ein Mittelweg sein: Er gilt als weniger hart als eine verpflichtende Laufzeitverlängerung von Staatsanleihen oder gar eine Rückzahlung unter Nennwert ("Haircut"). Bis zuletzt waren die Fronten zwischen den Akteuren verhärtet. So drängt vor allem die Bundesregierung auf eine spürbare Beteiligung privater Investoren wie Banken und Versicherungen durch eine Laufzeitverlängerung griechischer Staatsanleihen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen lehnt jede Art einer erzwungenen Beteiligung ab. Auch die Rating-Agenturen stellen sich einer Einbindung privater Gläubiger in den Weg - zumindest in Form einer Laufzeitverlängerung oder noch härterer Varianten.

An den Finanzmärkten wird die Bonität Griechenlands immer kritischer bewertet: Die Kosten für eine Versicherung griechischer Schulden gegen einen Zahlungsausfall sind am Donnerstag auf neue Rekordhöhen gestiegen. Credit Default Swaps (CDS) auf griechische Staatsanleihen verteuerten sich um 124 auf 1850 Basispunkte. Das bedeutet, dass es 1,85 Millionen Euro kostet, Schulden des Mittelmeeranrainers in Höhe von zehn Millionen Euro abzusichern. Als Grund gilt der Widerstand gegen den Sparkurs, der Griechenlands Ministerpräsident Georgios Papandreou mittlerweile auch aus den eigenen Reihen entgegenschlägt. Der Premier ist schwer angeschlagen und versucht, sich mit einer Kabinettumbildung am Donnerstag Luft zu verschaffen.

Erneut gab es schlechte Nachrichten aus dem südeuropäischen Land: Auch die Arbeitslosigkeit ist gestiegen - auf eine Quote von 15,9 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres, wie das Statistikamt mitteilte. Ende 2010 hatte die Quote bei 14,2 Prozent und im ersten Quartal 2010 bei 11,7 Prozent gelegen. Die Wirtschaft wuchs von Januar bis März nur um 0,2 Prozent und damit deutlich langsamer als die Konjunktur in der gesamten Euro-Zone, die um 0,8 Prozent zulegen konnte.

fdi/dpa/Reuters

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Seite 1
frubi 16.06.2011
1. .
Zitat von sysopIn die Debatte um die Beteiligung privater Investoren an den Kosten der Griechenlandkrise kommt Bewegung: Die Rating-Agentur Fitch will eine Umschuldung nach der "Wiener Initiative" nicht als Zahlungsausfall werten - und macht damit den Weg für das Modell frei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768751,00.html
Diese freiwilligen Beteiligungen von Banken sind ein Witz. Die sollen doch mal in ein Restaurant gehen und sich ein Steck bestellen, dessen Rind sich freiwillig hat schlachten lassen. Der Ober wird einen leeren Teller an den Tisch bringen.
emiliolojo 16.06.2011
2. Hahahhahaha
Zitat von sysopIn die Debatte um die Beteiligung privater Investoren an den Kosten der Griechenlandkrise kommt Bewegung: Die Rating-Agentur Fitch will eine Umschuldung nach der "Wiener Initiative" nicht als Zahlungsausfall werten - und macht damit den Weg für das Modell frei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768751,00.html
Ich kann nicht mehr, ich weine vor Lachen, Umschuldung ist kein Zahlungsausfall, hahhhha. Diese Marketing Fuzies mit allen Wassern gewaschen. Hauptsache der Koks,, die Nutten und die schnellen Autos werden bezahlt. Liebe Leute ich empfehle euch schaut euch Inside Job an.
aceofspade 16.06.2011
3. Wait there is more..
Zitat von frubiDiese freiwilligen Beteiligungen von Banken sind ein Witz. Die sollen doch mal in ein Restaurant gehen und sich ein Steck bestellen, dessen Rind sich freiwillig hat schlachten lassen. Der Ober wird einen leeren Teller an den Tisch bringen.
Und dann versuchen Sie mit einer marginal verzinsten persoenlichen Schuldverschreibung zu zahlen, Laufzeit 5 Jahre, fuer die Sie gleich noch mal eine Verlaengerung beantragen. Der Kellner wird Ihnen den leeren Teller gleich wieder wegnehmen.
TillEu 16.06.2011
4. Warum nicht Koenig...
Zitat von sysopIn die Debatte um die Beteiligung privater Investoren an den Kosten der Griechenlandkrise kommt Bewegung: Die Rating-Agentur Fitch will eine Umschuldung nach der "Wiener Initiative" nicht als Zahlungsausfall werten - und macht damit den Weg für das Modell frei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768751,00.html
[QUOTE=sysop;8070454]In die Debatte um die Beteiligung privater Investoren an den Kosten der Griechenlandkrise kommt Bewegung: Die Rating-Agentur Fitch will eine Umschuldung nach der "Wiener Initiative" nicht als Zahlungsausfall werten - und macht damit den Weg für das Modell frei. Also ich schlage ein anderes Model vor! am 17. März 1832 wählte Die Nationalversammlung den Prinzen Otto von Bayern, als König Otto I. König von Griechenland. Geben wir doch den größten Spekulanten auf die CDS eine Chance inthronisiert Lloyd C. Blanken, CEO von Goldman Sachs, als König von Griechenland mit der Verpflichtung, die Schulden Griechenlands zu übernehmen. Aber... es wird wohl auf die Sozialisierung aller Verbindlichkeiten zu Lasten der mündigen EU Bürger hinauslaufen!!! Und Spyros Taverne sieht mich dieses Jahr nicht... Angstsparen...
mattotaupa 16.06.2011
5. Fitch und Konsorten
Zitat von sysopIn die Debatte um die Beteiligung privater Investoren an den Kosten der Griechenlandkrise kommt Bewegung: Die Rating-Agentur Fitch will eine Umschuldung nach der "Wiener Initiative" nicht als Zahlungsausfall werten - und macht damit den Weg für das Modell frei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,768751,00.html
..das, was Fitch und die anderen Schwerstkriminellen der Branche auch wollen und seit Jahren tun : Weiter abkassieren und den Euro-Raum schädigen. Dieses Spiel läuft nun schon so lange, dass man sich als halbwegs denkender Mitteleuropäer doch mal fragen muss, ob mit unseren "Eliten" noch alles in Ordnung ist. Oder ob die wirklich so saudämlich sind und das Spiel nicht durchschauen. Lesenswerte Zusammenfassung/Einleitung zum Thema, für die Leser, die immer noch glauben dass die Erde eine Scheibe ist: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:euro-krise-der-euro-als-spielball/60065481.html
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