Euro-Krise Italien droht Herabstufung durch Moody's

Die Rating-Agentur Moody's stellt Italien ein schlechtes Zeugnis aus. Die Konjunkturaussichten seien ungünstig. Auch die schleppende Regierungsbildung sorgt die Experten. Am Wochenende will der designierte Ministerpräsident Enrico Letta endlich sein Kabinett präsentieren.

Italiens designierter Ministerpräsident Enrico Letta: Letzte Knoten lösen
REUTERS

Italiens designierter Ministerpräsident Enrico Letta: Letzte Knoten lösen


Hamburg/Mailand - Nach der Rating-Agentur Fitch könnte auch Moody's Italien eine schlechtere Bonitätsnote verpassen. Moody's teilte am Freitag mit, der Ausblick für das Land bleibe negativ. Die Experten schätzen die mittelfristigen Konjunkturaussichten als ungünstig ein. Sie sprachen von einer wachsenden Gefahr, dass die aktuelle Rezession sich bis ins zweite Halbjahr hinzieht.

Die derzeit geringen Refinanzierungskosten verschafften dem Land Zeit, die es zur Umsetzung von Strukturreformen nutzen müsse. Die Chancen dafür seien wegen der noch ungewissen politischen Machtverhältnisse allerdings schwach. Moody's bewertet Italien mit der Note "Baa2". Fitch hatte seine Einstufung Anfang März wegen des Wahlpatts und der Rezession um einen Schritt auf "BBB+" gesenkt.

Nach einer langen Hängepartie soll die neue italienische Regierung am Wochenende endlich gebildet werden. Der designierte italienische Ministerpräsident Enrico Letta (46) hat am Samstag daran gearbeitet, letzte Hürden für eine Regierungsbildung aus dem Weg zu räumen. Streit gebe es vor allem noch um wichtige Ministerposten, berichteten italienische Medien. Im Zentrum soll dabei konservativer Widerstand gegen den linken Massimo D'Alema als Außenminister einer Regierung Letta stehen.

Nach stundenlangen Gesprächen mit Staatspräsident Giorgio Napolitano kam Letta am Samstag erneut mit dem bisherigen Chef seiner Mitte-Links-Partei PD (Demokratische Partei), Pier Luigi Bersani, und der PdL-Spitze zusammen. Bersani unterstrich dabei wie zuvor auch Letta, nicht "um jeden Preis" eine Regierung mit Silvio Berlusconi bilden zu wollen.

Sollte es dem linksliberalen Letta gelingen, die letzten Knoten zu lösen, könnte er noch am Samstag dem Staatschef seine Ministerriege zur Vereidigung vorstellen. Absehbar ist, dass er dann am Montag oder am Dienstag mit einer Regierungserklärung vor die beiden Kammern des Parlaments tritt und die Vertrauensfrage für seine Regierung stellt.



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.