Rating-Agentur Moody's Bundesländer sparen Millionen durch Deutschland-Bonds

Die Rating-Agentur Moody's hält die gemeinsame Schuldenaufnahme von Bund und Ländern für sinnvoll: Deutschland-Bonds seien liquider und sicherer als die Anleihen einzelner Länder. Gerade die Finanzschwachen könnten so Millionen sparen.

Schuldenuhr (Archivbild): Bund und Länder verschulden sich gemeinsam
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Schuldenuhr (Archivbild): Bund und Länder verschulden sich gemeinsam


Hamburg - Die Einführung von Deutschland-Bonds wirkt sich positiv auf die Finanzen der Bundesländer aus. "Das reduziert ihre Risikoprämien und verbessert die Investorenbasis und Liquidität", hieß es in einer Studie der Rating-Agentur Moody's. Die schwächsten Länder könnten mit dem neuen Instrument bis zu 0,1 Prozentpunkte an Zinsen sparen. Da sich die 16 Bundesländer allein in diesem Jahr rund 90 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen müssen, lassen sich schon durch geringfügig niedrige Zinsen jährlich Millionen sparen.

Die Zinsersparnis kommt aus drei Gründen zustande:

  • Das höhere Emissionsvolumen verheißt günstigere Konditionen. Während es bei Anleihen mit geringem Umfang eher schwer ist, kurzfristig Käufer zu finden, werden Investoren etwa Bundesanleihen jederzeit los. Für die höhere Liquidität sind Investoren auch bereit, Abstriche bei der Rendite zu machen.

  • Die Beteiligung des Bundes lockt auch ausländische Investoren an, die sich für eine einzelne Anleihe von Bremen oder Brandenburg nicht interessieren würden. Je höher die Nachfrage nach einer Anleihe ist, desto niedriger die Zinsen, die die Schuldner bezahlen müssen.

  • Obwohl der Bund nur für seinen Teil von 13,5 Prozent haftet, stellt er durch seine Beteiligung praktisch seinen guten Namen und seine gute Bonität den schwächeren Bundesländern zur Verfügung, die für selbst aufgenommene Schulden höhere Zinsen zahlen müssten.

Gerade der letzte Punkt sorgt bei finanzstärkeren Ländern für Kritik: Diese müssten unter Umständen höhere Zinsen bezahlen als für eigens ausgegebene Anleihen, um die finanzschwächeren Länder mitzufinanzieren. Deswegen hatte etwa Bayernschon im Januar beschlossen, sich nicht an der gemeinsamen Schuldenaufnahme zu beteiligen.Auch andere reiche Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Hessen nahmen keine neuen Schulden über den Deutschland-Bonds auf.

Drei Milliarden für zehn Länder und den Bund

Die erste gemeinsame Anleihe von Bund und Ländern hatte am Donnerstag Premiere gefeiert. Der siebenjährige Bond wirft für die Investoren eine Rendite von 1,663 Prozent ab. Zum Vergleich: Die Marktrendite von Nordrhein-Westfalen liegt bei etwa 1,7 Prozent. Die Anleihe spülte insgesamt drei Milliarden Euro in die Kassen der zehn beteiligten Länder und des Bundes.

Moody's geht aber nicht davon aus, dass der Deutschland-Bond die individuellen Länder-Anleihen ablösen wird. Werde er aber durch regelmäßige Emissionen erfolgreich am Markt etabliert, könnte er die sogenannten Länder-Jumbos ersetzen, bei denen mehrere Länder zusammen den Markt anzapfen.

ade/Reuters



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
karend 27.06.2013
1. Ah, Moody's
Soll das nun die Steuerzahler auf folgendes hinweisen: Deutschland spart durch Eurobonds Millionen, Billionen, Trillionen... (bitte wahlweise einsetzen)?
testthewest 27.06.2013
2.
Zitat von sysopDPADie Rating-Agentur Moody's hält die gemeinsame Schuldenaufnahme von Bund und Ländern für sinnvoll: Deutschland-Bonds seien liquider und sicherer als die Anleihen einzelner Länder. Gerade die Finanzschwachen könnten so Millionen sparen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rating-agentur-moody-s-deutschland-bond-nuetzt-armen-bundeslaendern-a-908149.html
Und was sparen die finanzstarken Länder? Vor allem: Was sparen die, wenn eines der schwachen zahlungsunfähig wird? Und sind möglichst billige Zinsen wirklich optimal für finanzschwache Körperschaften d. ö. Rechts? Erhöht die Tatsache nun mehr Schulden aufnehmen zu können die Wahrscheinlichkeit nun endlich den Haushalt zu konsolidieren?
spiegelleser_12345 27.06.2013
3. Guter Versuch
Zitat von sysopDPADie Rating-Agentur Moody's hält die gemeinsame Schuldenaufnahme von Bund und Ländern für sinnvoll: Deutschland-Bonds seien liquider und sicherer als die Anleihen einzelner Länder. Gerade die Finanzschwachen könnten so Millionen sparen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rating-agentur-moody-s-deutschland-bond-nuetzt-armen-bundeslaendern-a-908149.html
Guter Versuch. So bekommt man unsere bornierte Kanzlerin dazu, Deutschland-Bonds einzuführen, die danach der Reihe nach von den Nachbarn ebenso gezeichnet werden können. Wer hat etwas gegen gemeinsame Schulden mit Dänemark, Holland, Österreich oder der Schweiz. Dann kommen Frankreich, die Skandinavierer und Beldien dazu und im letzten Schritt die ganze EU. Das wird deshalb sinnvoll, weil wir als Exportnation von den stabilen Zuständen in der EU leben. Außerdem entzieht man den Finanzjongleuren die Möglichkeit, in Krisenstaaten unverschämte Zinsen zu nehmen und damit den Euro zum Fall zu bringen. Die EU ist immer noch die größte Wirtschaftszone, größer als die USA oder China. Trotzdem sinkt unser Gewicht in der Welt immer weiter, weil wir nicht geschlossen auftreten. Langfristig wird sich das bei der Verteilung von Rohstoffen oder den Konditionen von Handelsverträgen rächen. Nur Kleingeister erkennen nicht, dass die EU für unseren langfristigen Wohlstand wichtig ist. Und zwar eine EU, in die idealerweise Russland als Rohstofflieferant mit eintritt.
prologo1, 27.06.2013
4. Jetzt werden alle Register gezogen, wenn......
Zitat von sysopDPADie Rating-Agentur Moody's hält die gemeinsame Schuldenaufnahme von Bund und Ländern für sinnvoll: Deutschland-Bonds seien liquider und sicherer als die Anleihen einzelner Länder. Gerade die Finanzschwachen könnten so Millionen sparen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rating-agentur-moody-s-deutschland-bond-nuetzt-armen-bundeslaendern-a-908149.html
......wenn Deutschland-Bonds für Deutschland gut sind, dann sind doch die EURO-Bonds für Deutschland noch besser, oder? Und wer sagt das, die Rating-Agentur Moody`s!! Unglaublich, wie der Wahlmichel verdummt und vera....rscht wird. Schäuble verkündet die Pfändung, als Bankenrettungsabwicklung, und jetzt wird das noch nachgelegt. Toll, einfach Toll.
alf999 27.06.2013
5. Wie wär's mal...
Mit einer Länderreform. Statt die Symptome die Ursache kurieren und unwirtschaftliche, zumeist kleine Länder zu fusionieren und wirtschaftlicher zu machen!
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