Nach Absturz der Lira Erdogan feuert Notenbank-Chef

Der türkische Präsident Erdogan tauscht schon wieder die Führung der Notenbank aus. Damit dürften neue Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank aufkommen.
Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan

Foto: ADEM ALTAN / AFP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angesichts der anhaltenden Währungskrise überraschend Notenbank-Chef Murat Uysal entlassen. Zum Nachfolger bestimmte er per Erlass Ex-Finanzminister Naci Agbal.

Die türkische Lira war am Freitag erneut auf ein Rekordtief im Verhältnis zum Dollar gefallen. Am Freitagabend wurden 8,52 türkische Lira für einen Dollar gehandelt. Seit Beginn des Jahres hat die türkische Währung damit fast 30 Prozent gegenüber dem Dollar verloren.

Erdogan hatte Uysal erst im Juli 2019 vom Vizechef an die Spitze der Notenbank befördert, nachdem er dessen Vorgänger Murat Cetinkaya im Streit über aus seiner Sicht zu hohe Zinsen gefeuert hatte. Uysal hatte anschließend mit Zinssenkungen begonnen. Im September hatte die Notenbank aber im Kampf gegen die Liraschwäche überraschend die Zinsen wieder angehoben: von 8,25 auf nun 10,25 Prozent. Es war die erste Zinsanhebung seit rund zwei Jahren.

Erdogan gilt als Zinsfeind

Der überraschende Wechsel an der Spitze der Notenbank ist bemerkenswert, weil in der Vergangenheit vermehrt Zweifel an der politischen Unabhängigkeit der Zentralbank aufgekommen waren. Präsident Erdogan hatte mehrfach klargemacht, dass er kein Interesse an höheren Leitzinsen habe. Er hofft, dass billige Kredite das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Erst vergangenes Wochenende erklärte er, die Türkei kämpfe gegen ein "Teufelsdreieck von Zinsen, Wechselkursen und Inflation".

Das Bruttoinlandsprodukt des lange Zeit boomenden Schwellenlandes war angesichts der Coronakrise von April bis Juni um elf Prozent zum Vorquartal gefallen. Unter anderem die wichtige Tourismusindustrie bekam die Viruspandemie deutlich zu spüren.

Zuletzt hatte sich das Verhältnis der Türkei zu wichtigen Handelspartnern in der Europäischen Union zugespitzt, nachdem Erdogan seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron angegriffen hatte. Erdogan warf Macron im Streit über Mohammed-Karikaturen Islamfeindlichkeit vor, bezeichnete den französischen Präsidenten als Krankheitsfall – und rief zu dem Boykott französischer Waren auf.

hej/Reuters/AFP
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