Rede des US-Präsidenten Obama warnt Manager vor neuer Gier

Ein Jahr nach dem Beinahe-Kollaps des Finanzsystems fürchtet Barack Obama, dass die Finanzindustrie die alten Fehler wieder begeht. Der US-Präsident prangert die Rücksichtslosigkeit von Managern an - und fordert ein Umdenken: Eine neue Rettungsaktion werde es nicht geben.

US-Präsident Obama: "Nicht zu den Exzessen zurückkehren"
REUTERS

US-Präsident Obama: "Nicht zu den Exzessen zurückkehren"


Washington - Ein Jahr nach dem dramatischen Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers hat US-Präsident Barack Obama scharfe Kritik an der Finanzbranche geübt. "Anstelle die Lektionen aus der Krise zu lernen, ignorieren sie die Lehren", sagte er mit Blick auf die schon wieder risikofreudigen Bankmanager. Die Finanzmarktakteure dürften nicht auf Gesetze warten, sondern müssten selbst Maßnahmen ergreifen, um das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, appellierte der Präsident in seiner Rede vor Bankern, Abgeordneten und Regierungsmitarbeitern am Montag in New York.

Zwar gebe es auch angesichts des 787 Milliarden Dollar schweren Konjunkturpakets seiner Regierung begründete Zuversicht, dass "die Stürme der vergangenen zwei Jahre allmählich nachlassen". Aber eine Rückkehr der Normalität dürfe keine Rückkehr zur "Selbstgefälligkeit" bedeuten. "Wir werden nicht zu den Tagen des rücksichtslosen Verhaltens und der unkontrollierten Exzesse zurückkehren, die im Zentrum dieser Krise standen, als zu viele nur von schnellen Geschäften und saftigen Boni motiviert waren", sagte Obama. Ausdrücklich forderte er die Finanzbranche zur Zurückhaltung bei Manager-Boni auf. Die Branche dürfe nicht das restliche Vertrauen aufs Spiel setzen, indem sie Manager für "kurzfristige Gewinne" mit übermäßigen Sonderzahlungen belohne.

Der Präsident betonte, wenn die Finanzinstitute künftig in Schieflage gerieten, könnten sie nicht wieder auf staatliche Rettungsmaßnahmen hoffen. Zudem sollen die Lücken der Finanzaufsicht geschlossen werden, um zu vermeiden, dass die Verantwortlichen bei einer neuen Krise handlungsunfähig werden. Obama kündigte an, die größten Wirtschaftsmächte der Welt in der kommenden Woche auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh zu einer Verschärfung der Kontrolle des Finanzsektors zu drängen.

Obamas scharfe Mahnungen an die Finanzwirtschaft konnten jedoch nicht kaschieren, dass die von ihm angestrebten Reformen auf der Stelle treten. Konservative Abgeordnete und Lobbyisten haben bislang verhindert, dass der Wall Street Zügel angelegt werden. Erst Ende des Jahres, so hofft der demokratische Senator und Vorsitzende des Bankausschusses, Chris Dodd, könnte das entsprechende Gesetzespaket fertig sein.

Bevölkerung verliert Vertrauen in Politik

Zu Obamas dringendsten Anliegen gehört dabei der Zwang zu einer höheren Kapitaldeckung für Banken: Die Institute sollen künftig nur mit riskanten Papieren handeln dürfen, wenn sie genug Geld im Rücken haben, um bei Verlusten nicht wieder in existenzbedrohende Schieflagen zu kommen. Darüber hinaus will die US-Regierung neue Aufsichtskompetenz für die US-Notenbank und höhere Transparenz an den Märkten. Die größten US-Banken machen inzwischen wieder Milliardengewinne.

Inzwischen haben sieben von zehn US-Bürgern kein Vertrauen mehr, dass ihre Regierung ausreichend Schritte zur Verhinderung einer Wiederholung der Ereignisse unternommen hat. Ganze 80 Prozent halten den Zustand der Wirtschaft für schlecht, und eine Mehrheit machte sich in einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP Sorgen darüber, finanziell über die Runden zu kommen.

Die schärfste Kritik trifft die Finanzbranche. 79 Prozent erklären, Banken und Kreditinstitute trügen eine Hauptschuld für die Krise. 68 Prozent machen die US-Regierung dafür verantwortlich, die Banken nicht ausreichend reglementiert zu haben, und 65 Prozent geben Kreditnehmern die Schuld, die sich die Tilgung ihrer Schulden nicht leisten konnten.

yes/dpa/Reuters/AFP/AP



insgesamt 717 Beiträge
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Tall Sucker, 25.07.2009
1.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Dass Finanzminister sie im Fall der Fälle herauspauken wird.
Adran, 25.07.2009
2.
"nach der Lehmanpleite wissen wir, dass man keine Bank pleite gehn lassen kann!" Angela Merkel mit anderen Worten, gehe noch höheres Risiko, mit noch mehr Gewinn, und daher noch größeren Boni ein, und wenn du scheiterst, dann kommt die Sichtbare Hand des Staates und hilft dir.. Lang lebe, Too big to fail..
Pu239, 25.07.2009
3.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Das man Verluste immer gut sozialisieren kann, weil man ja "systemisch" ist. Als Bank hat man deshalb Narrenfreiheit.
Bernhard Fischer 25.07.2009
4.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Warum sollten sie lernen? Wäre das nicht kontraproduktiv????
lemming51 25.07.2009
5. Bankenkrise
Sie werden es erst gelernt haben, wenn man ihnen, hoffentlich nicht erst nach dem nächsten SuperGAU,die Brocken nebst Boni um die Ohren haut, dass es nur noch so scheppert !!!!! Aber es steht zu befürchten, dass ihre Erfüllungsgehilfen in der Politik wiederum jeden Bereicherungsfeldzug mitmachen und das Casino mit Steuermilliarden finanzieren.
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