Nach Referendumsankündigung Griechen stürmen Geldautomaten

Ministerpräsident Tsipras will die griechischen Bürger über die Forderungen der Gläubiger abstimmen lassen - und sorgt damit für Angst. Noch in der Nacht strömten viele Griechen an die Geldautomaten, um ihr Geld abzuheben.
In der Nacht bildeten sich in Athen Schlangen vor Geldautomaten

In der Nacht bildeten sich in Athen Schlangen vor Geldautomaten

Foto: Simela Pantzartzi/ dpa

Das angekündigte Referendum über die Forderungen der Gläubiger versetzt die Griechen in Sorge. Viele Bürger fürchten nun den Ausstieg ihres Landes aus der europäischen Währungsunion. Nachdem Ministerpräsident Alexis Tsipras am Freitagabend seinen Plan bekannt gegeben hatte, die Bürger des Landes über die Spar- und Reformforderungen der internationalen Gläubiger abstimmen zu lassen, strömten in Athen viele Menschen an die Geldautomaten.

"Ich habe Menschen gesehen, die in Hausschuhen und Pyjama kamen, um Geld abzuheben", berichtet SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Giorgos Christides. Junge Frauen und Männer, die sich Freitagnacht zum Ausgehen getroffen hatten, hätten die Bars und Restaurants verlassen und den nächsten Bankautomaten aufgesucht." Andere riefen schnell Freunde und Familie an und rieten ihnen, aufzustehen und sich so viel Geld wie möglich zu sichern." Vereinzelt sei es an den Automaten zu Rangeleien gekommen.

Panos Kammenos, Chef der Koalitionspartei Anel, versuchte, die Menschen zu beruhigen. "Die Bürger müssen keine Angst haben", sagte er einem Lokalsender. "Die Banken werden nicht schließen, die Geldautomaten werden Geld haben". Die Befürchtungen seien übertrieben.

Doch selbst der Geldautomat im griechischen Parlamentsgebäude war am Samstag leergeräumt, wie SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Giorgos Christides berichtet.

Geldautomat im griechischen Parlament: Keine Bargeldabhebung möglich

Geldautomat im griechischen Parlament: Keine Bargeldabhebung möglich

Foto: SPIEGEL ONLINE

Seit die Griechenlandkrise im vergangenen Dezember wieder akut wurde, haben die griechischen Bankkunden bereits Milliarden von ihren Konten abgehoben. Die Finanzinstitute haben so viele Einlagen verloren, dass sie von der griechischen Zentralbank mit Notkrediten am Leben erhalten werden müssen.

Ob die Banken den neuen Ansturm der Kunden verkraften, ist offen. Es wird bereits darüber diskutiert, die Schalter am Montag geschlossen zu lassen und sogenannte Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Dabei könnten die Abhebungen pro Person und Kunde begrenzt werden, ebenso wie Überweisungen ins Ausland.

Die griechische Regierung wies solche Überlegungen jedoch zurück. Die Banken würden am Montag wie gewohnt öffnen. Auch Kapitalverkehrskontrollen seien nicht geplant.

stk/gec/Reuters
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