Höheres Defizit Italiens Wirtschaft rutscht tiefer in die Krise

Das schuldengeplagte Italien bekommt seine Krise nicht in den Griff. Wie die Regierung mitteilte, wird die Wirtschaft in diesem Jahr stärker schrumpfen als erwartet. Ministerpräsident Monti steuert deswegen gegen und weicht den Sparkurs auf. Dafür nimmt er auch ein höheres Defizit in Kauf.
Ministerpräsident Monti: Ziele für 2013 verfehlt

Ministerpräsident Monti: Ziele für 2013 verfehlt

Foto: Gregorio Borgia/ AP

Rom - Italiens Wirtschaft wird im laufenden Jahr wohl stärker schrumpfen als ursprünglich erwartet. Die Regierung unter Premierminister Mario Monti rechnet nun damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2012 um 1,2 Prozent sinken wird. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung hervor. Bisher war die Regierung von einem Minus von 0,5 Prozent ausgegangen.

Grund für das schlechtere Abschneiden dürften die massiven Sparmaßnahmen sein, die das Land auf Druck anderer Euro-Länder wie Deutschland, ergriffen hat. Ministerpräsident Monti hatte Anfang des Jahres ein neues Kürzungspaket im Volumen von rund 30 Milliarden Euro durch das Parlament gebracht.

So sollen die Investoren an den Finanzmärkten beruhigt werden. Die Sparmaßnahmen würgen allerdings die Konjunktur ab und wirken sich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus.

Nun will Monti offenbar gegensteuern. Am Mittwoch verkündete er, das Wachstum habe künftig Vorrang gegenüber dem Sparen. "Alles, alles, alles was wir jetzt tun, zielt darauf ab, das Wachstum zu stärken", sagte der Regierungschef. Bereits 2013 soll so wieder ein leichtes Plus 0,5 Prozent erreicht werden.

Damit reagiert Monti auf die schlechten Erfahrungen in Ländern wie Griechenland oder Spanien, die trotz harter Sparmaßnahmen nicht aus dem Teufelskreis von schrumpfender Wirtschaft und höheren Schulden herauskommen. Schrumpft die Wirtschaft, schlägt dies auf die Steuereinnahmen durch - und damit auch auf den Haushalt.

Monti kassierte am Mittwoch sein ursprüngliches Ziel, im kommenden Jahr einen nahezu ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Statt einem Defizit von 0,1 Prozent rechnet die Regierung nun mit einem Minus von 0,5 Prozent. "Die Verschuldung wird schrittweise, aber stetig abgebaut", sagte Monti.

Der Anteil der Gesamtverschuldung am Bruttoinlandsprodukt dürfte laut Mitteilung der Regierung im laufenden Jahr auf bis zu 120,3 Prozent steigen. Die Verschuldung Italiens liegt damit doppelt so hoch wie die Schuldenobergrenze des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts von 60 Prozent. Bis 2015 soll sie schrittweise auf 110,8 Prozent sinken.

stk/dpa/Reuters
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