Haushaltsentwurf Griechische Regierung schreibt 2013 ab

Auch die Regierung rechnet nicht mehr mit einer Stabilisierung: Die griechische Wirtschaft wird dem Haushaltsentwurf zufolge auch im kommenden Jahr stark schrumpfen. Bislang war die EU-Kommission offiziell noch von einer wesentlich besseren Entwicklung ausgegangen.

Flagge auf griechischem Parlament: Kein Stopp des Abwärtstrends in Sicht
REUTERS

Flagge auf griechischem Parlament: Kein Stopp des Abwärtstrends in Sicht


Athen - Seit fünf Jahren befindet sich Griechenland in einer schmerzhaften Rezession - und auch für die Zukunft rechnet die Regierung in Athen mit einem starken Rückgang der Wirtschaftsleistung. Laut Haushaltsentwurf soll das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2013 um 3,8 Prozent schrumpfen, wie das "Wall Street Journal" ("WSJ") unter Berufung auf zwei ranghohe Regierungsbeamte berichtet. Der Entwurf soll an diesem Montag dem Parlament übermittelt werden.

Mit der pessimistischen Prognose schließt sich die griechische Regierung der Einschätzung privater Analysten an. So hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's im August die Aussichten für die Kreditwürdigkeit des Landes auf "negativ" gesetzt - und dies unter anderem damit begründet, dass die Wirtschaftsleistung des Landes bis zum Ende 2013 um zehn bis elf Prozent sinken werde.

Im Gegensatz dazu halten die internationalen Geldgeber des Landes bislang an ungleich optimistischeren Prognosen fest. So hatte die EU-Kommission im Frühjahr ihre Einschätzung veröffentlicht, dass die griechische Wirtschaft im kommenden Jahr nicht mehr schrumpfen würde, sondern das gleiche Niveau erreichen werde wie 2012. Die Notenbank in Athen hatte bereits im März verlauten lassen, sie rechne für 2013 mit einem weiteren Rückgang, allerdings erwartete sie lediglich eine Schrumpfung um 0,5 Prozent.

Die griechische Wirtschaft hat seit Beginn der Rezession im Jahr 2008 immer stärkere Rückschläge erlitten. Schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt des Landes in den Jahren 2009 und 2010 noch um knapp vier Prozent, beschleunigte sich die Schrumpfung auf knapp sieben Prozent im vergangenen Jahr. Für 2012 rechnet die Regierung sogar mit einem noch etwas stärkeren Rückgang. Durch die umfangreichen Kürzungen bei Löhnen, Gehältern und Pensionen sowie der sprunghaft gestiegenen Arbeitslosigkeit ist die Binnenkonjunktur extrem geschwächt.

Laut dem Bericht begründet die Regierung in ihrem Haushaltsentwurf die fortgesetzte Abwärtsbewegung der Wirtschaft unter anderem mit den Sparmaßnahmen, die von den internationalen Geldgebern aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission verlangt werden. Am Montag werden die Experten der sogenannten Troika wieder in Athen zurück erwartet, um die Verhandlungen mit der Regierung über ein 11,5 Milliarden Euro schweres Sparpaket fortzusetzen.

Der Haushaltsentwurf der Regierung sieht dem "WSJ" zufolge Ausgabenkürzungen in Höhe von 7,8 Milliarden Euro vor. Eine Einigung ist zumindest formal Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem Hilfspaket über 31 Milliarden Euro. Laut Medienberichten soll die Auszahlung aber bereitsso gut wie beschlossene Sache sein. Damit soll das Land unter allen Umständen in der Euro-Zone gehalten werden.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico erwartet hingegen einen Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung. "Es wird die Zeit kommen, in der einige Staaten das Tempo der Einsparungen nicht mehr einhalten und ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können", sagte Fico am Sonntag dem Fernsehsender Markiza TV. "Ein, vielleicht zwei Staaten werden dann nicht mehr in der Euro-Zone bleiben", fuhr er fort.

Auf Nachfrage nannte Fico Griechenland als Beispiel. "Ich glaube nicht, dass Griechenland seine Vorgaben erfüllt", erklärte er. Die Regierung in Athen bitte um mehr und mehr Ausnahmen und noch mehr Zeit. "Wenn Griechenland die Verpflichtungen nicht einhalten kann, sollte ein koordinierter Austritt stattfinden."

fdi

insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
Feindbild_Mensch 01.10.2012
1. ständig ...
liest man: "Die Experten wären auf ihrer Prognosen von geringer Verschuldung bzw. höheren Wachstum ausgegangen." Kristallkugel kaputt ... offenbar.
deus-Lo-vult 01.10.2012
2. ...
Zitat von sysopREUTERSAuch die Regierung rechnet nicht mehr mit einer Stabilisierung: Die griechische Wirtschaft wird einem Haushaltsentwurf zufolge auch im kommenden Jahr stark schrumpfen. Bislang war die EU-Kommission offiziell noch von einer wesentlich optimistischeren Entwicklung ausgegangen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/regierung-in-griechenland-erwartet-schrumpfen-der-wirtschaft-fuer-2013-a-858848.html
Selbst der Dümmste hat hierzulande verstanden, dass wir (die Steuerzahler) die griechische Insolvenz nur verschleppen. Für den Unternehmer ist Insolvenzverschleppung strafbar!
whitewolfe 01.10.2012
3. Na klar bekommen die Griechen das Geld
keiner der Politiker hat den Mut den hoffnungslosen Zustand Griechenlands anzuerkennen.Also weiter gehts Augen zu und durch.
papayu 01.10.2012
4. Kopflos, diese Experten !
Wie sagte schon meine Mutter : Wo nichts ist,hat der Kaiser sein Recht verloren ! So um die 50 Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein Beispiel von Vielen! Da hat sich ein "gutverdienender" Grieche eine ETW zugelegt und wollte diese innerhalb von 15 oder 20 Jahren bei der Bank abbezahlen!! Nun hat er keinen Job mehr! Wie soll er jetzt seine Wohnung bezahlen? Die Bank bekommt kein Geld mehr. Er selbst kann sich fast nichts mehr kaufen, es reicht gerade noch zum Leben. Also das BIP geht zurueck. Die Ueberweisungen aus DE wandern alle zuerst in die Verwaltung, die nicht nur in GR aufgeblaeht ist- denken Sie nur einmal an die voellig ueberfluessigen Ministerien in DE. Wie soll denn dann ein Neuanfang aussehen?? 20 Jahre oder noch laenger die Schulden der Banken abtragen????????? Warum laesst man die Banken nicht pleite gehen ?? Ach, so da wuerde eine Kettenreaktion stattfinden, die Europa noch nie gesehen hat. z.B. Daimler koennte nichts mehr gegen VORKASSE exportieren. Die Produktion muesste eingestellt und die Arbeiter entlassen werden, incl. der Zulieferer, ja selbst die Kantinen muessten schliessen usw usw. Jetzt wird hoffnungslos dagegen angekaempft, jeder schiebt die Schuld auf den Anderen. Ganz ehrlich, lieber eine sofortige PLEITE, die ist billiger als die von Uebermorgen. Das Widerlichste daran ist, dass einige Manager sich schnell noch die Taschen fuellen, bevor sie die Werke stilllegen!! Zetsche, ueber 50 Millionen Euro "RENTE!"
kenterziege 01.10.2012
5. Bundestagswahl
Zitat von deus-Lo-vultSelbst der Dümmste hat hierzulande verstanden, dass wir (die Steuerzahler) die griechische Insolvenz nur verschleppen. Für den Unternehmer ist Insolvenzverschleppung strafbar!
Nächstes Jahr ist Bundestagswahl. In den Fußgängerzonen stehen sie dann: die örtlichen Parteienvertreter mit Luftballons und Kugelschreibern aus den Merchendise-Shops der Parteizentralen. Die Bürger werden dann schönen Diskussionsstoff haben. Wer ist Spitzenreiter bei der verschwendung unseres Steuergeldes! Ich möchte da nicht als "Vertreter" einer der Volksparteien stehen! Wenn >> über 60% der Bundesbürger für einen radikalen Schnitt mit Griechenland und Co. sind, dann sollen sich unsere Volksvertreter mal warm anziehen!
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