Ein-Euro-Jobs Regierung streicht Förderstellen für Langzeitarbeitslose

Ein-Euro-Jobs sollen verhindern, dass Langzeitarbeitslose abgehängt werden. Doch Bundesregierung und Jobcenter bauen Förderstellen ab - seit 2010 laut "FAZ" um mehr als die Hälfte. Die Arbeitsagentur verteidigt den Schritt.

Jobcenter in Rostock: Langzeitarbeitslosigkeit bleibt eines der größten Probleme
DPA

Jobcenter in Rostock: Langzeitarbeitslosigkeit bleibt eines der größten Probleme


Berlin - Ein-Euro-Jobs, Bürgerarbeit und ähnliche Stellen sollen Langzeitarbeitslose auf eine neue Beschäftigung vorbereiten. Und Langzeitarbeitslosigkeit bleibt - trotz vergleichsweise günstiger Entwicklung in Deutschland - eines der größten Probleme am hiesigen Arbeitsmarkt. Doch das Angebot zur Reintegration schrumpft: Bundesregierung und Jobcenter haben die öffentlich geförderte Beschäftigung für Langzeitarbeitslose seit dem Jahr 2010 um mehr als die Hälfte abgebaut, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ").

Während vor vier Jahren noch mehr als 350.000 Langzeitarbeitslose Förderstellen innehatten, waren es zur Jahresmitte 2014 nur noch 136.000. Das zeigt dem Bericht zufolge die Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Demzufolge hat sich der von der schwarz-gelben Regierung begonnene Abbau unter der großen Koalition fortgesetzt.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verteidigte den Abbau. Ein-Euro-Jobs führten in weniger als zehn Prozent der Fälle zu einem erfolgreichen Einstieg in sozialversicherungspflichtige Arbeit, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt der Zeitung.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Brigitte Pothmer, kritisierte den Abbau der Förderstellen scharf. "Während die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit geraumer Zeit stagniert und zuletzt sogar wieder leicht gestiegen ist, geht die Zahl der öffentlich geförderten Beschäftigungsverhältnisse immer weiter zurück", sagte sie der "FAZ". Dadurch würden viele Betroffene "dauerhaft abgehängt".

bos/dpa



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rauchmelder 06.08.2014
1. die Abgehängten
Ja, so ist das halt. Der Staat muss auch marktwirtschaftlich handeln und wenn es nichts bringt, dann Pech gehabt. Lebensschicksale sind unerheblich für Statistik und Kostendecklung.
zudummzumzum 06.08.2014
2. Gut so!
Zitat von sysopDPAEin-Euro-Jobs sollen verhindern, dass Langzeitarbeitslose abgehängt werden. Doch Bundesregierung und Jobcenter bauen Förderstellen ab - seit 2010 laut "FAZ" um mehr als die Hälfte. Die Arbeitsagentur verteidigt den Schritt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/regierung-streicht-foerderstellen-fuer-langzeitarbeitslose-a-984677.html
Wegen erwiesener Wirkungslosigkeit: die in sie gesetzten Hoffnungen, wonach die Ein-Euro-Jobs einen Einstieg eröffnen können sollten, haben sich nicht erfüllt. Wer einmal dort gelandet ist, findet kaum noch heraus: noch nicht mal in die Leiharbeit, geschweige denn in einen befristeten Job bei einem richtigen Arbeitgeber oder sogar in einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Stattdessen haben die Kommunen und sogenannte Sozialverbände die Möglichkeit genutzt, ihre Leistungen aufrecht zu erhalten, obwohl die "Zivis" ausgefallen sind und es auch Rückgänge im FSJ gibt. Insofern waren die Ein-Euro-Jobs niemals "Förderstellen", sondern eher eine subtile Form der Zwangsarbeit für diejenigen, die aus dem ordentlichen Arbeitsmarkt rausgefallen sind. Wir werden uns ernsthaft Gedanken darüber machen müssen, wie wir mit diesen Menschen umgehen, weil viele von ihnen nicht in der Lage sind, den gesetzlichen Mindestlohn ins Verdienen zu bringen. Wir haben einen nicht ganz kleinen Bodensatz an Menschen, weit unter dem Rentenalter, die sich aus den verschiedensten Gründen für den "ordentlichen Arbeitsmarkt" nicht eignen und auch auf mittlere Sicht nicht eignen werden. Hierzu werden neue Ideen gesucht, Ein-Euro-Jobs sind es jedenfalls nicht.
Nizzre 06.08.2014
3. Die gleichen, die jetzt den Abbau beklagen...
... sind doch genau die, die umgekehrt vehement gegen "Arbeitsgelegenheiten" wettern, denn diese würden Menschen entwürdigen und echte Arbeitsplätze verdrängen. Na was denn nun?
eventhorizon 06.08.2014
4. Unwürdig
Diese Ein-Euro-Jobs sind unwürdig. Da holte sich eine Zeit lang jeder Betrieb seinen "Hartz-Assi" zum Putzen und konnte eine externe Dienstleistung sparen. Die Menschen sollten lieber in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse gebracht werden, meinetwegen auch über Beschäftigungsgesellschaften, aber eben tariflich entlohnt mit voller Sozialabgabe. Ich weiß das aus dem Bekanntenkreis, dort wurde ein Freund als ein-Euro-Jobber in einer öffentlichen Bibliothek als Vollzeitkraft eingesetzt. Keine KV Abgaben, keine Rentenpunkte und ein Euro fünfundzwanzig die Stunde Plus Stütze. Der Arbeitgeber hat 200 gezahlt, das Amt all incl. 700, macht 900 statt ca. 2.500, die eine voll versicherte Stelle gekostet hätte. Das ist moderne Sklaverei.
archback 06.08.2014
5. Honi soit....
Zitat von zudummzumzumWegen erwiesener Wirkungslosigkeit: die in sie gesetzten Hoffnungen, wonach die Ein-Euro-Jobs einen Einstieg eröffnen können sollten, haben sich nicht erfüllt. Wer einmal dort gelandet ist, findet kaum noch heraus: noch nicht mal in die Leiharbeit, geschweige denn in einen befristeten Job bei einem richtigen Arbeitgeber oder sogar in einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Stattdessen haben die Kommunen und sogenannte Sozialverbände die Möglichkeit genutzt, ihre Leistungen aufrecht zu erhalten, obwohl die "Zivis" ausgefallen sind und es auch Rückgänge im FSJ gibt. Insofern waren die Ein-Euro-Jobs niemals "Förderstellen", sondern eher eine subtile Form der Zwangsarbeit für diejenigen, die aus dem ordentlichen Arbeitsmarkt rausgefallen sind. Wir werden uns ernsthaft Gedanken darüber machen müssen, wie wir mit diesen Menschen umgehen, weil viele von ihnen nicht in der Lage sind, den gesetzlichen Mindestlohn ins Verdienen zu bringen. Wir haben einen nicht ganz kleinen Bodensatz an Menschen, weit unter dem Rentenalter, die sich aus den verschiedensten Gründen für den "ordentlichen Arbeitsmarkt" nicht eignen und auch auf mittlere Sicht nicht eignen werden. Hierzu werden neue Ideen gesucht, Ein-Euro-Jobs sind es jedenfalls nicht.
30 Jahre lang haben wir im öffentl. Sozialdienst unseren Betrieb mit diesen ABM, 1€-Kräften und Bürgerarbeitern aufrechterhalten. Und mitverdient hat die örtliche Arbeitsförderungsagentur, deren Chef zufällig auch der SPD-Chef ist.
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