Trotz Krise Deutschlands Reiche werden noch reicher

Zehn Prozent der Deutschen gehört die Hälfte des Privatvermögens. Das zeigt laut "Süddeutscher Zeitung" der Armuts- und Reichtumsbericht der Regierung. Die untere Hälfte der Haushalte besitzt nur ein Prozent des Nettogesamtvermögens.
Luxuseinkaufsstraße Königsallee in Düsseldorf: Der Wohlstand wächst ungleichmäßig

Luxuseinkaufsstraße Königsallee in Düsseldorf: Der Wohlstand wächst ungleichmäßig

Foto: dapd

Berlin - Die soziale Kluft in Deutschland vergrößert sich. Das zeigt der Entwurf für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die Analyse wird alle vier Jahre vom Bundesarbeitsministerium erstellt, am Montag ging sie zur Abstimmung an die anderen Ministerien. Sie liegt der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") vor.

Dem Bericht zufolge hat das private Nettovermögen, also etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten, trotz Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Allein zwischen 2007 und 2012 habe es sich um 1,4 Billionen Euro erhöht.

Allerdings vereinten die oberen zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich. Der Anteil dieses obersten Zehntels sei immer weiter gestiegen. 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 war in den Händen dieser Gruppe bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter.

Auch bei der Entwicklung der Löhne gibt es große Diskrepanzen. Diese sei "im oberen Bereich in Deutschland positiv steigend" gewesen, zitiert die "SZ" aus dem Entwurf. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten dagegen nach Abzug der Inflation Verluste bei der Bezahlung hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", warnten die Autoren.

Der wachsende Wohlstand der Vermögenden steht auch im Kontrast zur Entwicklung der Staatsfinanzen. "Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt", heißt es laut der Zeitung in dem Bericht. Bereits seit zwei Jahrzehnten sei ein Rückgang des staatlichen Vermögens zu beobachten. Durch die Rettungsmaßnahmen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sei "eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar". Mit anderen Worten: Der Staat muss zunehmend für private Schulden geradestehen.

dab/dpa
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