Regulierung Banken in Deutschland von Zerschlagung sicher

Josef Ackermann kann sich beruhigt zurücklehnen. Während US-Präsident Barack Obama notfalls Banken aufspalten will, um das Finanzsystem zu stabilisieren, kann der Deutsche-Bank-Chef hierzulande auf die Unterstützung von CDU, FDP und SPD bauen. Das Investmentgeschäft bleibt Teil der Deutschen Bank.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Unterstützung von Seiten der Politik
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Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Unterstützung von Seiten der Politik

Von Karsten Stumm


Hamburg - Josef Ackermann prägt das Profil der Deutschen Bank Chart zeigen. Er steht für sie, wo immer er auftritt, er hat ihr Geschäftsmodell als Investmentbank geprägt. Und mit dem hat das bedeutendste Geldhaus hierzulande wieder einen Milliardengewinn erwirtschaftet - gleich im ersten Jahr nach der Finanzkrise. Doch ausgerechnet der Erfolg ist zu Ackermanns Problem geworden.

Weltweit stehen Steuerzahler gerade für gigantische Verluste, die die Banken zuvor aufgetürmt haben, pumpen Zentralbanken kaum vorstellbare Summen praktisch zum Nulltarif in das Finanzsystem. Und genau deshalb stehen Banker mit Milliardengewinnen im Moment eher im Verdacht der Bereicherung als auf dem Siegerpodest.

"Vor allem große Banken erzielen die Gewinne in erster Linie nicht aus dem Kundengeschäft, sondern aus dem risikoreicheren Eigenhandel und Investmentbanking. Deshalb teile ich die Kritik des amerikanischen Präsidenten am Eigenhandel der Banken ausdrücklich", sagte die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nicolette Kressl, dem manager magazin.

Doch die entsprechenden Konsequenzen will sie ebenso wenig ziehen, wie die Kollegen von der CDU und der FDP. Während Barack Obama seine Finanzinstitute nicht nur mit einer Sonderabgabe belasten und nötigenfalls in traditionelle Kunden- und Investmentbanken aufteilen will, sind die Bestrebungen im Bundestag diesbezüglich sehr gering ausgeprägt.

"In der Krise hat sich gezeigt, dass das hiesige Universalbankensystem mit seinen drei Säulen wesentlich robuster ist, als es das anglo-amerikanische Trennbankensystem war", sagt Joachim Pfeiffer, der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. "Dem Vorschlag Obamas zu folgen und in Deutschland erstmalig ein Trennbankensystem einzuführen, wäre ein nicht ungefährlicher Eingriff, der die Struktur unserer Bankenlandschaft erheblich verändern und das Privatkundengeschäft berühren würde."

"In der Finanzmarktkrise hat sich insbesondere die langfristig angelegte und auf das Kundengeschäft orientierte Geschäftspolitik der deutschen Sparkassen positiv ausgewirkt", ergänzt SPD-Finanzsprecherin Kressl. "Das deutsche Bankensystem hat sich bewährt."

Über die Treue der Parlamentarier, die den Bankern Deutschlands weiterhin alle Geschäfte erlauben wollen, werden sich nach Überzeugung der Meinungsforscher allerdings nur wenige Bundesbürger freuen. Mit jeder zusätzlichen Milliarde, die hiesige Geldhäuser verdienten, steige der Zorn jener Bundesbürger, die sich um den Ertrag ihrer Hilfe betrogen fühlten.

"Die Forderung nach einer Rückkehr zum Trennbankenprinzip ist für die USA nachvollziehbar. Deutschland ist mit dem Universalbankensystem aber gut zurechtgekommen", sagt auch Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms (FDP).

Die Crux dabei: Diebisch freuen könnten sich die Bundesbürger ohnehin nicht wirklich über die Ketten, die den Bankern womöglich anderswo angelegt werden. Denn dass künftig nur noch Investmentbanken riskantere Geschäfte betreiben dürfen, ändert nichts daran, dass der Steuerzahler im Massenpleitefall wohl für sie geradestehen müsste.

"Umso wichtiger ist, dass die Finanzmärkte ihrer unterstützenden Aufgabe gerecht werden", sagt CDU/CSU-Wirtschaftssprecher Pfeiffer. Aus diesem Grund freut es mich, wenn die Banken wieder Geld verdienen. Damit können sie einerseits die Folgen dieser Krise mittragen und andererseits durch die Speisung eines Krisenpräventionsfonds ihren Teil leisten, damit eine derartige Krise nicht wieder auftreten kann". Den entsprechenden Vorschlag hat Deutsche-Bank-Chef Ackermann bereits gemacht.



insgesamt 1433 Beiträge
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AndyH 23.01.2010
1.
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
Klaus.G 23.01.2010
2. Nix mit Regulierung
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
soziale qualität 23.01.2010
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
Adran, 23.01.2010
4.
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
Jordan Sokoł 23.01.2010
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
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