Appell von US-Milliardären an die Politik "Besteuert uns stärker!"

Für den Kampf gegen den Klimawandel oder zur Stärkung der Wirtschaft: In den USA haben ausgerechnet Milliardäre höhere Steuern für Superreiche gefordert. Welche Motive hat ihr Vorstoß?

Demo vor der New Yorker Wall Street Ende 2017: Jetzt haben einige Reiche selbst reagiert
LANE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Demo vor der New Yorker Wall Street Ende 2017: Jetzt haben einige Reiche selbst reagiert


Jahrzehntelang wären im Kernstaat des Kapitalismus viele Politiker wohl eher zurückgetreten, als dass sie höheren Steuern zugestimmt hätten. Doch die Stimmung in den USA scheint sich zu drehen. Die Demokratin und mögliche US-Präsidentschaftskandidatin in spe, Elisabeth Warren, schlug zuletzt eine Superreichensteuer vor, die laut Umfragen sogar viele republikanische Wähler gut finden. Nun haben sich auch rund 20 Milliardäre zu Wort gemeldet - die selbst mehr zahlen wollen.

Mit der Botschaft "besteuert uns stärker" haben die Superreichen die Wettbewerber um die Präsidentschaftskandidatur in einem offenen Brief aufgefordert, sich für höhere Steuern für Superreiche einzusetzen. "Amerika hat eine moralische, ethische und wirtschaftliche Verantwortung, unser Vermögen stärker zu besteuern", heißt es in dem Schreiben der Gruppe, das die "New York Times" veröffentlichte.

"Im Interesse unserer Republik"

Zu den Unterzeichnern zählen demnach unter anderem der US-Milliardär George Soros, Facebook-Mitbegründer Chris Hughes, Erben von Walt Disney oder die Besitzer der Hotelkette Hyatt. Sie loben ausdrücklich auch die Steuerpläne von Senatorin Warren. Danach sollen Steuern für diejenigen angehoben werden, die mehr als 50 Millionen Dollar an Abgaben zahlen. Diese würde die 75.000 reichsten Familien des Landes treffen.

Lesen Sie hier: Das könnte eine Steuer für Superreiche Deutschland bringen

Die Einnahmen der Vermögensteuer könnten für den Kampf gegen den Klimawandel oder zur Stärkung der Wirtschaft genutzt werden, heißt es in dem Aufruf. Zudem könnten dadurch Chancengleichheit gefördert und die demokratischen Freiheiten gestärkt werden. Die Einführung einer solchen Steuer sei "im Interesse unserer Republik".

Disneyland in Anaheim: Auch Erben Walt Disneys haben den Aufruf unterzeichnet
REUTERS/Mario Anzuoni

Disneyland in Anaheim: Auch Erben Walt Disneys haben den Aufruf unterzeichnet

Die Unterzeichner verweisen unter anderem auf den Großinvestor Warren Buffet, der nach eigenen Angaben niedriger besteuert wird als seine Sekretärin. Sie signalisieren Unterstützung für die Vorstöße einiger demokratischer Präsidentschaftsbewerber zu höheren Steuern für Superreiche, darunter Pete Buttigieg und Beto O'Rourke. Sie mahnen aber einen überparteilichen Konsens an: "Einige Ideen sind zu wichtig für Amerika", schreiben sie.

Ein anonymer Unterzeichner

Die US-Zentralbank Fed hatte zuletzt herausgefunden, dass in den vergangenen 30 Jahren das reichste Prozent der US-Amerikaner sein Vermögen um 21 Billionen Dollar steigern konnte. Im gleichen Zeitraum fiel das Vermögen der ärmeren Hälfte der US-Bevölkerung demnach um 900 Milliarden Dollar.

Mit ihrem Aufruf wollen die Superreichen daran etwas ändern. Er trägt die Unterschriften von 18 Unterzeichnern aus elf Familien und wird zusätzlich von einem weiteren Superreichen unterstützt, der anonym bleiben möchte. Viele von ihnen engagieren sich bereits für Initiativen gegen den Klimawandel oder die wachsende Schere zwischen Arm und Reich.

apr/AFP



insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kasob 24.06.2019
1. Es geht ums verdienen
Geld verdienen kann man nur in stabilen Verhältnisssen. Und da kommt ne Revolution immer ungelesen. Vielleicht verhindert man mit solchen Aktionen auch soziale Bewerber. Seht mal wir zählen mehr, ihr brauch den nicht zu wählen.
Lesenkönner 24.06.2019
2. Unverständlich
Der Artikel ist unverständlich! Es heißt, es werde eine Erhöhung der Steuern für diejenigen gefordert, die mehr als 50 Mio an Abgaben zahlen. Herrn Soros würde es dann - wie viele andere - gerade nicht treffen. Denn ich glaube nicht, dass Soros' Sekretärin, die ja mehr zahlt als er selbst, 50 Mio Abgaben zahlt.
petitchoux 24.06.2019
3. Klassenverrat...
...heisst das bei traditionellen Marxisten und darf eigentlich nicht passieren, weil das Sein das Bewusstsein bestimmt. Wie schön, dass es doch passiert und es reiche Menschen gibt, die nicht vor Selbstgerechtigkeit platzen und Ungerechtigkeit auch Ungerechtigkeit nennen. Und bereit sind, für diese Einsicht persönliche Vermögenseinbußen hinzunehmen.
quark2@mailinator.com 24.06.2019
4.
Völlig lugisch. Welches Interesse sollten Menschen haben, die ihr Geld eh nicht mehr ausgeben können, in einer Umgebung zu wohnen, wo alle anderen arm sind ? Sie müßten sich zum eigenen Schutz verkriechen, könnten nirgends sicher sein und hätten ewige moralische Komplexe am Hals. Selbstverständlich ist es im Interesse der besitzenden Klasse, daß die Lage stabil bleibt, d.h. das maximal 30% der Leute sauarm sind. Denn zu meiner immerwährenden Verwunderung ist es ja völlig OK, wenn demokratisch legitimiert, 70% der Leute so wählen, daß die unteren 30% gerade so eben nicht auf der Straße verhungern. Völlig unsinniges Prinzip, aber das ist es, was wir machen. Und wir hören bei 30% nicht auf. Es wundert mich immer wieder, daß die Marktwirtschaft es eben nicht schafft, sozial zu bleiben, sondern immer weiter umverteilt auf immer weniger % der Leute. Wäre das ein Auto, hätte man es schon längst umdesigned.
quark2@mailinator.com 24.06.2019
5.
Zitat von petitchoux...heisst das bei traditionellen Marxisten und darf eigentlich nicht passieren, weil das Sein das Bewusstsein bestimmt. Wie schön, dass es doch passiert und es reiche Menschen gibt, die nicht vor Selbstgerechtigkeit platzen und Ungerechtigkeit auch Ungerechtigkeit nennen. Und bereit sind, für diese Einsicht persönliche Vermögenseinbußen hinzunehmen.
Da haben Sie aber Ihre Klassiker nicht richtig verstanden :-) ... Man spricht von den sog. Utopischen Sozialisten, von englischen Tuchfabrikanten des 18. oder 19. Jhd., welche versuchten, einen Teil des Ertrags zur Verbesserung der Lebensverhältnisse ihrer Arbeiter auszugeben. Diese Fabrikanten sind am Ende der Konkurenz wirtschaftlich zum Opfer gefallen. Diese Geschichte diente der Untermauerung der Behauptung, daß die Marktwirtschaft nicht durch guten Willen von innen heraus zu heilen wäre, sondern daß man das Wirtschaftssystem ändern müsse, um soziale Gerechtigkeit zu bekommen. Naja, wie das dann in der Bundesrepublik und der DDR lief, konnten wir uns ja ansehen. Allerdings sieht man auch, wie es jetzt läuft, wo das Konkurenzsystem nicht mehr da ist. Es bleibt spannend.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.