Studie zu Milliardären Wo die reichen Kerle wohnen

Einmal im Jahr werden die Milliardäre in aller Welt gezählt. 2015 waren es so viele wie noch nie. Während ihr Vermögen in Europa schmilzt, wächst es in Asien, den USA und in Nahost.

Wohlhabender beim Ausspannen
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Er ist 63 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Zwar kommt er aus Europa, doch sein Bachelor-Abschluss stammt von einer US-Eliteuniversität. Von Amerikanern wie Bill Gates und Warren Buffett hat er sich auch sein liebstes Hobby abgeschaut: Spenden für wohltätige Zwecke.

All das sind laut dem neuen "Billionaire Census" typische Merkmale eines Milliardärs der Gegenwart. Einmal im Jahr veröffentlicht die Beratungsgesellschaft Wealth-X eine Art Volkszählung der Superreichen. Und für die läuft es, allen globalen Krisen zum Trotz, weiterhin ziemlich gut.

Insgesamt besaßen der Studie zufolge im vergangenen Jahr 2473 Menschen mehr als eine Milliarde US-Dollar - ein Plus von 6,4 Prozent und ein neuer Rekord. Auch das Gesamtvermögen stieg um 5,4 Prozent auf den Rekordwert von 7,7 Billionen Dollar. Das ist mehr als die jährliche Wirtschaftsleistung der meisten Länder der Welt. Nur die USA und China liegen noch darüber.

Dessen Mitglieder sind eine recht homogene Masse - vor allem was das Geschlecht angeht: Auf eine Milliardärin kommen mehr als acht Milliardäre, wobei die Übermacht der Männer gegenüber 2014 sogar noch zugenommen hat. Von 148 Milliardären, die im vergangenen Jahr neu erfasst wurden, waren 140 Männer. Traditionell sind auch die Familienmodelle: 85 Prozent der Milliardäre sind verheiratet, im Schnitt haben sie drei Kinder.

Deutlich mehr Dynamik gibt es bei der regionalen Verteilung der Superreichen: Noch kommt jeder dritte Milliardär aus Europa und jeder vierte aus Nordamerika. Doch mit einem Plus von 15 Prozent legte die Milliardärspopulation in Asien mit Abstand am stärksten zu, ihr Gesamtvermögen stieg um 20 Prozent. Auch in Nahost und Nordamerika vermehrten die Milliardäre ihr Geld, in Europa war das Gesamtvermögen dagegen leicht rückläufig.

Reichensport Polo im chinesischen Tianjin
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Reichensport Polo im chinesischen Tianjin

In Ländern wie China oder Indien wächst die Wirtschaft seit Jahren viel stärker als in den meisten westlichen Ländern. Und boomende Märkte bringen auch eher neue Geschäftsmogule hervor.

Einen Trend zum Selfmade-Milliardär sieht die Studie aber auch generell: Internetunternehmer wie die Mitgründer des Taxidienstes Uber und des Übernachtungsportals Airbnb, Travis Kalanick und Brian Chesky, hätten in kurzer Zeit große Vermögen anhäufen können. Deutlich gefallen sei dagegen die Zahl der Superreichen, deren Reichtum allein auf Erbschaften beruht. Sie machten nur noch 13 Prozent aller Milliardäre aus, 55 Prozent dagegen hätten ihren Reichtum selbst geschaffen.

Der Rest hat zwar geerbt, das Geld aber anschließend als Unternehmer oder Investor vermehrt. Eine "wachsende Lust am Unternehmertum" will Wealth-X unter Erben ausgemacht haben. Möglicherweise hängt die auch damit zusammen, dass sich Geld in Zeit von Nullzinsen allein auf dem Konto kaum noch vermehrt. Angesichts von Sorgen vor einer neuen Wirtschaftkrise verlassen sich zudem auch die Reichsten der Reichen verstärkt auf Bargeld und andere schnell verfügbare Anlagen: Der Studie zufolge halten die Milliardäre derzeit 22 Prozent ihrer Vermögen in liquiden Mitteln, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr.

Neben der Gefahr, durch falsche Investitionen viel Geld zu verlieren, drohe Milliardären auch eine "Rufschädigung für den Familiennamen", warnt die Studie. Schließlich stünden die Superreichen in Zeiten von Soical Media unter verstärkter Beobachtung. Beim stilsicheren Auftritt helfen aber sicher gern jene Unternehmen und Berater, an die Wealth-X seine Daten weiterverkauft. Millardäre sind eben nicht nur Geschäftemacher, sondern für bestimmte Branchen selbst ein glänzendes Geschäft.


Zusammengefasst: Die Zahl der Milliardäre ist laut einer neuen Untersuchung im vergangenen Jahr erneut gestiegen, ihr Gesamtvermögen ebenso. Die meisten Superreichen sind männlich und leben in Europa, gefolgt von den USA. Besonders stark gewachsen ist ihre Zahl aber in Asien. Rückläufig ist der Anteil von Milliardären, deren Reichtum allein auf Erbschaften beruht.



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