Debatte über Ungleichheit Starökonom Piketty weist Kritik an Daten zurück

Mit seinem Buch "Kapital im 21. Jahrhundert" hat Thomas Piketty die Reichtumsdebatte neu angefacht. Kritiker werfen ihm nun methodische Fehler vor. Doch Piketty wehrt sich entschieden.
Ökonom Piketty: "Glaubt das wirklich irgendjemand?"

Ökonom Piketty: "Glaubt das wirklich irgendjemand?"

Foto: © Charles Platiau / Reuters/ Reuters

Hamburg - Der französische Ökonom Thomas Piketty ist Vorwürfen entgegengetreten, seine populären Thesen zu wachsender Ungleichheit beruhten teilweise auf fehlerhaften Daten. Piketty veröffentlichte Excel-Tabellen und eine umfangreiche Stellungnahme  zum zehnten Kapitel seines Buches "Kapital im 21. Jahrhundert". Darin geht es um die Verteilung des Kapitalvermögens.

Chris Giles, ein Journalist der "Financial Times", hatte Piketty fragwürdige Berechnungen vorgeworfen . Zugleich stellte er zwei von Pikettys zentralen Thesen infrage, wonach der Anteil der Reichsten am Gesamtvermögen seit langem steigt und in den USA deutlich ausgeprägter ist als in Europa. Giles verwies unter anderem darauf, dass Pikettys Werte zur Reichtumsverteilung in Großbritannnien deutlich von offiziellen Zahlen abwichen.

Piketty räumte zwar ein, dass die Quellenlage zur Vermögensverteilung deutlich schlechter sei als bei der Einkommensungleichheit. Die von der "FT" vorgeschlagenen Korrekturen seien jedoch "überwiegend relativ unbedeutend und beeinflussen nicht die langfristige Entwicklung und meine Gesamtanalyse". Zugleich beruhten sie selbst auf "recht fragwürdigen" methodischen Ansätzen.

Unterstützung erhielt Piketty von dem Ökonomen Howard Reed. Dieser warf Giles im "Guardian" vor , bei seiner Kritik selbst methodische Fehler gemacht zu haben. Giles' eigene Berechnungen legten nahe, dass der Anteil am Reichtum der oberen zehn Prozent in Großbritannien zeitweise deutlich zurückgegangen sei. "Glaubt das wirklich irgendjemand? Natürlich nicht."

Reed räumte jedoch ein, Giles habe "einige Fehler und Inkonsistenzen aufgedeckt, die Piketty hoffentlich in Zukunft ansprechen wird". Kritik an Pikettys Arbeit kam unter anderem auch vom Harvard-Ökonomen Martin Feldstein und dem frühen Chef der Bank of England, Mervyn King.

dab