Rekord-Arbeitslosigkeit Krise kostete weltweit 34 Millionen Jobs

Die Krise trifft die Arbeitsmärkte weltweit mit voller Wucht: 212 Millionen Menschen hatten Ende 2009 keinen Job. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise gingen fast 34 Millionen Stellen verloren, heißt es in einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation Ilo.
Arbeitssuchende in New York: USA besonders betroffen

Arbeitssuchende in New York: USA besonders betroffen

Foto: dpa

Genf/Berlin - Für die Arbeitnehmer ist die Finanz- und Wirtschaftskrise noch lange nicht ausgestanden. Erst im Jahr 2013 werde die Zahl der Jobs wieder das Niveau von 2008 erreichen, heißt es in einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (Ilo), die der Uno nahesteht. Dagegen werde die weltweite Arbeitslosigkeit auf ein Rekordhoch klettern und vor allem in den Industriestaaten weiter zunehmen.

In diesem Jahr dürften rund um den Globus 213,4 Millionen Menschen ohne Job sein, teilte die Organisation am Dienstag mit. Dies entspreche einer durchschnittlichen Arbeitslosenrate von rund 6,5 Prozent. Bereits im vorigen Jahr waren rund 212 Millionen Menschen erwerbslos und damit fast 34 Millionen mehr als vor Ausbruch der Finanzkrise 2007. Im Dezember 2009 war die Ilo noch davon ausgegangen, dass nur rund 20 Millionen Arbeitsplätze verlorengegangen seien. Bei einem vorzeitigen Ende staatlicher Konjunkturprogramme könnten sogar bis zu 43 Millionen Arbeitsplätze gefährdet sein.

Die Erwerbslosigkeit in Deutschland wird erst Ende 2013 auf das Niveau vor der Wirtschaftsrezession 2008 zurückgehen. Neue Stellen könnten vor allem im Umweltschutz und durch einen Abbau der Regulierung im Dienstleistungssektor entstehen.

Industriestaaten besonders betroffen

Obwohl die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3,1 Prozent wachsen dürfte, zeichne sich auf den Arbeitsmärkten noch keine Erholung ab. "Dies betrifft vor allem die Industrieländer einschließlich der EU, wo 2010 weitere drei Millionen Menschen ihre Arbeit verlieren dürften", erklärte die Ilo. Seit Beginn der Krise sei hier die Zahl der Arbeitslosen um mehr als 13,7 Millionen geklettert - allein 2009 um zwölf Millionen. Die Arbeitslosenquote sei von durchschnittlich 5,7 Prozent 2007 auf 8,4 Prozent im vorigen Jahr gestiegen. Für 2010 sei ein Anstieg auf 8,9 Prozent zu erwarten.

"Besonders betroffen waren die USA und Spanien, wohingegen in Deutschland die Arbeitslosigkeit zwischen 2007 und 2009 sogar leicht rückläufig war." In diesem Jahr jedoch dürfte die Arbeitslosigkeit auch hierzulande steigen - einige Experten gehen davon aus, dass die Vier-Millionen-Marke durchbrochen wird.

Eine wirtschaftliche Erholung ohne Erholung auf den Arbeitsmärkten müsse verhindert werden, sagte Ilo-Generaldirektor Juan Somavia. "Die gleiche politische Entschlossenheit, mit der Banken gerettet wurden, ist jetzt nötig, um Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen."

In der Krise habe auch die Zahl der ungesichert Beschäftigten im vorigen Jahr weltweit um bis zu 110 Millionen zugenommen. "Rund die Hälfte aller Beschäftigten auf der Welt arbeitet damit unter prekären Bedingungen, als Selbstständige im informellen Sektor oder als Mithelfer in einem Familiengeschäft." Um bis zu 215 Millionen oder sieben Prozent stieg demnach 2009 die Zahl der arbeitenden Armen, die mit einem Tagesverdienst von 1,25 Dollar oder weniger auskommen müssen.

mik/AFP/Reuters