Rekordaufschlag Portugal muss für neue Schulden kräftig zahlen

Das hochverschuldete Portugal hat am Kapitalmarkt frisches Geld eingesammelt - und muss dafür teuer zahlen. Für die ausgegebenen Staatsanleihen in Milliardenhöhe werden Rekordzinsen fällig.


Lissabon - Portugal muss für seine Schulden immer mehr bezahlen. Trotz des jüngst vom Parlament in Lissabon verabschiedeten rigiden Sparhaushalts hat das Euro-Land am Mittwoch nur zu Rekordzinsen frisches Geld bekommen. Insgesamt wurden am Kapitalmarkt Staatsanleihen im Wert von 1,24 Milliarden Euro untergebracht.

Wie die portugiesische Schuldenagentur (IGCP) mitteilte, wurde eine Anleihe mit einer Laufzeit bis Juni 2020 mit einem Volumen von 686 Millionen Euro platziert. Die Rendite stieg aber im Vergleich zum September von 6,24 auf 6,81 Prozent deutlich an.

Außerdem wurde eine Anleihe mit einer Laufzeit bis Oktober 2016 mit einem Volumen von 556 Millionen Euro platziert. Die Rendite kletterte hier noch stärker, und zwar von 4,37 Prozent Ende August auf 6,16 Prozent. Die Emission sei mehr als zweifach überzeichnet worden, hieß es. Da das ausgesteckte Finanzierungsziel von 750 bis höchstens 1250 Millionen erreicht wurde, soll dies die letzte portugiesische Papier-Emission im laufenden Jahr gewesen sein.

Die Auktion galt als Stimmungstest. Zuletzt haben die Risikoaufschläge für Papiere finanzschwacher Euro-Länder wieder stark angezogen.

Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos hatte jüngst sogar erklärt, wenn erst einmal Effektivzinsen um die sieben Prozent erreicht seien, werde der Zeitpunkt gekommen sein, zum Internationalen Währungsfonds (IWF) zu gehen. Nach Kritik von Medien und der Opposition relativierte er aber: "Wir haben keine festen Grenzen".

Die Staatsschulden Portugals lagen Ende 2009 bei 109 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Neuverschuldung erreichte 2009 den Rekord von 9,4 Prozent. Mit nie dagewesenen Sparmaßnahmen soll das Defizit dieses Jahr auf 7,3 und nächstes auf 4,3 Prozent gedrückt werden.

wit/dpa-AFX



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Vihaio 10.11.2010
1. Fragen über Fragen
Zitat von sysopDas hoch verschuldete Portugal hat am Kapitalmarkt frisches Geld eingesammelt - muss dafür aber teuer bezahlen. Für die ausgegebenen Staatsanleihen in Milliardenhöhe werden Rekordzinsen fällig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,728360,00.html
Ob da letztlich nicht auch die "Goldblase" schuld ist ?
Svenner80 10.11.2010
2. Mitmachen?!
6,81%?! Klingt nach Mitmachen ... blöd, dass Mutti vor kurzem durchgedrückt hat, das die Profiteure solcher Spekulationen an den Kosten beteiligt werden, wenn die Sache in die Hose geht.
rplay 10.11.2010
3. ...
wenn die Emission mehr als 2-fach überzeichnet war, warum hat man dann den Zins nicht so weit gesenkt, bis das Ding 1:1 gedeckt wurde? wenn die Nachfrage (Kreditgeber) größer ist als das Angebot (Staatsanleihen), muß man das Angebot verteuern (in dem Fall die Zinsen senken) oder hab ich da was falsch verstanden?
Alf.Edel 10.11.2010
4. Rettungspaket für Portugal?
Und wo bleibt das Rettungspaket für Portugal? Sind die Griechen etwa besser als die Portugiesen? Wenn man schon damit anfängt, muß man auch konsequent bleiben! Also, ich fordere hiermit ein ähnliches Rettungspaket für Portugal wie damals für Griechenland!!!
wika 10.11.2010
5. Also, auf dann…
…und Rettungspakete packen. Denn wen wundert es wenn solche Papiere keine Abnehmer mehr finden. Also weiter in der Sozialisierung und der Gleichmacherei der Volkswirtschaften. Wir sind ja jetzt eine Familie und da zeigt man sich solidarisch. Sicher die Kinder finanziert man, bis sie sich selbst ernähren können, nur leider werden die Staaten für gewöhnlich langsamer erwachsen als menschliche Wesen. Oder reden wir doch von Sippenhaft? Und wo führt die Nummer hin? *Schon mal was von "Staatsbankschrott"* … Link (http://qpress.de/2010/11/04/staatsbankschrott-realer-als-vermutet/), gehört… Eine sinnfällige Wortsch(r)öpfung die es allerdings ziemlich auf den Punkt bringt. Wir (die Menschen und Steuerzahler) retten solange die Banken (Hichfinanz) und weniger leistungsfähigen Volkswirtschaften, bis wir auch am Bettelstab gehen. Ist das der "europäische Gedanke"? Oder ist es nur die gelebte Form der Vollendung der verheißenen Umverteilung von unten nach oben? Wenn man den Statistiken folgt, sind die Reichen aus dem bisherigen Dilemma reicher hervorgegangen und die Armen ärmer geworden. Da dürfte also die letzte Feststellung zutreffend sein. Da frage ich mich, wie unsere Regierung angesichts solcher Tatsachen "Soziale Marktwirtschaft" definiert. Vermutlich zeichnet einen Sozialstaat aus, dass er Banken nicht verrecken lässt … oder so ähnlich … und zuständig dafür ist, wie sollte es anders sein der Mensch und unsere Regierung ist nur der willige Exekuter und Lobbyhüter.
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