Rekordminus Britische Schulden durchbrechen Billionen-Pfund-Grenze

Es ist ein bitterer Rekord: Großbritanniens Schulden betragen zum ersten Mal mehr als eine Billion Pfund. Dies sei ein Beleg für das "untragbare Ausgabenniveau der vergangenen Jahre", hieß es aus dem Finanzministerium in London.

Houses of Parliament in London: Rigider Sparkurs eingeleitet
REUTERS

Houses of Parliament in London: Rigider Sparkurs eingeleitet


London - Großbritannien hat so viele Schulden wie nie zuvor. Die Verbindlichkeiten des Staates beliefen sich am Jahresende auf 1,004 Billionen Pfund (1,2 Billionen Euro), teilte die Nationale Statistikbehörde mit. Damit wurde erstmals die Billionengrenze überschritten. "Dies belegt das untragbare Ausgabenniveau, das dieses Land in den vergangenen Jahren erreicht hat", sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums.

Im Haushaltsjahr 2010/11 türmte das Land neue Schulden in Höhe von 127 Milliarden Pfund auf - obwohl die Staatsausgaben um 0,9 Prozent fielen und die Einnahmen um 7,3 Prozent zulegten. Im laufenden Jahr soll das Defizit ebenso hoch ausfallen, das entspräche dann 8,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Maastrichter EU-Vertrag erlaubt eigentlich nur eine Obergrenze von drei Prozent.

Großbritannien hat viele Banken teilweise oder ganz verstaatlicht, was enorme Summen verschlingt. Schätzungen zufolge ist die britische Wirtschaft am Jahresende leicht geschrumpft. Die Rating-Agentur Moody's hatte davor gewarnt, dass Großbritannien seine Top-Bonität wegen der Auswirkungen der Schuldenkrise in den Euro-Ländern verlieren könnte.

Die britische Regierung versucht mit einem rigiden Sparkurs die derzeitige Lage in den Griff zu bekommen - und braucht offenbar jedes Argument, um ihn bei der Bevölkerung durchzuboxen. Da scheinen schlechte Nachrichten willkommen, wie die weitere Reaktion der Sprecherin des Finanzministeriums zeigt. Die Zahlen belegten, "dass wir das Defizit der Zukunft unseres Landes wegen entschlossen angehen müssen".

Schatzkanzler George Osborne plant, das Haushaltsdefizit bis 2017 Jahr für Jahr weiter abzubauen. Zu den Kürzungen gebe es keine Alternative, weil Großbritannien sonst in den Kreis der europäischen Krisenländer abzurutschen drohe, hatte der Tory kürzlich in seiner halbjährlichen Haushaltsrede vor dem Unterhaus gesagt. Ursprünglich hatte er das Defizit bis 2015 auf null fahren wollen. Diesen Plan musste er aber angesichts der konjunkturellen Lage verwerfen.

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yes/Reuters



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