Rekordquote Arbeitslosigkeit in Spanien klettert auf 21 Prozent

Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist so hoch wie zuletzt vor 14 Jahren: Fast fünf Millionen Menschen in dem hochverschuldeten Land haben keinen Job. Arbeitgeber und Gewerkschaften blockieren Reformen, eine Besserung ist nicht in Sicht.

Arbeitsamt in Madrid: Höchste Arbeitslosenquote in Europa
AFP

Arbeitsamt in Madrid: Höchste Arbeitslosenquote in Europa


Madrid/Luxemburg - Die Zahl der Arbeitslosen in Spanien hat den höchsten Stand seit dem Jahr 1997 erreicht. In den ersten drei Monaten 2011 waren in Spanien rund 4,9 Millionen Menschen ohne Job, das sind etwa 210.000 mehr als im Quartal davor, teilte das Nationale Statistik-Institut mit.

Die Arbeitslosenquote kletterte um fast einen Punkt auf rund 21 Prozent. Es ist die höchste in Westeuropa. Die Statistiker zählten zudem fast 1,4 Millionen Haushalte, in denen alle Erwerbsfähigen ohne Job sind.

Das hoch verschuldete Land kämpft derzeit gegen die schwerste Wirtschaftskrise, die das Land je erlebt hat. Die jäh geplatzte Immobilienblase riss Löcher in die Haushalte des Staates und vieler Privatpersonen. Und - noch schlimmer - die Realwirtschaft steckt in einem Teufelskreis von geringer Produktivität, hoher Arbeitslosigkeit, mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und Minuswachstum.

Spanien erwartet für 2011 nur ein Wachstum von 1,3 Prozent, und die Notenbank hält sogar diese Zahl für zu optimistisch. Dabei müsste die Wirtschaft kräftig wachsen, um die Löcher im Haushalt stopfen zu können.

Das Land muss vor allem seinen Arbeitsmarkt radikal umkrempeln. Doch das wird dauern. Die Regierung plant, die Eintrittsbarrieren für diverse Berufe zu senken, die Gründung von Unternehmen zu erleichtern, den Prozess der Lohnverhandlungen flexibler zu gestalten und das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre heraufzusetzen.

Doch machen die Gewerkschaften da mit? In Spanien gibt es anders als in Deutschland keinen gewachsenen Kräfteausgleich zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Dem Land drohen daher noch weitere harte Jahre. Pedro Videla, Wirtschaftsprofessor an der IESE Business School in Barcelona, beantwortet die Frage, wann das Land wieder das Niveau von Mitte der 2000er Jahre erreichen könnte, so: "Vielleicht in 150 Jahren - oder auch nie mehr."

Deutschland im Mittelfeld

Auch im Durchschnitt der Euro-Zone bleibt die Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau. Im März verharrte die Quote bei 9,9 Prozent und blieb unverändert gegenüber dem Vormonat, teilte das Europäische Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. In allen 27 EU-Staaten blieb der Wert mit 9,5 Prozent gegenüber Februar ebenfalls unverändert.

Innerhalb der EU sieht die Lage am Arbeitsmarkt sehr unterschiedlich aus. Den niedrigsten Wert meldeten die Niederlande (4,2 Prozent), Österreich (4,3 Prozent) und Luxemburg (4,5 Prozent). Deutschland liegt mit 6,3 Prozent auf dem vierten Platz.

Die Preise haben in der Euro-Zone im April unerwartet kräftig angezogen. Sie stiegen durchschnittlich um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Das teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mit.

Die Inflationsrate dürfte der Europäischen Zentralbank (EZB) zunehmend Sorge bereiten. Denn das Plus im April ist der stärkste Preisanstieg seit Oktober 2008. Damals verteuerte sich das Leben in den Euro-Staaten um 3,2 Prozent. Im März hatte die Rate bei 2,7 Prozent gelegen.

cte/dpa/Reuters



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
DasReptil 29.04.2011
1. .......
Zitat von sysopDie Arbeitslosigkeit in Spanien ist so hoch wie zuletzt vor 14 Jahren: Fast fünf Millionen Menschen*in dem*hochverschuldeten*Land*haben keinen*Job.*Arbeitgeber und Gewerkschaften blockieren Reformen, eine Besserung ist nicht in Sicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759738,00.html
Hier wird doch wohl nicht etwa die Bevölkerung langsam auf Spaniens schlüpfen unter den Rettungsschirm vorbereitet?
peterkamm-mueller 29.04.2011
2. .
Nein! Spanien ist bombensicher! Das wird NIEMALS passieren... Genau wie es in Griechenland, Irland und Portugal niemals passieren wird. Obwohl, Moment mal......
belohorizonte 29.04.2011
3. Makulatursprueche
An den schon frueher absehbaren Grunddaten hat sich seit Monaten wenig geaendert. Gleichwohl sprachen sogenannte "adviser" von unterschiedlich ausgepraegten Krisen in Griechenland, Portugal, Irland und Spanien. Alles Vernebelungsmakulatursprueche. Steigende Arbeitslosigkeit, enorme Kreditschulden im Immobliensektor bedrohen Banken in all den oben genannten Staaten. Und Great Britain hat ja auch so seine Probleme. Gut, dass Old Germania nicht spekulierte und Gewehr bei Fuss steht. Weiter so ihr Experten. So viele Schirme machen die Restgeberstaaten nicht mit. Und dann kommt der Tag der Wahrheit. Bzw. "the day after".
sonnenkoenig34 29.04.2011
4. Also ...
... ne Spende wie bei den Griechen gibts diesmal nicht - dann sollen die Spanier uns eben Mallorca verkaufen; wir machen da schon ne profitable Insel draus!
sozialminister 29.04.2011
5. Ich bin ein Kredit
Zitat von peterkamm-muellerNein! Spanien ist bombensicher! Das wird NIEMALS passieren... Genau wie es in Griechenland, Irland und Portugal niemals passieren wird. Obwohl, Moment mal......
Ach Spanien. Ich mache mir wegen denen keine Sorgen. Letztendlich wird es überall passieren, mit jeder westlichen Industrienation. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.
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