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Rüstungsindustrie: Die größten Waffenkonzerne der Welt

Foto: AP/ BAE Systems/ MoD

Rekordumsätze auf dem Rüstungsmarkt USA und Europa bewaffnen die Welt

Der globale Rüstungsmarkt boomt mehr denn je - nun wollen die USA Waffen im Wert von 60 Milliarden Dollar an Saudi-Arabien liefern. Weil Ausfuhrschranken fallen und ihre Heimatregierungen sparen, setzen Hersteller wie Lockheed, BAE oder EADS auf den Export - und liefern verstärkt in Schwellenländer.

Hamburg - Es ist ein Deal, der für Aufsehen sorgt: Saudi-Arabien will von den USA Waffen im Wert von bis zu 60 Milliarden Dollar kaufen. Vor allem F-15-Kampfjets und Hubschrauber stehen auf der Will-ich-haben-Liste des Königs in Riad. Zwar muss der US-Kongress dem Rüstungsgeschäft noch zustimmen. Aber ein Veto der Abgeordneten gilt als unwahrscheinlich.

Die US-Lieferung an Saudi-Arabien wäre einer der größten Waffendeals überhaupt. Damit wird 20 Jahre nach Ende des Kalten Krieges einmal mehr klar: Die Hoffnung vieler Pazifisten auf einen Bedeutungsverlust der Panzer- und Pistolenproduzenten wird auf absehbare Zeit ein Wunsch bleiben. Vielmehr sorgen die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus, wachsende Computerkriminalität und Großkonflikte wie im Irak oder in Afghanistan dafür, dass die Branche mehr boomt denn je.

Nach Berechnungen des Stockholmer Instituts für Friedensforschung Sipri verkauften die 100 größten Hersteller 2008 weltweit Kriegsmaterial im Wert von 385 Milliarden Dollar. Das war ein Plus von elf Prozent gegenüber 2007. Zum Vergleich: Die gesamte Entwicklungshilfe aller OECD-Staaten lag 2008 bei rund 120 Milliarden Dollar - also weniger als einem Drittel des Betrages für Waffen und Co.

BAE Systems ist Weltmarktführer

Es sind vor allem Konzerne aus den USA und Westeuropa, die den globalen Rüstungsmarkt dominieren - auch das zeigen die Sipri-Zahlen. Von den 100 größten Branchenvertretern haben 44 ihren Firmensitz in den USA. Diese Unternehmen vertreten 60 Prozent des gesamten Umsatzes. Immerhin 34 Firmen kommen aus Westeuropa. Sie stehen für 32 Prozent aller globalen Geschäfte.

Noch immer sind die USA nicht nur der größte Rüstungshersteller, sondern auch der wichtigste Militärmarkt überhaupt. Rechnet man die Kosten für die Einsätze in Afghanistan und im Irak mit, umfasst der entsprechende Haushalt der Welt-Waffenmacht in diesem Jahr mehr als 700 Milliarden Dollar. Diese Summe ist höher als alle Militäretats der EU-Staaten und von China zusammen.

Auch weil der Konzern in den USA so gute Geschäfte macht, ist der britische Hersteller BAE Systems   inzwischen der größte Waffenproduzent der Welt - noch vor den US-Konkurrenten Lockheed Martin   und Boeing  . Die Firma setzt pro Jahr fast 34 Milliarden Dollar um. Unter anderem hat sie Panzer, atomgetriebene U-Boote, Sprengköpfe und allerlei Aufklärungstechnologien im Angebot. Derzeit bastelt der Weltmarktführer an einem düsengetriebenen Kampfflugzeug, das ohne Piloten auskommen soll.

35-Milliarden-Dollar-Deal in den USA

Angesichts immenser Entwicklungskosten kooperiert BAE Systems bei vielen Projekten mit der Konkurrenz. So ist beim Eurofighter, einem der wichtigsten europäischen Militärprojekte, auch der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS dabei. Die Mutterfirma von Airbus hat sich im Rüstungsgeschäft weltweit auf Rang sieben vorgearbeitet und erwirtschaftet inzwischen rund jeden vierten Euro in diesem Bereich.

Und der Konzern, der bereits heute der wichtigste Lieferant der europäischen Streitkräfte ist, will weiter aufrüsten. Vor allem strebt EADS eine stärkere Präsenz in den USA an. Hier sollen die Umsätze von derzeit rund einer Milliarde Dollar pro Jahr auf zehn Milliarden Dollar 2020 steigen.

Größter Hoffnungswert: das Projekt für die Tankflugzeuge des US-Militärs. Der mögliche 35-Milliarden-Dollar-Deal zeigt aber auch, wie national die Rüstungsindustrie noch immer geprägt ist. 2008 hatte EADS zusammen mit dem US-Anbieter Northrop Grumman   die Ausschreibung gewonnen. Doch der unterlegene Rivale Boeing setzte vor dem US-Kongress ein erneutes Vergabeverfahren durch. Der Ausgang der noch laufenden Runde ist offen.

Viele Wehretats schrumpfen

Im Zweifel für den Heimatmarkt: Die Verteidigungsministerien vergeben Aufträge besonders gerne an Firmen aus dem eigenen Land, da die Rüstungskonzerne Technologien herstellen, die für die staatliche Sicherheit relevant sind. Außerdem sichern die Konzerne zum Teil Zehntausende Arbeitsplätze. Traditionell pflegen die Regierungen mit den Unternehmen enge Verbindungen.

Europa verhält sich dabei nicht anders als die USA. So beauftragten mehrere Staaten Airbus lieber mit der Neuentwicklung des Militärtransporters A400M, statt einen bereits am Markt erprobten Flieger im außereuropäischen Ausland zu kaufen. Bisher liefert der A400M vor allem Nachrichten aus der Abteilung "Pleiten, Pech und Pannen".

Und doch: Bei aller nationalen Fokussierung der Rüstungsindustrie zeichnet sich ein Trend ab, den auch der Deal zwischen den USA und Saudi-Arabien unterstreicht. Weil die Regierungen Ausfuhrkontrollen weniger rigide handhaben, setzen die Hersteller immer stärker auf den Export. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Wachstumschancen in den Industrieländern eher trübe sind.

Die Finanzkrise hat die meisten Staatshaushalte ruiniert. In Europa schrumpfen die Wehretats zumeist. Und auch die US-Regierung will die Militärausgaben einfrieren. Ganz andere Wachstumsphantasien wecken da die Schwellenländer. So will Brasilien seine Rüstungsausgaben in diesem Jahr um 25 Prozent erhöhen, Indien sogar um ein Drittel.

Deutschland verdoppelt Exporte

Auch deutsche Hersteller wie Rheinmetall   und Krauss-Maffei folgen dem Beispiel anderer deutscher Konzerne und erschließen neue Märkte fernab der Heimat. Zwar befinden sich unter den Top-100-Rüstungskonzernen der Welt nur fünf hiesige Anbieter. Und die Platzierungen von Rheinmetall   (29), Krauss-Maffei (42), ThyssenKrupp   (49), Diehl (64) und MTU Aero (79) verdienen höchstens das Attribut "Unter ferner liefen".

Trotzdem ist Deutschland nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Es gibt sogar Anzeichen für einen regelrechten Boom: In den vergangenen fünf Jahren haben sich die deutschen Ausfuhren verdoppelt. Ihr Wert summierte sich von 2005 bis 2009 nach Berechnungen des Forschungsinstituts Sipri auf gut zwölf Milliarden Dollar.

Beliebt waren vor allem U-Boote "made in Germany". Allerdings gehörte in den vergangenen Jahren auch der Fastpleitestaat Griechenland zu den Hauptabnehmern deutscher Unterwassertechnologie. Es sieht also so aus, als müssten die schwarz-rot-goldenen Waffenlobbyisten bald nach neuen Kunden Ausschau halten.

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