Mit höheren Bezügen Arbeitnehmer gehen etwas früher in Rente

Politiker und Ökonomen streiten über die Rente mit 70. Das Eintrittsalter ist laut einem Bericht zuletzt aber sogar leicht gesunken. Hängt das mit den höheren Bezügen zusammen?
Älterer Arbeitnehmer: Männer gingen im Schnitt mit 64,05 Jahren in Altersrente

Älterer Arbeitnehmer: Männer gingen im Schnitt mit 64,05 Jahren in Altersrente

Foto: Andreas Prost / IMAGO

Einerseits steigt die Zahl der Menschen, die im Rentenalter einer Arbeit nachgehen: Mehr als eine Million über 67 arbeitet. Im Durchschnitt jedoch sind andererseits Arbeitnehmer 2021 laut einem Bericht zuletzt wieder etwas früher und mit höheren Bezügen in Rente gegangen als in den Vorjahren.

Konkret gingen 2021 insgesamt 1,435 Millionen Beschäftigte in Rente, wie die »Bild«-Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung berichtet. Im Schnitt wechselten Männer mit 64,05 Jahren in Altersrente. Im Jahr 2020 lag das Renteneintrittsalter noch bei 64,07 Jahren. Frauen gingen mit 64,18 Jahren in Altersrente – gegenüber 64,24 im Vorjahr.

Trotz des jüngsten Rückgangs hatte es zuletzt jedoch lange einen anderen Trend gegeben: Die durchschnittliche Versicherungszeit ist seit Beginn der Nullerjahre um vier Jahre gestiegen. 2000 waren nur zehn Prozent der 60- bis 64-Jährigen rentenversicherungspflichtig beschäftigt, zuletzt waren es mehr als 40 Prozent.

Dass sich daran nun zumindest leicht etwas ändert, könnte auch damit zusammenhängen, dass die Bezüge der Neurentner gestiegen sind. An Altersrenten erhielten Männer 1204 Euro (2020: 1171) netto und Frauen 856 Euro (2020: 827). Bei Erwerbsminderungsrenten bekamen Männer im Schnitt noch 956 Euro (2020: 914 Euro) netto und Frauen 882 Euro (851 Euro).

Im Schnitt 1579 Euro bei 45 Versicherungsjahren

Die höchsten Durchschnittsrenten bekamen Senioren, die mit der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren (»Rente mit 63«) aus dem Berufsleben ausschieden. Bei Männern lag der Rentenzahlbetrag nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen im Schnitt bei 1579 Euro und für Frauen bei 1235 Euro.

Als wichtiger Grund für die schlechte Lage des umlagefinanzierten Rentensystems gilt das geballte Ausscheiden der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge aus dem Erwerbsleben. Sie und die künftigen Generationen einfach länger arbeiten zu lassen, dürfte jedoch schwierig sein.

Zwar sind ältere Menschen – besonders Hochqualifizierte – im Rentenalter immer häufiger erwerbstätig. Allerdings wollen viele Babyboomer lieber früher als später aussteigen. Hinzu kommt, dass sich gerade bei körperlich fordernden Tätigkeiten das Renteneintrittsalter nicht beliebig nach hinten verschieben lässt.

Die Ampelkoalition konnte sich nicht auf Rentenkürzungen oder ein höheres Renteneintrittsalter einigen. Jüngst hatten aber einige Ökonomen erneut eine Debatte über das Thema angestoßen und die Rente mit 70 ins Spiel gebracht. Die Chefin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, hatte bereits vor Monaten gemahnt, die Politik müsse die Entwicklung »gut beobachten«.

apr/AFP