Umstrittener Vorstoß CDU will einheitliches Rentenalter kippen

CDU-Kreise wollen mit einem radikalen Reformkonzept in den Wahlkampf ziehen: Das einheitliche Renteneintrittsalter soll fallen – und das alte Umlagesystem ergänzt werden durch einen Kapitalstock.
Foto: Frank May/ dpa

Was werden die großen Streitpunkte im kommenden Bundestagswahlkampf 2021? Die Zukunft der Altersvorsorge könnte dazu gehören: In der CDU werben Rentenpolitiker für weitreichende Reformvorschläge, mit denen die Partei in den Wahlkampf gehen könnte.

So hat der Bundesfachausschusses Soziale Sicherung und Arbeitswelt der Partei eine Empfehlung beschlossen, das einheitliche Renteneintrittsalter abzuschaffen und einen Kapitalfonds in der gesetzlichen Rente aufzubauen. Das teilte die CDU am Dienstag mit.

»Daher ist zu prüfen, in welchem Umfang die gewonnene Lebenszeit ausgewogen auf Erwerbsphase und Rentenphase verteilt werden kann.«

CDU-Vorstoß

Beide Schritte wären weitreichende Weichenstellung: Denn bislang ist die gesetzliche Rentenversicherung zum einen umlagefinanziert (das heißt: aktuelle Auszahlungen an Rentner werden durch laufende Einzahlungen der Versicherten finanziert), zum anderen gilt für alle Berufe ein einheitliches Renteneintrittsalter.

Einstieg in die kapitalgedeckte Rente?

Die Bundesfachausschüsse sollen zum programmatischen Profil der CDU beitragen. Dem Beschluss des Rentenpapiers gingen tagelangen Diskussionen voraus. Zuletzt beteiligten sich nach Angaben aus dem Ausschuss 51 Politiker an der Schlussberatung.

Gewonnene Lebenszeit müsse zum Teil in Erwerbstätigkeit verbracht werden, heißt es angesichts einer erwarteten weiter steigenden Lebenserwartung in dem Beschluss. »Daher ist zu prüfen, in welchem Umfang die gewonnene Lebenszeit ausgewogen auf Erwerbsphase und Rentenphase verteilt werden kann.«

Experten wie der Münchner Ökonomie-Professor Axel Börsch-Supan sprechen sich seit Längerem dafür aus, das Renteneintrittsalter automatisch an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Steigt die Lebenserwartung etwa um drei Jahre, würde die Lebensarbeitszeit beispielsweise um zwei Jahre steigen – und damit auch das Renteneintrittsalter verschoben.

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Den CDU-Plänen zufolge solle die Regelaltersgrenze individualisiert werden. Das Ziel sei eine Regelung für einen individuellen Übergang in die Rente statt eines »fixen gesetzlichen Renteneintrittsalters für alle«. Erreicht werden solle das in einem Stufenmodell mit stärkeren Anreizen für längeres Arbeiten.

CDU spricht von Doppelrente

Die gesetzliche Rentenversicherung solle zudem langfristig in ein Mischsystem aus Umlage und Kapitalanlage umgebaut werden. Die Bundesregierung soll dafür einen Vorschlag in Anlehnung an eine Idee einer Doppelrente vorlegen. Dabei solle eine Körperschaft des öffentlichen Rechts unter dem Dach der Rentenversicherung eingerichtet werden, die einen Rentenfonds für die Kapitalanlage aufbaut und betreut.

Der CDU-Abgeordnete Thomas Heilmann, Sprecher für den Bereich »Zukunft der Arbeit«, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die geplante »Doppelrente« schaffe »ein Stück Ludwig Erhard in der gesetzlichen Rentenversicherung«. Während Kanzler Konrad Adenauer in der jungen Bundesrepublik die Umlagefinanzierung der Renten gewollt habe, habe der damalige Wirtschaftsminister eine Kapitaldeckung für richtig gehalten.

Die betriebliche und private Vorsorge will der CDU-Ausschuss effizienter regeln. Für Geringverdiener solle eine betriebliche oder private Altersvorsorge ab der nächsten Wahlperiode zur Pflicht werden, wobei die Arbeitgeber einen »substanziellen Beitrag« dazu leisten sollen. Der Staat solle statt der heutigen Riesterrente mittelfristig ein Standardvorsorgeprodukt bieten, das auf Aktienanlagen basiert. Es solle dabei auch Produkte ohne garantierte Leistung geben können, »weil dort die Renditechancen höher sind«. Arbeitnehmer sollen bei dieser Absicherung automatisch mitmachen, es sei denn sie widersprechen ausdrücklich. Auch Beamte sollen das Vorsorgeprodukt abschließen können.

beb/dpa
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