CDU-Vorschlag zur Rente Staat soll bei Geburt 4000 Euro in Aktienfonds einzahlen

Die gesetzliche Rente steht vor gewaltigen Finanzproblemen. CDU-Experte Kai Whittaker will zumindest künftige Generationen vor Altersarmut schützen: mit Startkapital in einem Staatsfonds.
CDU-Rentenpolitiker Whittaker: »Vergleichsweise günstige Investition«

CDU-Rentenpolitiker Whittaker: »Vergleichsweise günstige Investition«

Foto: Christian Spicker / imago images

Der CDU-Sozialpolitiker Kai Whittaker fordert eine staatliche Anschubfinanzierung für das Aktiensparen künftiger Generationen in der gesetzlichen Rente: »Der Staat legt bei Geburt eines Kindes 4000 Euro in einen Staatsfonds an«, schlägt Whittaker vor. »Das Geld bleibt bis zum Renteneintritt im Staatsfonds, erst dann kann es ausgezahlt werden«, sagte der Bundestagsabgeordnete dem SPIEGEL.

Whittaker hat das Rentenkonzept der CDU-Fachpolitiker aus dem vergangenen Herbst maßgeblich erarbeitet. Bereits darin hatte er die Forderung nach dem Aufbau eines zusätzlichen Kapitalfonds in der gesetzlichen Rente formuliert. Bislang ist noch offen, ob beides auch Eingang in das Unions-Wahlprogramm finden wird, an dem CDU und CSU noch arbeiten.

Mit der Forderung nach einer zusätzlichen kapitalgedeckten Säule in der Rente steht CDU-Mann Whittaker keineswegs allein da. Auch die Grünen, SPD und FDP haben den Aufbau eines Staatsfonds in ihrem Wahlprogramm. SPD und Grüne wollen ihn als freiwilligen und staatlich geförderten Ersatz für die Riester-Rente und – im Falle der Grünen – als Standardoption für die Betriebsrente. Die FDP will – wie die CDU-Fachpolitiker – künftig etwa ein Zehntel der Rentenbeiträge in einem solchen Staatsfonds anlegen und fordert ebenfalls ein staatliches Startkapital für jedes neugeborene Kind, allerdings in Höhe von tausend Euro.

Nach 67 Jahren rund 200.000 Euro

Für einen staatlichen Rentenfonds plädiert unter anderem die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg  seit Langem. Verwaltet würde er von einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft unter dem Dach der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Bundesbank. Der Fonds soll das Geld breit gestreut an den Kapitalmärkten anlegen, zu sehr niedrigen Verwaltungskosten. Ein solcher Fonds existiert bereits in einigen Ländern, etwa in Norwegen und Schweden.

»Effektiv wird das Kinderrentengeld durch die extrem lange Laufzeit, nach derzeitigem Stand 67 Jahre«, sagt Whittaker. In den vergangenen 50 Jahren habe etwa der deutsche Leitindex Dax eine durchschnittliche Rendite von acht Prozent im Jahr gehabt. Berücksichtigt man die Inflation, ergebe das eine reale Durchschnittsrendite von sechs Prozent jährlich.

Schreibt man diese Entwicklung fort, würde aus den 4000 bei Geburt eingezahlten Euro bei der Auszahlung ein Betrag, der der heutigen Kaufkraft von 200.000 Euro entspreche, rechnet Whittaker vor. Lege man zugrunde, wie lange Menschen derzeit statistisch nach dem regulären Renteneintritt noch leben – nämlich 18 Jahre – entspreche die monatliche Auszahlung etwas mehr als 900 Euro der heutigen Kaufkraft. »Das ist ungefähr der Betrag, der Altersarmut verhindert«, sagt Whittaker. Dazu kämen dann noch die Zahlungen aus dem umlagefinanzierten Teil der gesetzlichen Rente sowie der betrieblichen und privaten Vorsorge.

Kosten würde das Kinderrentengeld den Staat pro Jahr rund 3,2 Milliarden Euro, da derzeit rund 800.000 Kinder im Jahr geboren werden. »Das ist eine vergleichsweise günstige Investition«, sagt Whittaker.

Allerdings würde diese Investition die erheblichen Finanzierungsprobleme tendenziell noch verschärfen, vor denen die gesetzliche Rente den meisten Experten zufolge in den kommenden Jahren steht: Der demografische Wandel wird das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern vor allem in den anstehenden eineinhalb Jahrzehnten drastisch verschlechtern. In der vergangenen Woche hatte der Vorschlag von Regierungsberatern für heftige Debatten gesorgt, der unter anderem eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung vorsieht, also die Rente mit 68 ab dem Jahr 2042.

Außerdem rechnen die Experten aber auch mit einer Senkung des Rentenniveaus sowie mit höheren Beitragssätzen – und deutlich mehr Steuerzuschüssen. Das Kinderrentengeld müsste in den kommenden Jahren dann noch zusätzlich aus Steuern aufgebracht werden. Selbst wenn in der nächsten Legislaturperiode ein Kinderrentengeld eingeführt würde, würden aber erst ab etwa dem Jahr 2090 die ersten Rentenversicherten davon profitieren.

Dass seine Forderung die akuten anstehenden Probleme nicht löst, sieht auch Whittaker so. »Die Rente werden wir nur mit vielen kleinen Schritten reformieren können, eine einzige Maßnahme wird sie nicht retten.«

Die unpopuläre Rente mit 68 macht sich der CDU-Fachpolitiker kurz vor der Bundestagswahl nicht zu eigen, lehnt sie aber auch nicht grundsätzlich ab: Bevor das Eintrittsalter geändert werde, müssten erst einmal die Voraussetzungen geschaffen werden, etwa durch einen Ausbau von Reha- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie stärkeren Anreizen für Beschäftigte, länger zu arbeiten. Statt einem starren Eintrittsalter für alle könnte der Rentenbeginn an das Erreichen von 47 Beitragsjahren gekoppelt werden.

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