Endlich verständlich Die wichtigsten Daten und Fakten zur Rente

Die Rente geht alle an, doch kaum jemand blickt durch: Warum ist sie unter Druck? Was ist sie 2040 noch wert? Droht Altersarmut als Massenphänomen? Und ist die Riester-Rente wirklich gescheitert? Die Antworten im Hintergrundformat "Endlich verständlich".
Foto: Ingo Wagner/ picture alliance / dpa

Altersvorsorge – endlich verständlich

Die gesetzliche Rentenversicherung ist durch die Alterung der Gesellschaft, den demografischen Wandel, unter Druck geraten. Weil die Geburtenraten gesunken sind, leben in Deutschland immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen. Hinzu kommt: Dank des medizinischen Fortschritts ist auch die Lebenserwartung deutlich gestiegen. Es gibt also nicht nur mehr Senioren als früher, sie leben auch deutlich länger - und beziehen länger Rente.

Fernere Lebenserwartung

Wie lange lebt noch, wer schon 65 ist?

Wie lange lebt noch, wer schon 65 ist?

Foto: Quelle: Statistisches Bundesamt, 1960-1989: Eurostat

Für die gesetzliche Rentenversicherung ist das ein Problem. Sie finanziert sich über das Umlageverfahren: Arbeiter und Angestellte zahlen Rentenbeiträge ein, die als Rentenzahlungen an die aktuelle Rentnergeneration ausgezahlt werden. Rücklagen werden also nicht gebildet - abgesehen von der Nachhaltigkeitsreserve, die aber höchstens die Ausgaben für 1,5 Monate abdecken soll.

In einem solchen System gibt es umso mehr zu verteilen, je stärker Löhne und Gehälter und vor allem die arbeitende Bevölkerung insgesamt wachsen. Von dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) ist der Satz überliefert: "Kinder kriegen die Leute immer". Das war ein Irrtum, wie wir heute wissen. Die Gesellschaft überaltert.

Es gibt eine Messgröße, die das Problem der Rentenversicherung gut verdeutlicht: den sogenannten Altenquotienten. Er setzt die Zahl der Menschen über 65 Jahren ins Verhältnis zur ökonomisch aktiven Bevölkerung (20 bis 65 Jahre). 1995 lag der Altenquotient bei 0,25 - auf 100 Jüngere kamen also 25 Rentner. Vier Jüngere finanzierten mit ihren Rentenbeiträgen also einen Rentner. Inzwischen liegt der Altenquotient bereits bei 0,33 - nur noch drei Jüngere finanzieren heute also einen Rentner, 2030 werden es nur noch zwei Jüngere sein.

In den kommenden Jahren wird der Altenquotient rasant ansteigen und dürfte Prognosen zufolge 2060 bei 0,64 liegen - dann werden drei Jüngere also zwei Rentner finanzieren müssen. Immer mehr Rentenempfänger stehen also immer weniger Beitragszahlern gegenüber.

Prognose Altenquotient

So viele Ältere (65+) kommen auf 100 Personen zwischen 20 und 65 Jahren; so viele Ältere (67+) kommen auf 100 Personen zwischen 20 und 67 Jahren

So viele Ältere (65+) kommen auf 100 Personen zwischen 20 und 65 Jahren; so viele Ältere (67+) kommen auf 100 Personen zwischen 20 und 67 Jahren

Foto: Quelle: Statistisches Bundesamt, Berechnungen: BiB

Ein weiteres Problem: sogenannte versicherungsfremde Leistungen. Ein Beispiel ist die Mütterrente: Frauen, die Kinder großgezogen haben, sollen höhere Renten ausgezahlt werden - unabhängig davon, ob und wie viel sie in die Rentenkasse eingezahlt haben. Es handelt sich also um Subventionen, für die nie Geld in die Rentenkasse geflossen ist.

Darüber hinaus verliert die Rentenversicherung zunehmend ihre frühere Funktion als ausreichende Alterssicherung für die weit überwiegende Mehrheit. Denn für viele jetzige Arbeitnehmer wird ihre gesetzliche Rente nicht mehr ausreichen - auch weil sich das Erwerbsleben verändert hat: Noch vor wenigen Jahrzehnten war es üblich, dass viele Arbeitnehmer von der Lehre bis zur Pensionierung ein ganzes Berufsleben in einem Unternehmen verbrachten. Heute dagegen sind häufige Jobwechsel üblich, ebenso wie berufliche Auszeiten oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse, in denen kaum Vorsorge für das Alter getroffen werden kann. Die Rentenversicherung muss also angepasst werden an diese sogenannten unsteten Erwerbsbiografien.

Zudem sind viele Erwerbstätige gar nicht mehr gesetzlich rentenversichert. Ein Beispiel ist die Zunahme schlecht verdienender Selbstständiger, die in keinem verpflichtenden Alterssicherungssystem abgesichert sind - Bundarbeitsministerin Andrea Nahles bezifferte ihre Zahl auf rund drei Millionen Menschen.

Autoren: Benjamin Bidder, Almut Cieschinger, Florian Diekmann, Claudia Niesen

Dokumentation: Regina Schlüter-Ahrens, Thomas Schmidt, Holger Wilkop

Schlussredaktion: Hannah Panten

Grafiken: Florian Diekmann, Christina Elmer, Chris Kurt

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