OECD-Studie Angstfaktor Rente

Die Industrieländerorganisation OECD hat Menschen in 21 Ländern nach ihren größten Sorgen gefragt. In Deutschland landete die Altersvorsorge weit vorn. Das Vertrauen in die Politik ist gering.

Senioren in Eberswalde (Archivbidl)
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Senioren in Eberswalde (Archivbidl)


Nahezu vier von fünf Deutschen machen sich Sorgen um ihre Altersvorsorge. Das ergab eine repräsentativen Umfrage der Industrieländerorganisation OECD. Demnach sehen langfristig 76 Prozent der rund 1000 Befragten zwischen 18 und 70 Jahren ihre Rente als eine Hauptsorge.

Fast die Hälfte der Deutschen (45 Prozent) wäre zudem bereit, für eine höhere Rente zusätzlich zwei Prozent ihres Einkommens als Steuer- oder Beitragszahlung zu leisten. Damit liegt Deutschland bei der Befragung in 21 Ländern deutlich über dem Durchschnitt von 38 Prozent.

Kurzfristig fürchtet sich rund die Hälfte der Befragten vor Krankheit und Behinderung (51 Prozent), gefolgt von Kriminalität und Gewalt (47 Prozent). Finanzielle Schwierigkeiten kamen bei den kurzfristigen Ängsten mit 43 Prozent auf Platz 3.

Eine große Mehrheit der Deutschen (78 Prozent) ist der Meinung, dass die Regierung mehr für die wirtschaftliche und soziale Absicherung des Einzelnen tun sollte. Mit Blick auf 21 andere OECD-Staaten ist das ein Mittelwert. Den Spitzenplatz belegt Griechenland mit mehr als 90 Prozent. Am unteren Ende der Skala rangieren Frankreich und Dänemark mit Werten zwischen 40 und 50 Prozent.

Drei Viertel für stärkere Besteuerung von Reichen

Nur ein knappes Fünftel der Befragten in Deutschland glaubt allerdings, dass sich die Regierung bei der Einführung und Anpassung öffentlicher Leistungszahlungen für die Meinung der Bevölkerung interessiert.

Rund drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) sind in der Umfrage der Ansicht, dass die Regierung Reiche stärker als bisher besteuern sollte, um ärmere Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. Damit gibt es in Deutschland mehr Befürworter einer stärkeren Umverteilung als in den meisten anderen Ländern.

Die Abkürzung OECD steht für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das Bündnis mit 36 Mitgliedstaaten will Politik unterstützen, die das wirtschaftliche und soziale Wohl der Bevölkerung fördert. Für die Umfrage wurden 2018 in zwei Wellen im Frühjahr und Herbst in 21 OECD-Ländern insgesamt 22.000 Menschen interviewt, darunter neben Europa auch in Israel, Chile, Mexiko und den USA

dab/dpa

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chrismuc2011 19.03.2019
1.
Manche, darunter bestimmt auch Foristen, werden meinen, dass jeder selbst für seine Rente sorgen muss. Das ist im Prinzip richtig. Aber nur dann, wenn der Staat nicht ins Rentengefüge eingreift. Was er aber in Deutschland getan hat, indem die Renten gekürzt wurden, die Lebensarbeitszeit verlängert und damit die erlebbare Rentenzeit gekürzt hat, das Zinsniveau auf 0% gelegt hat, um die Kredite der Reichen und der Industrie zu fördern, und damit die Sparvermögen der arbeitenden Bevölkerung vernichtet hat. Zudem wurde in keinster Weise das Lohnniveau gehalten, sondern seit den 90er Jahren runtergefahren, mit Billigung und Förderung der Bundesregierung ( Stichwort: Facharbeitermangel), Langzeitarbeitslose über 50 in keiner Weise unterstützt, um wieder in Lohn und Brot zu kommen. Von steigenden Steuern mal ganz abgesehen. Insofern ist es die Pflicht der Regierung für eine angemessene und eine Teilhabe am sozialen Leben möglich machende Rente zu sorgen. Wenn das nicht geschieht, muss man sich über einen Rechtsruck der Wähler nicht wundern, zumal ja SPD das S in Ihrem Parteinamen offensichtlich gedanklich gestrichen hat, und die Linke leider nicht zu Potte kommt.
edelweiss99 19.03.2019
2. wenig überraschend!
Da wird ein Thema seit Jahren hochgehypt und dann wundert man sich, dass es die Bevölkerung beschäftigt! Es vergeht doch kein Tag, an dem das Thema nicht hochgekocht wird. Unterdessen haben sogar diejenigen Angst beim Thema Rente, die sich sonst um gar nichts kümmern! Und was unternimmt die Regierung? Sie hat ihr grösstes Rentenverkleinerungsprogramm genannt Steuer für die Rente gestartet und derjenige, der jahrelang einbezahlt hat bleibt der Dumme!
kraftmeier2000 19.03.2019
3. Ich gehöre
zu den Dummen, dem nach 47 Jahren Steuerpflichtiger Arbeit, jetzt nach der Rentenreform durch Rot/Grün (2001) auch noch Steuern zahlen darf auf eine nicht gerade üppige Rente. Wobei, es gibt viele die nicht nur die Kürzungen erfahren, sondern durch den langjährigen Niedriglohnsektor gar nicht erst zu einer Rente kommen welche man für ein würdiges Leben bräuchte, auch das war von den Regierungen egal welche so gewollt, und das alles nur um Unternehmen und Reiche (Erbschaftssteuer etc.) bedienen zu können, mit Steuergeschenken in jeglicher Form.
gartenkram 19.03.2019
4. Ich habe
etwas gegen die Gleichmacherei. Wer viel gearbeitet und eingezahlt hat müsste besser gestellt sein als jemand, der das nie getan hat, gleich aus welchem Grund. Ebenso muss die Besteuerung geändert werden - wer soll denn Rente ansparen, wenn es im Monat mal grad so reicht? Wie sollen v.a. kleine Selbständige zu einer Altersvorsorge kommen, wenn der Staat immer mehr verhindert und Gewinne horrend besteuert während Grosskonzeren irrwitzige Steuerschlupflöcher nutzen?
amadeus300 19.03.2019
5. Ich habe keine Angst (mehr...)
Ich habe alles getan: Eine durchgehende Erwerbsbiograhie, die mir jedoch bestenfalls eine Grundsicherung ermöglichen wird. Ich habe trotz niedriger Einkommen privat vorgesorgt, aber diese Vorsorge wird bei Rentenbeginn mit staatlichen Leistungen verrechnet werden (was ich für ungerecht halte). Ich werde auch nach Rentenbeginn an meinem Wohnort, einer deutschen Großstadt, weiterleben und meine ohnehin kleine Wohnung trotz steigender Mieten nur bei Zwangsräumung verlassen. Ob ich die Miete allerdings noch zahlen werde, weiß ich nicht. Vielleicht bezahle ich auch einfach nicht meine Strom- und Wasserrechnungen. Für Straßenbahn und Bus werde ich sicher keine Fahrscheine mehr kaufen, da ich schwarzfahren werde. In den Fernzug werde ich mich auch ohne Fahrkarte setzen. Und wenn ich mal Hunger habe und das Geld nicht reicht, werde ich mich in eines der örtlichen Gasthäuser setzen, und wenn es dann an's Bezahlen geht, den Kellner bitten, mir die Rechnung nach Hause zu schicken, die ich dann natürlich auch nicht bezahlen werde. Irgendetwas wird dann schon passieren. Im Gefängnis bekomme ich wenigstens eine warme Mahlzeit und habe ein Dach überm Kopf. Vielleicht werde ich Anarchist. Aber Angst habe ich keine mehr.!. Denn ich habe mein Leben lang, das Menschenmögliche getan !
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