Rente mit 63 Betriebe buhlen um ältere Fachkräfte

Die Rente mit 63 macht manche ältere Arbeitnehmer begehrt: Laut einer Umfrage verliert etwa jeder neunte Betrieb durch den früheren Ruhestand Mitarbeiter. Ein Viertel dieser Betriebe will Fachkräfte durch höhere Löhne oder Beförderungen halten.
Lehrmeister mit Azubis: Firmen fürchten Verlust der erfahrenen Mitarbeiter

Lehrmeister mit Azubis: Firmen fürchten Verlust der erfahrenen Mitarbeiter

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Manche Beschäftigte können offenbar auch dann von der Rente mit 63 profitieren, wenn sie sie selbst gar nicht in Anspruch nehmen. Denn laut einer Umfrage fürchten Firmen den Verlust von Fachkräften - und machen Mitarbeitern deshalb attraktive Angebote, damit sie länger im Job bleiben.

In etwa jedem neunten Betrieb in Deutschland nutzen Beschäftigte die vor einem Jahr in Kraft getretene Rente mit 63. Arbeitgeber kritisieren, dass ihnen durch die Möglichkeit der Frührente wichtige Fachkräfte verloren gehen. In einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) - dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit -   gaben 11,4 Prozent der Arbeitgeber an, dass mindestens ein Mitarbeiter davon Gebrauch mache oder dies in den nächsten drei Jahren tun werde.

Wiederum ein Viertel dieser Firmen reagiert demnach auf das drohende Ausscheiden älterer Mitarbeiter mit Anreizen für die Belegschaft. Laut IAB bieten die Unternehmen etwa flexiblere Arbeitszeiten, Lohnerhöhungen oder Prämien an. Besonders häufig sei das in Betrieben der Fall, die vom Fachkräftemangel betroffen sind.

Gut die Hälfte der befragten Betriebe will anstelle der in Frührente gegangenen Mitarbeiter neue Beschäftigte einstellen. Ein Drittel reagiert, indem sie Abteilungen umstrukturieren.

In einer Hochrechnung geht das IAB davon aus, dass etwa 560.000 Beschäftige die Rente mit 63 jetzt oder in den kommenden drei Jahren nutzen. Die öffentliche Verwaltung ist davon besonders betroffen, Betriebe im Kunst- und Kulturbereich oder dem Gastgewerbe dagegen relativ selten. Aus den Daten sei aber nicht zu erkennen, inwieweit die Rente mit 63 den Anstoß für das frühere Ausscheiden aus dem Erwerbsleben gegeben habe oder ob die Betroffenen auch ohne die Neuregelung unter Inkaufnahme von Abschlägen in den Ruhestand gewechselt wären, hieß es.

Durch die zum 1. Juli 2014 eingeführte Rente mit 63 können sich langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren ohne Kürzungen der Rente zur Ruhe setzen. In den ersten neun Monaten ihrer Gültigkeit wurden bis Ende März 2015 laut Rentenversicherung rund 279.000 Anträge gestellt.

ade/mmq/Reuters
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