Bundesbank-Vorstoß zur Rente mit 69 DGB warnt vor "eiskalter" Kürzung für Arbeiter

Die Bundesbank plädiert für die Rente mit 69. Gewerkschafter sind strikt dagegen. Schwer arbeitenden Menschen würde damit "eiskalt" deren Rente gekürzt.

Arbeiter beim Straßenbau: DGB verweist auf körperlich anstrengende Jobs
Westend61/ Getty Images

Arbeiter beim Straßenbau: DGB verweist auf körperlich anstrengende Jobs


Angesichts der allgemein steigenden Lebenserwartung und der Belastung für die Sozialkassen hat die Bundesbank langfristig eine Anhebung des Rentenalters auf fast 70 Jahre vorgeschlagen. Doch beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) stößt dieser Vorstoß auf Ablehnung. "Bereits die Rente mit 67 war ein Fehler", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Schon heute würden viele ältere Arbeitnehmer nicht das gesetzliche Rentenalter erreichen.

"Sie werden oft vorher arbeitslos oder chronisch krank und retten sich nach Bezug von Arbeitslosengeld I und II oder Krankengeld nur mit Mühe in eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen", sagte Buntenbach. "Diejenigen, die dieses rettende Ufer nicht erreichen, fallen zumeist ins Hartz-IV-Regime und infolgedessen oft in Altersarmut."

Das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung sage zudem nichts über die individuelle Lebenserwartung der arbeitenden Menschen aus. "Denn wer schwer arbeitet, hat ein höheres Sterblichkeitsrisiko als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen", sagte Buntenbach. "Wer also das Renteneintrittsalter anhebt, kürzt all diesen Menschen eiskalt deren Rente. Gerecht geht anders."

Der Arbeitgeberverband BDA dagegen sieht den Vorschlag der Bundesbank positiv. "Die gewonnene Lebenserwartung muss auch zu einer längeren Erwerbsphase führen und darf nicht nur einen immer längeren Ruhestand bedeuten", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter. Der Weg dahin sei zweitrangig: "Eine Indexierung des gesetzlichen Rentenalters ist ebenso denkbar wie eine schrittweise gesetzliche Anhebung."

Auch FDP-Vizefraktionschef Michael Theurer begrüßte die Forderung der Bundesbank. Sie sei "ein wichtiger Impuls in der Debatte um Generationengerechtigkeit", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Ein flexibles Renteneintrittsalter würde den Fehler der großen Koalition korrigieren, das Alter für den Eintritt in den Ruhestand abzusenken." Andernfalls werde die durch Umlagen finanzierte Rente sehr bald an ihre Grenzen stoßen.

Die Bundesbank hatte zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen eine Anhebung des Rentenalters auf langfristig über 69 Jahre vorgeschlagen. Das Rentenalter sollte demnach an die zunehmende Lebenserwartung gekoppelt und nach 2030 so angehoben werden, "dass die Relation von Renten- zu Beitragsjahren in etwa stabil bleibt". Das Rentenalter müsse dazu bis zum Jahr 2070 auf 69 Jahre und vier Monate steigen. Dies würde nach dem Bundesbank-Vorschlag im Jahr 2001 Geborene betreffen.

Derzeit ist geplant, dass sich das gesetzliche Rentenalter bis 2031 auf 67 Jahre erhöht. Die offiziellen Vorausberechnungen für die Rente enden im Jahr 2032. Doch die Lebenserwartung ist zuletzt immer weiter gestiegen und wird Schätzungen zufolge auch künftig weiter zunehmen. Eine Expertenkommission der Bundesregierung soll bis März 2020 Empfehlungen zur Zukunft der Rente vorlegen.

mmq/AFP/dpa



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erzengel1987 22.10.2019
1. Weltfremd...
Es gibt einige Menschen die bereits mit 40 Arbeitslos sind. Die Menschen gelten bei einigen Firmen als bereits zu alt. Wer eine höhere Rente fordert muss im ersten Schritt dafür sorgen, dass diese Langzeitarbeitslosen eine neue Perspektive erhalten. Durch sinnvolle Fortbildungsmaßnahmen und eine sinnvolle Eingliederung ins Arbeitsleben. Prinzipiell sollte ein anderer Ansatz gelten. Jeder Mensch sollte Anrecht auf eine Lebenswürdige Rente haben. Also prinzipiell 1500 Euro Rente im Monat. Renten dürfen in keiner Form besteuert werden, außer durch die Mehrwertsteuer auf Produkte, oder die Miete. Rentner müssen Beitragsbefreit von Sozialleistungen sein. Damit wäre einem Großteil der Menschen direkt geholfen. Es sollte durchaus bezahlbar sein. Wem diese feste Rente nicht ausreicht, der kann Privat zusätzlich vorsorgen. Auch die Private Vorsorge muss Steuerfrei ausgezahlt werden. Ohne abschläge ohne gebühren oder sonstigen Schweinkram.
tinohsk 22.10.2019
2. Rente
Warum verlangen ausgerechnet diejenigen immer ein höheres Renteneintrittsalter, die ihr Leben lang nie körperlich arbeiten mussten und somit locker bis 90 arbeiten könnten ? Sollen Banker und andere Sesselfurzer doch bis 90 arbeiten und die Menschen, die körperlicher Belastung ausgesetzt sind, entsprechend früher in Rente gehen.
hirsnemehism 22.10.2019
3. Wenn...
--- alle etwas weniger arbeiten müssten, was eindeutig im Interesse des Planeten (Übernutzung) ist, bräuchte man gar nicht über eine weitere Arbeitszeitverlängerung nachzudenken. Allerdings, so lange Wachstum über alles geht...
Leibdschor 22.10.2019
4. Na Klar
Eine Forderung von einer Bank. Vielleicht sollten die Damen und Herren aus den Vorständen mal von ihren Stühlen aufstehen und sich körperlicher Arbeit aussetzen. Dann würden Sie nicht auf solche Gedanken kommen. Das Arbeitsleben ist nur ein mathematisches Rechenexempel, sondern auch eine physische und psychische Belastung. Gerade diese Damen und Herren der Bankenbranche entsorgen doch ihre Mitarbeiter beizeiten oder senden sie in den Ruhestand mit fetten Abfindungen wenn sie nicht mehr dem geforderten Leistungsdruck entsprechen. Scheinheiliger geht es doch nun wirklich nicht mehr.
wiesenflitzer 22.10.2019
5. Mich würde interessieren,
ob diese gesteigerte Lebenserwartung auch real mit einer längeren Gesundheit/körperlichen Fitness korreliert. Dann könnte oder müsste man tatsächlich über eine längere Erwerbstätigkeit nachdenken. Oder haben wir nur bessere Medizin, die uns vor dem Tode bewahrt, aber wir treffen uns alle im Altersheim wieder. Lebend zwar, aber eben auch nicht arbeitsfit. Je nach Arbeitsbereich des zukünftigen Rentners müsste dann im Einzelfall das Renteneintrittsalter bestimmt/berechnet werden. Also im Grunde absolut für nahezu jeden individuell. Wie das gehen soll weiß ich nicht. Mir scheint, wir werden auf Dauer nicht um die bedingungslose Grundrente herumkommen.
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