Langzeit-Prognose Regierung warnt vor drastischem Einbruch des Rentenniveaus

Das Bundesarbeitsministerium warnt vor einem drastischen Einbruch des Rentenniveaus. Betroffen sind alle, die jünger sind als 36 Jahre.

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Beim Rentenniveau droht in den nächsten 30 Jahren ein Absturz um mehr als sechs Prozentpunkte, wenn nicht gegengesteuert wird. Das Bundesarbeitsministerium verbreitete Berechnungen, denen zufolge das Rentenniveau bis 2045 von derzeit 47,8 Prozent eines Durchschnittslohns auf etwa 41,6 Prozent sinken könnte. "Das fortlaufende Abrutschen des Sicherungsniveaus untergräbt das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung und verunsichert Beitragszahler und Rentner", hieß es in Regierungskreisen. "Es braucht deshalb eine Haltelinie beim Rentenniveau." Ähnlich hatte sich Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst bei einer DGB-Veranstaltung geäußert.

Mit den neuen Zahlen legte das Arbeitsministerium erstmals Berechnungen vor, die über das Jahr 2030 hinaus reichen. Ein Festschreiben des Rentenniveaus auf dem derzeitigen Wert würde den Angaben zufolge Mehrausgaben von etwa 40 Milliarden Euro jährlich bedeuten. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung müsste dafür von derzeit 18,7 Prozent auf 26,4 Prozent im Jahr 2045 steigen. "In diesem Spannungsfeld gilt es, politische Entscheidungen für eine zukünftige Stabilisierung der Rentenversicherung zu treffen", hieß es aus dem Ministerium.

Hoffen auf die Betriebsrenten

Nahles will im November ein Rentenkonzept vorlegen. Sie führt derzeit mit Verbänden und Interessenorganisationen einen sogenannten Rentendialog, um ihr Konzept vorzubereiten. Bei einem der Bausteine, der Stärkung der Betriebsrenten, hatte Nahles am Dienstag mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und den Tarifpartnern eine Einigung erzielt.

Dazu will sie in den nächsten zwei Wochen einen Gesetzentwurf vorlegen. Im Gespräch sind Steuerzuschüsse und die Möglichkeit zum Verzicht auf garantierte Rentenhöhen, um die Verbreitung von Betriebsrenten zu erhöhen. Die Verbreitungsquote bei den Beschäftigten ist von 59 Prozent 2013 auf 57 Prozent 2015 gesunken. 17,7 Millionen Beschäftigte haben laut Regierungsangaben betriebliche Altersvorsorge, 16,5 Millionen Riesterverträge.

Der Sozialverband VdK Deutschland forderte, die "Talfahrt" des Rentenniveaus zu stoppen. "Das Rentenniveau muss bei 50 Prozent liegen, mindestens aber erst einmal auf heutigem Niveau stabilisiert werden, um einen wirksamen Schutz gegen Altersarmut zu ermöglichen", sagte Präsidentin Ulrike Mascher. Der Linke-Rentenexperte Matthias W. Birkwald forderte Nahles auf, für ein Rentenniveau von 53 Prozent zu sorgen. Beschäftigte sollten zudem vom ersten Arbeitstag an freiwillige Zusatzbeiträge einzahlen können.

mik/dpa/Reuters



insgesamt 79 Beiträge
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dasdondel 28.09.2016
1. Beitragsbemessungsgrenze
abschaffen, fertig.
silenced 28.09.2016
2.
Wir alle wissen: "Die Rente ist sicher!", allerdings, es wurde nie gesagt in welcher Höhe. Daß das Niveau sinkt, selbst wenn die Renten steigen sollten, ist jedem bewusst.
sponifix1977 28.09.2016
3. Altersarmut trifft nicht jeden...
Der folgende Artikel hat zufällig gestern in unserem Büro die "Runde gemacht" und passt meiner Meinung nach ganz gut als Ergänzung: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-06/beamtenpension-rentenreform-altersarmut-ruhestand
mettwurstlolli 28.09.2016
4. Tja
Da es nur zwei relevante Schrauben gibt, von denen die Rentenhöhe abhängt: Die Beitragshöhe und das Renteneintrittsalter (wenn man die Lebenserwartung mal als gegeben hinnimmt), wird es wohl auf ein späteres Renteneintrittsalter hinauslaufen - wenn man die Rentenhöhe und die Rentenbeiträge (der Generationengerechtigkeit ahlber) beibehalten will. Dazu muss man kein Mathematikgenie sein. Aber die Poitik wird sicher ausführlich kraissen und dann ein Maus namens "schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters"gebären, die zumindest all die nicht mehr betrifft, die jetzt schon in der zweiten Lebenshälfte sind. So vorhersehbar wie langweilig.
ichliebeeuchdochalle 28.09.2016
5. Murmeltier
Und ewig grüßt das Murmeltier (Film mit Bill Murray). Das ist ja alles seit mehr als 20 Jahren bekannt. Zwischendurch kommt dann mal ein Minister, der im Mathe-Unterricht nicht aufgepaßt hat, und schraubt dann Maßnahmen zurück, die darauf ausgerichtet waren, das Renten-Niveau einigermaßen zu halten. Die Kabinetts-Mitglieder der anderen Fakultät (ist ja eine Koalition) sind entsetzt aber machen das mit, um des lieben Koalitionsfrieden willen. Wissend, daß in 5 Jahren mal wieder gerechnet wird, und der Unsinn dann eingefangen wird. Und ewig grüßt das Murmeltier.
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