Global Pension Report Diese Länder haben die besten Rentensysteme

Mehr Alte, weniger Junge: Die Rentensysteme stehen in den meisten Ländern vor gewaltigen Problemen. Eine Allianz-Studie zeigt nun, dass zwei europäische Nachbarn am besten damit umgehen.
Seniorinnen im schwedischen Ystad: Im weltweiten Vergleich liegt das Rentensystem ganz vorne

Seniorinnen im schwedischen Ystad: Im weltweiten Vergleich liegt das Rentensystem ganz vorne

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Sabine Gudath/ imago images

Noch nie war die Lebenserwartung der Menschen rund um die Welt so hoch wie heute. In Afrika liegt sie derzeit bei 63 Jahren, in Australien gar bei 83 Jahren - noch. Experten erwarten, dass sie bis Mitte des Jahrhunderts um weitere vier Jahre steigen wird. Eine erfreuliche Aussicht, aber es gibt ein Problem: Die Rentensysteme in den meisten Ländern sind bislang unzureichend auf die wachsende Schar von Ruheständlern eingestellt.

Das ist der Hauptbefund des Global Pension Report, den die Allianz nun veröffentlicht hat. Die Experten des Versicherungskonzerns haben die Rentensysteme und Rahmenbedingungen in 70 Ländern untersucht, ob sie einerseits für einen auskömmlichen Lebensabend sorgen und gleichzeitig langfristig finanzierbar sind. Das Ergebnis: Am besten steht die Altersversorgung in Schweden, Belgien und Dänemark da - mit den beiden skandinavischen Staaten also zwei Länder, die auch in der deutschen Diskussion immer wieder als Vorbilder für Reformen genannt werden. Das deutsche Rentensystem stufen die Autoren mit Platz 26 nur im oberen Mittelfeld ein.

Insgesamt zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen dem reichen Westen einerseits und den Schwellen- und Entwicklungsländern andererseits - allerdings mit Ausnahmen:

  • In den Top Ten finden sich ausschließlich westliche Industriestaaten, doch China belegt gleich dahinter Platz elf.

  • Die hinteren Plätze gehen überwiegend an ärmere Länder wie Laos, Kenia oder den Libanon, dem Schlusslicht des Rankings.

  • Doch vier der sechs schlechtesten Systeme weisen die eigentlich reichen Ölstaaten Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate auf.

  • Und auch Frankreich landet nur auf Platz 51, weit hinter Ägypten oder Kolumbien.

Die Tabelle zeigt das Ergebnis des Allianz Pension Index - eine Weltkarte mit den Ergebnissen finden Sie etwas weiter unten:

Doch wie stichhaltig sind die Ergebnisse? Die Frage ist relevant, weil die Allianz bei der Rente keine neutrale Instanz ist, sondern als großer Versicherungskonzern daran interessiert, seine eigenen Altersvorsorgeprodukte möglichst häufig zu verkaufen. In ihrer Studie legen die Autoren aber transparent offen , welche Kriterien in welcher Gewichtung in ihren Index einfließen und ermöglichen so eine Überprüfung und eigene Bewertung.

Umlage plus Kapitalfinanzierung - das funktioniert am besten

Der Versicherungskonzern Allianz ist beim Thema Rente grundsätzlich nicht ganz unabhängig. Tatsächlich erhalten Systeme eine bessere Bewertung, die außer einer umlagefinanzierten Säule (die aktuelle Generation der Beschäftigten zahlt für die aktuelle Rentner-Generation) weitere kapitalgedeckte Vorsorge bieten (jeder zahlt für die spätere eigene Altersvorsorge ein). Diese kapitalgedeckte Säule ist ein Geschäftsfeld, das auch die Allianz beackert - und an dem sie verdient. Allerdings halten auch die meisten unabhängigen Experten eine Mischform aus Umlagefinanzierung und Kapitalanlage für sinnvoll. Und auf den vorderen Plätzen der Studie finden sich durchweg Länder, denen auch in anderen Vergleichsstudien gute Systeme attestiert werden - und die häufig in der Diskussion über Rentenreformen als Vorbilder genannt werden, außer Schweden etwa Dänemark (Platz 3) und die Niederlande (Platz 7):

  • Dänemark und die Niederlande setzen etwa auf eine Einheitsrente als Grundlage, die für alle gleich hoch ist, unabhängig vom früheren Einkommen - Voraussetzung ist, dass man 40 beziehungsweise 50 Jahre im Land gelebt hat. Bereits diese Rente ist höher als die deutsche Durchschnittsaltersrente. Ergänzt wird sie durch zumindest faktisch für die meisten verpflichtende betriebliche und private Vorsorge, hauptsächlich auf dem Kapitalmarkt. So haben Ruheständler in der Regel relativ hohe Einkommen. In Deutschland ist eine solche Einheitsrente für alle allerdings nicht möglich: Hier hat das sogenannte Äquivalenzprinzip Verfassungsrang - das bedeutet, dass die Höhe der späteren Auszahlungen der Höhe der zuvor geleisteten Beiträge entsprechen muss.

  • Mit Schweden belegt ein Land den absoluten Spitzenplatz, in dem für Versicherungskonzerne wie die Allianz nicht allzu viel zu holen ist - das aber gerade deshalb als Vorbild dient: Zwar sind die Versicherten verpflichtet, einen Teil ihrer Altersvorsorge auf dem Kapitalmarkt zu betreiben. Aber das geschieht überwiegend in einem vom Staat gemanagten Fonds mit extrem niedrigen Kosten. Verbraucherschützer werben seit Jahren auch in Deutschland für einen solchen staatlichen Vorsorgefonds, der etwa von der gesetzlichen Rentenversicherung oder auch der Bundesbank verwaltet  werden könnte. In Schweden werden die Beiträge je nach Lebensalter des Versicherten in risikoreichere Aktien oder - kurz vor der Rente - in sichere Anleihen angelegt beziehungsweise umgeschichtet.

Unabhängig von der erstellten Rangliste enthält der Bericht eine Fülle an Daten von Uno, dem Industrieländerclub OECD und amtlichen Statistiken der einzelnen Staaten, die einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Systeme vermitteln - und von den Rahmenbedingungen, unter denen sie in den kommenden Jahrzehnten funktionieren müssen.

Wie rapide diese Rahmenbedingungen sich verschlechtern, macht der Altenquotient klar. Er zeigt, wie viele Menschen über 65 Jahren in einem Land auf 100 Menschen in der Gesamtbevölkerung kommen. Bis 2050 wird sich dieses Verhältnis auf der ganzen Welt drastisch verschärfen, am stärksten in Asien, Lateinamerika und im ohnehin bereits jetzt überalterten Europa:

Für ihre Rangliste bewerteten die Allianz-Experten insgesamt 30 Kriterien in drei Kategorien:

  • Die Ausgangslage: Wie alt ist die Bevölkerung bereits jetzt - und wie stark wird sie bis 2050 weiter altern? Wie viel finanziellen Spielraum hat der Staat noch für Reformen bei der Rente? Am schlechtesten sind diese Startbedingungen in den vier Sorgenstaaten der Eurokrise: Italien, Portugal, Griechenland und Spanien. Bereits jetzt kommen dort relativ viele Alte auf relativ wenig Junge, sind die staatlichen Ausgaben für die Rente ziemlich hoch und die Regierungen hoch verschuldet. Aber auch Japan, Österreich, Frankreich und Deutschland gehören zu den 15 Ländern mit der schlechtesten Ausgangslage.

  • Die Nachhaltigkeit: Wie gut ist das Rentensystem auf die steigenden Belastungen eingestellt? Mit wie vielen Jahren gehen die Menschen in Rente - und wie lange müssen sie davor in das System eingezahlt haben? Gibt es Abschläge bei früherem Renteneintritt und einen demografischen Faktor, der die Rentenerhöhungen dämpft? Hier schneiden jene Länder gut ab, die bereits drastische Schritte beschlossen haben: In Tschechien etwa steigt das Eintrittsalter auf 68 Jahre, in Schweden muss künftig bis 69 Jahre arbeiten, wer eine volle Rente möchte - das Land hat das Eintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt. Italien hebt das Eintrittsalter so weit an, dass das Verhältnis zwischen Rentnern und Menschen im Erwerbsalter bis 2050 konstant bleiben wird. Deutschland belegt hier Platz 21.

  • Die Angemessenheit des Lebensstandards: Sorgt das Rentensystem für ein auskömmliches Einkommen, und zwar für möglichst viele alte Menschen? Gibt es neben der umlagefinanzierten Rente auch eine kapitalgedeckte Vorsorge? Wie hoch ist das Vermögen der Menschen? Hier schneiden Neuseeland, die Niederlande und Japan am besten ab, auch die Schweiz und Österreich finden sich in den Top Ten - Deutschland auf Rang 24 jedoch nicht.

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Tatsächlich wirft die Bewertung im Bereich Angemessenheit Fragen auf - in jenem Bereich also, in dem es um den Lebensstandard der Rentner geht. Hier fließt das eigentliche Rentenniveau mit relativ wenig Gewicht ein - gerade beim Rentenniveau schneidet das deutsche System im internationalen Vergleich ziemlich schlecht ab. Bei einer höheren Gewichtung wäre Deutschland wohl noch weiter hinten gelandet.

Weit wichtiger ist den Autoren die Abdeckung, also der Anteil der Menschen, die überhaupt im Rentensystem sind. Die Qualität der zusätzlichen Einkommen im Alter - also aus betrieblicher und privater Vorsorge, Vermögen oder weiterer Erwerbsarbeit - misst der Bericht nicht etwa an Renditen oder Auszahlungsbeträgen, sondern überwiegend daran, ob die Menschen überhaupt Zugang zum Finanzsystem haben sowie am privaten Vermögen der Haushalte und dessen Verteilung.  

Der grundlegende Befund des Berichts ist allerdings richtig: Ein gutes Rentensystem muss auf lange Sicht Nachhaltigkeit und Angemessenheit des Lebensstandards in eine Balance bringen. Ein demografischer Faktor in der Rentenformel - also schlicht das Senken des Rentenniveaus, sobald zu viele Rentner auf zu wenig Beitragszahler kommen - macht ein System vielleicht nachhaltig finanzierbar. Aber das hilft den Rentnern wenig, wenn sie in Armut leben müssen. Andererseits ist ein früher Renteneintritt mit einem hohen Niveau sicher wünschenswert - aber kann nicht funktionieren, wenn es zu wenig Beitragszahler gibt und der Staat nicht genug Geld hat.

Und die Autoren benennen noch einen weiteren wichtigen Punkt: Sie plädieren zwar für ein höheres Eintrittsalter, wenn auch die Lebenserwartung steigt. Aber das müsse kombiniert werden mit Maßnahmen, die es den Menschen überhaupt ermöglichen, auch über 65 noch arbeiten zu können - lebenslange Qualifizierung, Gesundheitsvorsorge und Regelungen am Arbeitsmarkt, so die Experten. "Ansonsten wäre jede Anhebung des Eintrittsalters nichts anderes als eine versteckte Rentenkürzung."

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