Renten steigen Millionen Deutsche bekommen ab Juli mehr Geld

Die gut 20 Millionen Rentner in Deutschland erhalten ab Mitte des Jahres ein deutliches Plus ihrer Altersbezüge. Zugleich nähern sich die Ostrenten weiter an.

Rentner in Hannover
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Rentner in Hannover


Die Bezüge der rund 20 Millionen Rentner in Deutschland steigen zum 1. Juli spürbar. In Westdeutschland klettern die Renten um 3,18 Prozent, im Osten sogar um 3,91 Prozent. Das teilte das Bundesarbeitsministerium am Mittwoch in Berlin mit.

Eine monatlicheRente von 1000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, erhöht sich dadurch um 31,80 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 39,10 Euro. Die automatische Rentenanpassung kostet rund 3,8 Milliarden Euro in der zweiten Jahreshälfte 2019.

Die Rentenerhöhung fällt exakt so aus, wie in einer Prognose vom Herbst vorhergesagt. Nun steht sie fest, weil Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung Bund unter anderem zur Lohnentwicklung vorliegen.

Zugleich nähern sich die Ostrenten weiter an die Westbezüge an. Der Rentenwert im Osten steigt auf 96,5 Prozent des Westwerts. Bis zum Jahr 2024 erhöht er sich aufgrund einer Gesetzesvorgabe aus dem Jahr 2017 schrittweise auf 100 Prozent. Der Rentenwert gibt konkret in Euro an, wie viel ein Entgeltpunkt in der Rentenversicherung wert ist; ein Entgeltpunkt wird anhand einer komplizierten Formel berechnet und ist maßgeblich für die Höhe der Rente.

Rentenerhöhung liegt über Preissteigerung

Das Rentenniveau steigt leicht auf 48,16 Prozent an. Es gibt als Verhältnis der Rente zum Durchschnittslohn Auskunft über die Absicherungskraft der Rente.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte, die Rentnerinnen und Rentner profitierten von der guten Lage am Arbeitsmarkt. "Die gesetzliche Rente bleibt die zentrale Säule der Alterssicherung in Deutschland."

Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, betonte: "Mit der Rentenanpassung in diesem Jahr erleben wir seit 2014 eine Steigerung der Renten im Westen von 15 Prozent und im Osten von 20 Prozent." Das liege deutlich über der Preissteigerung in diesem Zeitraum.

Neben der Lohnentwicklung wirkt auch der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor positiv auf die Rente und ist für einen Anteil von plus 0,64 Prozentpunkten für die Erhöhung mitursächlich. Das zeigt, dass in der guten Konjunktur die Zahl der Beitragszahler stärker gestiegen ist als die der Rentner. In den kommenden Jahren wird das Verhältnis mit dem Erreichen der Altersgrenze bei der Babyboomergeneration für die Rentenkasse ungünstiger werden.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte, auch auf lange Sicht müssten die Weichen so gestellt werden, "dass ein stabiles Rentenniveau für die morgigen Generationen gute Rentenerhöhungen bringen kann". Der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, sagte: "Nötig ist eine langfristige Niveausicherung bei 53 Prozent, um das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken." Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele, sagte, die Rentenerhöhung sei nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Kommen müsse die Grundrente für Geringverdiener.

lie/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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dasfred 21.03.2019
1. Das freut auch die Kommunen
An alle, die ihre Rente mit Grundsicherung aufstocken müssen, wird dann der Betrag der Erhöhung weniger ausgezahlt. Das summiert sich bei der Masse der Minirentner schon spürbar.
belohoubek 21.03.2019
2. Steuern
Vollkommen vergessen, wird in diesem Kontext, das durch die Erhöhung diverse Renten steuerpflichtig werden und somit nicht davon profitieren. Bis 2030 sollen die Renten zu 100% versteuert werden, somit ist jede Erhöhung auch eine größere Steuerlast für die Rentner. Der Staat holt sich durch die Hintertür alles wieder zurück.
Maulverbot 21.03.2019
3. ein "deutliches" Plus
Das "deutliche" Plus ist gerade mal die Hälfte des Taschengeldes. Unter dem Strich bleibt davon NICHTS übrig.
digge8 21.03.2019
4.
Ja gebt den alten mehr Rente als Wahlversprechen die jungen habt ihr mit dem Paragraph 13 Debakel alle verloren. Politik ist so berechenbar und das werden alte Wähler auch erkennen und sich gegen die herrschende Politik stellen. Seite an Seite mit den jungen. Der Sturm kommt befestigt eure Lager...
hans.rueckert 21.03.2019
5. Bezüge der rund 20 Millionen Rentner in Deutschland steigen spürbar
Ich muss lachen ... nur Kleingeister glauben das. Das Leben für Rentner, die sich nicht den Warenkorb kaufen, sondern ein minimales Dasein fristen, wird ca. 5% teurer. Die brutto 4% sind netto 3%. Das als sensationelle Wohltat zu verkaufen, das ist schon dreist.
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