Renten Sozialexperten warnen vor dramatischem Anstieg der Altersarmut

Die Zahl der Rentner, die von ihren Alterseinkünften nicht mehr leben können, wird in den kommenden Jahren dramatisch ansteigen. Die Kommunen richten sich auf hohe Sozialausgaben ein.
Suppenküche in Hannover: Altersarmut wird für die Kommunen zum finanziellen Sprengsatz

Suppenküche in Hannover: Altersarmut wird für die Kommunen zum finanziellen Sprengsatz

Foto: Peter Steffen/ picture alliance / dpa

Düsseldorf - Sozialexperten und Kommunen sind alarmiert: Allmählich erreichen diejenigen das Rentenalter, die erhebliche Brüche in ihrer Erwerbsbiografie aufzuweisen haben - Langzeitarbeitslose, Teilzeitbeschäftigte oder solche, die nach befristeten Arbeitsverträgen immer wieder für Wochen oder Monate arbeitslos waren.

Entsprechend gering fallen ihre Rentenansprüche aus. Die Folge: "Die Altersarmut wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verschlimmern", sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Der Anteil der über 65-Jährigen, die auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen sind, werde sich von derzeit etwa 2,5 Prozent bis zum Jahr 2025 "auf zehn Prozent oder mehr vervierfachen", befürchtete Schneider.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, sieht für die Kommunen eine Entwicklung der Grundsicherung "zum finanziellen Sprengsatz". Von 2003 bis 2009 hätten sich die jährlichen Ausgaben der Kommunen für die Grundsicherung bereits auf 3,9 Milliarden Euro verdreifacht. Die Zahl der Empfänger habe sich in diesem Zeitraum verdoppelt.

"Wenn es in dieser Legislaturperiode eine rentenpolitische Aufgabe gibt, dann ist es die, eine Antwort auf diese steigenden Risiken zu finden", sagte der frühere Chef des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Bert Rürup, der Zeitung. Er forderte die Regierung auf, eine Aufstockrente einzuführen. Danach sollten Geringverdiener, die ihr Leben lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben, eine Rente knapp oberhalb der Grundsicherung bekommen. Die Aufstockrente habe die CDU auf ihrem letzten Bundesparteitag bereits beschlossen, sagte Rürup. "Jetzt muss sie die auch in die Tat umsetzen."

Seit 2003 erhalten Menschen, die älter als 65 Jahre sind und deren eigene Mittel für den Lebensunterhalt nicht ausreichen, die von Rot-Grün eingeführte Grundsicherung im Alter. Alleinstehende bekommen den monatlichen Hartz-IV-Regelsatz von 359 Euro sowie einen Miet- und Heizkostenzuschuss. Die Kosten der Grundsicherung tragen die Kommunen. Derzeit beziehen rund 400.000 Senioren diese Form der Sozialhilfe.

mik/dapd
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