Gender Pension Gap Frauen bekommen nicht mal halb so viel Rente wie Männer

Die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen wird im Alter zur riesigen Kluft: Im Schnitt erhält eine Rentnerin in Deutschland 57 Prozent weniger Geld als ein Rentner. Eine Studie zeigt die Gründe.
Rentnerinnen in Herten

Rentnerinnen in Herten

Foto: © Ina Fassbender / Reuters/ REUTERS

Um die Gleichstellung von Männern und Frauen im Arbeitsleben ist es in Deutschland nicht zum Besten bestellt. Das beweisen jedes Jahr aufs Neue die Zahlen zur Entgeltlücke, dem sogenannten Gender Pay Gap: Demnach verdienen Frauen im Schnitt immer noch 21 Prozent weniger als Männer. Und selbst bei Arbeitnehmern mit vergleichbarer Qualifikation, Karrierestufe und Arbeitszeit beträgt die Entgeltlücke laut Statistischem Bundesamt immer noch sieben Prozent.

Die volle Wucht der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zeigt sich jedoch erst nach dem Berufsleben - bei der Rente. Das belegt ein Report des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (Hier finden Sie den ausführlichen Bericht als PDF-Datei ). Demnach sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Alterssicherung so groß, dass der Begriff Rentenlücke als eine Verharmlosung erscheint.

Vielmehr muss man von einer großen Rentenkluft sprechen: Laut den aktuellsten Daten von 2011 bezieht eine Frau im Schnitt nur 43 Prozent der Altersbezüge eines Mannes. Die Rentenkluft zwischen den Geschlechtern beträgt also 57 Prozent. Berücksichtigt wurden dabei alle drei Säulen der Altersvorsorge in Deutschland - außer der gesetzlichen Rentenversicherung also auch die betriebliche sowie die private Altersvorsorge.

"Die Rente ist ein Spiegel des Erwerbslebens", erklärt Elke Hannack, Vizevorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), den Gender Pension Gap. Und das Erwerbsleben vieler Frauen verlief - und verläuft immer noch - deutlich anders als das vieler Männer. Das gilt vor allem für Westdeutschland, während Frauen in der DDR wesentlich häufiger und länger arbeiteten. Deshalb ist die Rentenkluft in Ostdeutschland kleiner. Sie liegt bei 35 Prozent.

Die WSI-Forscher nennen eine Reihe von Faktoren, die für die Rentenkluft verantwortlich sind:

    • niedrige Erwerbsbeteiligung: Frauen sind und waren weit häufiger gar nicht berufstätig als Männer.
    • hohe Teilzeitquote: Frauen arbeiten häufig nicht Vollzeit.
    • niedrige Entgelte: Aktuell verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Früher, als die jetzigen Rentnerinnen im Berufsleben standen, war die Lücke noch größer.
    • häufige und längere Erwerbsunterbrechungen, etwa durch Kinderbetreuung
    • häufige Beschäftigung in Minijobs ohne Rentenversicherung

All diese Faktoren zusammen sorgen dafür, dass bereits die gesetzliche Altersrente für Frauen im Schnitt um rund 40 Prozent geringer ausfällt als für Männer (siehe Grafik). Und das trotz des sozialen Ausgleichs im Rentenrecht, etwa durch die Anrechnung von Kindererziehungszeiten, die mit der 2014 ausgeweiteten Mütterrente noch einmal gestärkt wurde.

Die betriebliche Altersvorsorge vergrößert die Rentenkluft weiter (siehe Grafik). Hinzu kommt: Nur sechs Prozent der Frauen erhielten 2011 überhaupt Geld aus der Betriebsrente - bei den Männern waren es immerhin 25 Prozent.

Die WSI-Forscher weisen zwar auch darauf hin, dass Frauen in zwei Punkten gegenüber Männern im Vorteil sind: Erstens erhalten sie im Schnitt deutlich länger eine Rente - weil sie länger leben. Und zweitens bekommen sie im Schnitt weit höhere Witwenrenten. Von Letzterem profitieren aber natürlich nur verheiratete Frauen - und hier wiederum die am meisten, deren Mann ohnehin gut verdient.

Immerhin: Seit Langem wird die Geschlechterkluft mit jedem neuen Rentenjahrgang etwas kleiner. Das spiegelt wider, dass Frauen inzwischen häufiger und länger arbeiten als früher und sich auch die Entgeltlücke etwas geschlossen hat. Auch Ansprüche auf eine Betriebsrente erwirbt derzeit ein fast so hoher Anteil von Frauen (46 Prozent) wie Männer (51 Prozent). Zu berücksichtigen ist auch, dass sich Veränderungen bei der aktuellen Erwerbstätigkeit und Bezahlung von Frauen erst spät und nur langsam in der Rentenstatistik niederschlagen.

Die Zahl der gesetzlich rentenversicherten Frauen und Männer hat sich inzwischen ebenfalls fast angeglichen (siehe Grafik).

Berücksichtigt man jedoch die weiterhin hohe Entgeltlücke von 21 Prozent, bleibt die Rentenkluft zwischen den Geschlechtern voraussichtlich noch auf Jahrzehnte groß. Sie wird sich nur schließen, wenn Frauen und Männer gleich lange arbeiten und gleich viel verdienen. DGB-Vize Hannack fordert daher: "Die Politik muss sich stärker für faire Chancen auf dem Arbeitsmarkt einsetzen."

Auch die WSI-Forscher resümieren, dass sich die Erwerbschancen für Frauen im Allgemeinen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern müssen. Zudem hätten die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente und die Verlagerung auf die betriebliche und private Altersvorsorge die Geschlechterkluft noch verstärkt. Die gesetzliche Rente sollte nach Ansicht der WSI-Forscher daher wieder gestärkt werden.