40 Milliarden Euro Rentner zahlen so viel Einkommensteuer wie nie zuvor

Seit Jahren steigt die Steuerbelastung für Rentenempfänger. Kritiker fordern eine Reform.
Jeder dritte Deutsche wird im Jahr 2030 älter als 60 Jahre sein

Jeder dritte Deutsche wird im Jahr 2030 älter als 60 Jahre sein

Foto: BARBARA SAX/ AFP

Deutsche Rentner haben im Jahr 2019 insgesamt 40,82 Milliarden Euro Einkommensteuer bezahlt - und damit mehr als doppelt so viel wie noch im Jahr 2009. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, wie die "Bild am Sonntag" berichtet.

Laut der Anfrage werden Steuerpflichtige mit Renteneinkünften im Jahr 2020 sogar knapp 43 Milliarden Euro Einkommensteuer zahlen. "Wir brauchen jetzt auch für Rentner eine Steuerreform. Kleine und mittlere Renten müssen vor dem Finanzamt geschützt werden", sagte Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch der Zeitung.

Dass die Summe der Einkommensteuer, die Rentner zahlen, jährlich steigt, ist zu einem großen Teil auch auf die konkrete Ausgestaltung der Rentenbesteuerung zurückzuführen: Der Anteil, den Neurentner versteuern müssen, nimmt nämlich jedes Jahr zu. Dafür steigt auch jedes Jahr der Anteil, den Arbeitnehmer von ihren Rentenbeiträgen von der Steuer absetzen können.

Erst seit 2005 werden gesetzliche Renten über den Ertragsanteil hinaus besteuert. Wer 2005 in Rente ging, erhielt noch einen Freibetrag von 50 Prozent der ersten vollen Jahresrente - dieser Anteil sinkt seitdem jedes Jahr um zwei Prozentpunkte. Wer im Jahr 2020 in Rente gehen wird, hat nur noch einen Freibetrag von 20 Prozent seiner ersten Jahresrente. Danach sinkt der Anteil jedes Jahr um einen Prozentpunkt, bis im Jahr 2040 Neurentner den vollen Betrag versteuern müssen.

Während es beim gesamten Steueraufkommen zwischen 2005 und 2015 eine Steigerung von rund 50 Prozent gab, waren es bei der Einkommensteuer der Rentner rund 130 Prozent.

An der Besteuerung der Renten gibt es Kritik: Nach Ansicht des Richters am Bundesfinanzhof (BFH), Egmont Kulosa, ist sie sogar verfassungswidrig. Das schrieb der stellvertretende Vorsitzende des "für Alterseinkünfte und -vorsorge" zuständigen zehnten BFH-Senats in einem Kommentar für einen juristischen Fachdienst. Das Modell führe zu einer unzulässigen Doppelbesteuerung.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, gesetzliche Renten seien erst seit 2005 steuerpflichtig. Das ist so nicht richtig. Wir haben die Stelle korrigiert.

lmd
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