Rettungsschirm für Spanien Europa wartet auf den Hilferuf

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die spanische Regierung die EU um Geld für die angeschlagenen Banken im Land bittet. Die Vorbereitungen laufen, Stundenlang berieten die Euro-Finanzminister die Schritte. Spaniens Wirtschaftsminister kündigte für den Abend eine Pressekonferenz an.

Spanische Banco Santander: Warten auf den Hilferuf aus Madrid
REUTERS

Spanische Banco Santander: Warten auf den Hilferuf aus Madrid


New York/Brüssel/Berlin - Noch liegt der Hilfsantrag aus Madrid nicht vor, aber "man will vorbereitet sein, falls eine Anfrage kommt", sagte der Sprecher von Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Samstagmorgen. Wenn alles nach Wunsch der Euro-Finanzminister läuft, dann bittet Spanien noch am Samstag in einer Telefonkonferenz um Finanzhilfen für die Stützung der angeschlagenen Banken im Land. Mindestens aber wird erwartet, dass die Finanzminister der 17 Euro-Länder ein starkes politisches Signal geben, um die Finanzmärkte zu beruhigen.

Die Konferenz der Euro-Finanzminister begann gegen 16 Uhr und dauerte stundenlang. Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos kündigte für 19.30 Uhr (MESZ) eine Pressekonferenz über die Ergebnisse in Madrid an.

Seit Tagen laufen die Vorbereitung in Brüssel, verschiedenen Berichten zufolge wurde bereits über Konditionen verhandelt, die Spanien im Gegenzug für die Finanzhilfe für seine Banken erfüllen muss. Lange hatte sich Spanien dagegen gewehrt, Geld aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF zu beantragen, vermutlich bleibt der Regierung aber keine andere Wahl.

Aus dem Umfeld des Rettungsschirms EFSF hieß es: Der Fonds könne "sehr schnell größere Beträge zur Stabilisierung des spanischen Bankensektors bereitstellen". Nach spanischen Angaben werden bis zu 100 Milliarden Euro gebraucht. Laut EFSF handelt es sich dabei aber nicht um Kredite, für die sich der Fonds selbst verschulden müsste, sondern um Schuldverschreibungen, mit denen sich die spanischen Banken dann bei der Europäischen Zentralbank frisches Geld besorgen könnten.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE unterrichtete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Haushälter der Bundestagsfraktionen gegen 15 Uhr in einer Telefonkonferenz über die Lage in Spanien. Demnach, so hieß es aus Parlamentskreisen, seien die 100 Milliarden Euro eine erste Schätzung. Die genaue Summe werde erst in einigen Wochen bekannt. Dann erst würden die Gutachten der Beratungsgesellschaften Roland Berger (Deutschland) und Oliver Wyman (USA) über Spaniens Kapitalbedarf vorliegen.

IWF: Spanische Banken brauchen 40 bis 80 Milliarden Euro

Am Freitagabend hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen Stresstests für die spanischen Banken vorgelegt. Das Ergebnis: Die von der Immobilienkrise gebeutelten Institute benötigen mindestens 40 Milliarden Euro, für eine wirkliche Sicherheit sei aber eher das Doppelte notwendig. Unwahrscheinlich, dass die spanische Regierung diese Summe selbst aufbringen kann - die Industrieproduktion im Land ist eingebrochen, das Defizit ist hoch, der Schuldenberg wächst. Spanien kämpft gegen eine massive Bankenkrise und steckt in der Rezession. Allein die Krisenbank Bankia will vom Staat für ihre Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro.

Der IWF hatte immer erklärt, der spanische Bankensektor sei gut geführt, allerdings seien die Institute anfällig. Für eine Restrukturierung werde empfohlen, dass die Banken zusätzliches Kapital in nicht genannter Höhe aufbringen. Es sei besser, den Finanzbedarf zu über- statt zu unterschätzen, hieß es in dem Bericht, zudem seien die meisten großen Banken in Spanien belastbar, sie würden jedoch durch die schwächeren Banken in Mitleidenschaft gezogen. Der IWF lobte Spanien für die bereits eingeleiteten Schritte zur Stärkung des Finanzsektors.

Bundesbank-Chef Weidmann empfiehlt Spanien den Rettungsschirm

Die stellvertretende spanische Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría hatte am Freitag erklärt, das Land könne in diesem Monat über einen Antrag auf europäische Finanzhilfen entscheiden. Dies werde jedoch erst geschehen, wenn der Internationale Währungsfonds und die zwei beauftragten Beratungsfirmen ihren Bericht zur Lage der Geldhäuser vorgelegt hätten. Die Berichte werden bis zum 21. Juni erwartet.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat der spanischen Regierung empfohlen, Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen: "Wenn Spanien sich hinsichtlich des Finanzierungsbedarfs überfordert sieht, sollte es die Instrumente nutzen, die dafür geschaffen worden sind", sagte Weidmann der "Welt am Sonntag". Die Devise dürfe nicht sein, "bloß nicht unter den Rettungsschirm zu gehen. Auf das Einspringen der Notenbank zu hoffen, damit keine Auflagen erfüllt werden müssen, ist der falsche Weg", sagte Weidmann.

Würde die Regierung ihren Widerstand aufgeben, wäre Spanien nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Land am Euro-Tropf. Allerdings braucht Spanien nur Hilfe für seine maroden Banken, dafür ist im EFSF das Instrument der gezielten Restrukturierungshilfe vorgesehen. Dabei müsste sich die Regierung nicht einem umfassenden Sanierungsprogramm unterwerfen, das von der Troika diktiert wird.

nck/heb/vme/Reuters/dpa/dapd

insgesamt 183 Beiträge
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Seite 1
Otto Extremverbraucher 09.06.2012
1. Den Untergang in seinem Lauf
hält auch die EM nicht auf.
Ty Coon, 09.06.2012
2.
Ist noch jemand außer mir der Meinung, daß das Santander-Logo seit jeher aussieht wie ein Hundehaufen? :)
der_bulldozer 09.06.2012
3. Toll!
Das ist nichts mehr als Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Adieu Euro.
schlabbedibapp 09.06.2012
4. Aktuell, das Logo!
Zitat von Ty CoonIst noch jemand außer mir der Meinung, daß das Santander-Logo seit jeher aussieht wie ein Hundehaufen? :)
Zumindest scheint da was in Rauch aufzugehen.
fritz3 09.06.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSJederzeit kann der Hilferuf aus Madrid kommen: Es scheint nur noch eine Frage von Stunden, bis die spanische Regierung die EU um Geld für die angeschlagenen Banken im Land bittet. Die Vorbereitungen laufen, am Nachmittag könnte die Entscheidung fallen - in einer Telefonkonferenz http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,837892,00.html
Seltsame Formulierung?! Spanien bitte nicht um Geld für deine Banken, sondern"schlüpft" unter den Rettungsschirm (das ist das, was anerkannte Euro-Rettungsversuchler- und -versuchlerinnen vor kurzer Zeit als "nicht mehr stemmbar" bezeichnet haben). Oder wird das Börsenprospekt des ESFS mal wieder rückwirkend geändert, damit die Reichtagsabgeordneten nicht doch noch Skrupel bekommen - so kurz vor dem Endsieg? ;-)
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