Rezession Italiens Wirtschaft schrumpft und schrumpft

Es ist der vierte Rückgang in Folge, und eine Trendwende ist nicht in Sicht: Italiens Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal erneut gesunken. Immerhin kann die Regierung in Rom Fortschritte beim Sparen vorweisen.
Premier Mario Monti: Italien ist eines der größten Euro-Sorgenkinder

Premier Mario Monti: Italien ist eines der größten Euro-Sorgenkinder

Foto: Andres Kudacki/ AP

Rom - In Italien häufen sich in dieser Woche die Negativnachrichten: Am Montag stufte die Rating-Agentur Standard & Poor's 15 Banken des Landes herab, am Dienstag veröffentlichten die Statistiker ihre Daten zum Wirtschaftswachstum und zur Industrieproduktion - und auch die sind alles andere als gut. So schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni bereits das vierte Quartal in Folge, wie Istat mitteilte.

Der Rückgang fiel mit 0,7 Prozent überraschend heftig aus. In den ersten drei Monaten des Jahres hatte das Minus in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone bei 0,8 Prozent gelegen. Im Jahresvergleich fiel die italienische Wirtschaftsleistung um 2,5 Prozent zurück.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört Italien zu den am langsamsten wachsenden Ländern Europas. Der Internationale Währungsfonds sagt dem Land für 2012 einen Konjunktureinbruch um knapp zwei Prozent voraus. Der Industrieverband Confindustria befürchtet sogar ein Minus von 2,4 Prozent.

Anlass für den Pessimismus dürfte auch die weiter zurückgehende Produktion sein. Im Monatsvergleich sank sie nach Angaben der Statistiker bereinigt um 1,4 Prozent. Im Vormonat hatte es noch einen kleinen Hoffnungsschimmer gegeben, als die Produktion um revidiert 1,0 Prozent zulegte. Auch im Jahresvergleich verstärkte sich der Rückgang.

Unterhaus billigt Sparmaßnahmen

Italien ist eines der größten Sorgenkinder in der Euro-Zone. Der Schuldenberg des Landes entspricht 123 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland ist er noch höher. Der Staat muss deshalb Zinsen von etwa sechs Prozent für zehnjährige Anleihen bezahlen. Auch italienische Firmen müssen für Kredite ähnlich hohe Zinsen zahlen. Sie halten sich deshalb bei Investitionen zurück.

Beim Sparen macht das Land nun immerhin Fortschritte. Die Regierung in Rom gewann eine Vertrauensabstimmung im Parlament über zusätzliche Einsparungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro. 403 Abgeordnete sprachen sich im Abgeordnetenhaus für die Maßnahmen aus, die beim Abbau des Defizits helfen sollen, 86 stimmten dagegen. Abschließend soll über die Vorlage am Nachmittag befunden werden.

Die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti hatte die Vertrauensfrage gestellt, um die Sparmaßnahmen noch vor der Sommerpause durch das Parlament bringen zu können.

Tausende falsche Invalide und Arme in Italien

Neben dem Sparen hat Monti den Kampf gegen Steuerhinterziehung und Betrug zu einem Hauptanliegen auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen Sanierung des Landes gemacht. Auch da gibt es Fortschritte: So hat die italienische Finanzpolizei in diesem Jahr bereits mehr als 3400 angeblich Erwerbsunfähige und Arme aufgespürt, die widerrechtlich Renten oder soziale Unterstützung kassierten. Wie die Finanzpolizei GDF in Rom mitteilte, wurde der Staat damit um mehr als 60 Millionen Euro geschädigt.

Die Kontrolleure zeigten auch mehr als 400 Italiener an, die im Ausland lebten und zugleich als "Arme" unberechtigt soziale Unterstützung erhielten - sie müssen neun Millionen Euro zurückzahlen.

yes/Reuters/dpa
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