Rezessionsfolgen Zahl der Industriejobs bricht ein

Die Krise schlägt immer stärker auf den Arbeitsmarkt durch. Die Zahl der Industriejobs ist im Juli so stark gesunken wie seit zwölf Jahren nicht mehr, auch die Zahl der geleisteten Stunden hat wegen der Kurzarbeit deutlich abgenommen. Der Bundesagentur für Arbeit drohen deshalb Milliardenverluste.
Protestierende Werftarbeiter in Emden: Bruttolöhne um acht Prozent gesunken

Protestierende Werftarbeiter in Emden: Bruttolöhne um acht Prozent gesunken

Foto: A2942 Ingo Wagner/ dpa

Wiesbaden - Die Konjunktur zieht schon wieder an, doch auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich die Auswirkungen der Rezession erst jetzt: Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie lag Ende Juli dieses Jahres um 3,9 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Sie sank damit nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes auf 5,035 Millionen Mitarbeiter - das ist der stärkste Rückgang seit mehr als zwölf Jahren.

Auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden hat im Jahresvergleich um 10,4 Prozent abgenommen. Grund ist die Ausweitung der Kurzarbeit, teilte die Statistikbehörde weiter mit. Außerdem sank die Summe der Bruttolöhne und -gehälter Juli um acht Prozent auf 16,6 Milliarden Euro.

Der deutliche Rückgang der Arbeitsplätze könnte auch Folgen für die Bundesagentur für Arbeit (BA) haben: Die Behörde wird in den kommenden Jahren tief in die roten Zahlen rutschen, sofern der Bund nicht eingreift. Das schreibt die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Bis 2013 erwarte die Gewerkschaft bei der Bundesagentur eine Verschuldung in Höhe von 50 Milliarden Euro. Die Möglichkeit einer Erhöhung des Beitragssatzes lehnten die Gewerkschaften und Arbeitgeber gleichermaßen ab. Das sagte der Autor der Studie, DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy, der Zeitung.

Bund soll BA unterstützen

Um die Schulden der Behörde in den Griff zu bekommen, seien stattdessen Zuschüsse des Bundes zum Beispiel für die Kosten der Qualifizierung von Arbeitslosen notwendig. Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte Adamy, der Mitglied des Verwaltungsrates der BA ist. Im laufenden Jahr seien die Ausgaben der Bundesagentur bereits um zwölf Prozent gegenüber 2008 gestiegen, die Einnahmen dagegen um 16 Prozent gesunken. Die Reserven in Höhe von 16,7 Milliarden Euro seien im Herbst aufgebraucht. Bisher habe der Bund in seinem Haushalt 2010 nur ein Darlehen von 20 Milliarden Euro für die Bundesagentur eingeplant.

Erst am Mittwoch hatte die Wirtschaftsorganisation OECD für Deutschland und andere Industrienationen prophezeit, dass sich die schwere Rezession des vergangenen Jahres demnächst mit voller Wucht auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen werde. Die Folge: In den 30 Industrieländern könnten im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres 57 Millionen Menschen ohne Job dastehen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von rund zehn Prozent.

sam/dpa
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