Rezessionsgefahr Ökonom Stiglitz fordert neue US-Konjunkturspritze

Rutschen die USA in eine schwere Rezession? Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hält das Risiko für groß. Er sieht nur einen Ausweg: ein neues Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft.
Nobelpreisträger Stiglitz: Kritik an Bundespräsident Christian Wulff

Nobelpreisträger Stiglitz: Kritik an Bundespräsident Christian Wulff

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS

Hamburg - Es klingt schon fast wie eine Drohung: Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sieht für die USA das ernsthafte Risiko einer erneuten Rezession. "Die Gefahr, dass die USA ein Double-Dip-Szenario erleben, ist inzwischen beträchtlich", sagte Stiglitz am Rande der Tagung der Wirtschaftsnobelpreisträger in Lindau der "Financial Times Deutschland" ("FTD"). Ohnehin sei für die größte Ökonomie der Welt nicht erst ein Wirtschaftswachstum unter Null ein Problem. "Die US-Wirtschaft benötigt ein Wachstum von drei bis vier Prozent, um Beschäftigung aufzubauen."

Derzeit dümpelt die US-Wirtschaft vor sich hin - und auch für die kommenden Monate erwarten Experten nichts Gutes: Das Bruttoinlandsprodukt könnte im laufenden Jahr um 1,5 Prozent einbrechen, lauten die Prognosen.

Angesichts dessen forderte Stiglitz eine Neuauflage des staatlichen Ausgabenprogramms, weil expansive Geldpolitik inzwischen an die Grenzen der Wirksamkeit stoße. "Obamas erstes Stimulus-Programm hat gewirkt, auch wenn viele das bestreiten." Die Rezession wäre ohne den Stimulus noch viel schlimmer ausgefallen. "Die Arbeitslosigkeit wäre dann auf 12,5 Prozent gestiegen", zitiert die "FTD" den Ökonomen. Tatsächlich liegt sie inzwischen wieder deutlich unter zehn Prozent. Dass die wirtschaftliche Schwächephase sich inzwischen bereits drei Jahre hinziehe, sei damit zu erklären, dass die Nachwirkungen der Fehler der Bush-Administration viel schlimmer seien als ursprünglich gedacht.

Gleichzeitig übte Stiglitz Kritik an Bundespräsident Christian Wulff. Dass dieser in seiner Grundsatzrede am Tag zuvor Lettland als positives Beispiel dafür nannte, wie sich ein Land aus der Krise heraussparen könne, sei unverständlich, sagte der Ökonom. Austeritätspolitik habe bereits in der ersten großen Weltwirtschaftskrise 1929 und später in vielen anderen Staaten wie Argentinien in die Katastrophe geführt. Wie im Falle des südamerikanischen Landes in den 90er Jahren habe Lettland sein Wachstum zum großen Teil auf Pump finanziert. Ökonomisch sei das Beispiel Lettland ein Desaster, so Stiglitz.

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