Riskante Staatsanleihen Spanien und Italien rutschen tiefer in Schuldenkrise

Italien und Spanien geraten an der Finanzmärkte immer mehr unter Druck. Die Renditen auf Staatsanleihen sind auf einem Rekordhoch - das Misstrauen der Anleger steigt. Um die Entwicklungen beobachten zu können, verschob Spaniens Regierungschef Zapatero seinen Sommerurlaub.

Zapatero: Krise statt Urlaub
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Zapatero: Krise statt Urlaub


Madrid - Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat angesichts steigender Risikoaufschläge für Staatsanleihen seinen Sommerurlaub verschoben. Er werde einen Tag später als geplant nach Andalusien reisen, "um die Entwicklung der wirtschaftlichen Indikatoren näher zu verfolgen", teilte ein Regierungssprecher am Dienstag mit.

Zapatero und seine Finanzministerin Elena Salgado reagieren damit auf die zunehmende Zinslast. Die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen waren zuvor auf einen neuen Höchstwert von mehr als 400 Basispunkten geklettert. Die Rendite auf zehnjährige Staatsanleihen stieg auf 6,47 Prozent - das ist der höchste Stand seit 1997. Neue Anleihen, wie sie das Land am Donnerstag plazieren will, werden dadurch nun extrem teuer. Die Lage Spaniens, so beurteilen es Salgado zufolge Experten, werde durch die wirtschaftliche Situation der USA noch verschärft.

Ministerpräsident Zapatero plante, am Mittwoch verspätet in den Urlaub aufzubrechen. Den Angaben zufolge steht das Finanzministerium in ständigem Kontakt zu den Kollegen in Deutschland, Frankreich und Italien.

Auch italienische Anleihen risikobehaftet

Italien bekommt die Angst der Anleger ebenfalls zu spüren: Die Renditen für langfristige Staatsanleihen stiegen ebenfalls auf deutlich über sechs Prozent und damit ein Rekordhoch der Euro-Ära. Laut Bloomberg war es im Fall von Griechenland, Portugal und Irland diese Sieben-Prozent-Marke, die Rettungsmaßnahmen einläutete.

Ungeachtet des Drucks der Finanzmärkte liege aber kein Rettungsplan für Spanien oder Italien "auf dem Tisch", erklärte jetzt die Europäische Kommission. Um das Staatsdefizit zu senken, hat Spanien bereits Reformen im Bankensektor, auf dem Arbeitsmarkt und bei den Renten eingeführt. Auch Italien hat Mitte Juli ein Sparpaket verabschiedet.

Die italienischen Finanzaufseher halten das heimische System weiterhin für stabil. Die internationale Unsicherheit habe trotz der kontinuierlichen Reduzierung des Haushaltsdefizits zu Spannungen geführt, stellte das nationale Finanzstabilitäts-Komitee nach einem von Wirtschaftsminister Giulio Tremonti einberufenen Krisentreffen fest. Die Analyse bestätige jedoch, "dass das italienische Banken- und Finanzsystem solide ist dank rascher Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis und der Bankliquidität", erklärte das Gremium, das aus führenden Vertretern der Zentralbank, des Wirtschaftsministeriums, der Börsenaufsicht Consob sowie der Versicherungsaufsicht ISVAP besteht.

can/AFP/Reuters/AP



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ridgleylisp 03.08.2011
1. Geldbörse raus, Michels
Zitat von sysopItalien und Spanien geraten an der Finanzmärkte immer mehr unter Druck. Die Renditen auf Staatsanleihen sind auf einem Rekordhoch -*das Misstrauen der Anleger steigt. Um die Entwicklungen beobachten zu können, verschob Spaniens Regierungschef Zapatero seinen Sommerurlaub. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,778060,00.html
Na, mal die Geldbörse wieder raus, liebe Michels, der Euro muss verteidigt werden! Unsere Verantwortlichen wollen doch den "totalen Euro". Ich könnte schwören ich hörte sie laut JAAAAAA sagen!
silenced 03.08.2011
2. <->
Einfache Lösung: Schuldengrenze nach oben Erhöhen und alle haben einen wieder lieb. Zumindest die, die aus unerfindlichen Gründen zuviel Marktmacht haben.
irobot2 03.08.2011
3. Der deutsche Steuerzahler muss helfen !
Da kann doch auch der deutsche Steuerzahler mit seinem Geld helfen. Das hat bisher doch ganz prima geklappt. Und wenn das Geld nicht reicht, Mehrwertsteuer rauf auf 30%, Mineralölsteuer rauf (der Liter dann so 3 Euro, wollten die Grünen doch sowieso schon) und vielleicht können wir ja alle eine "Solidarität-für-Europa-Überstunde" einführen (das gilt nicht für Beamte und Politiker), dieses verdiente Geld wird dann direkt auf ein staatliches Sonderkonto überwiesen. Ach ja, Rente etwas kürzen natürlich und - fast vergessen - bis 70 arbeiten. Das muss gehen. Das sind wir den Europäern doch schuldig. Nicht ? Grüsse irobot der-prozess.de ---------------------------------------------------- Alles, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, daß sie es von anderen haben wollen. Konrad Adenauer
Beo21 03.08.2011
4. Nie verdient
Laender wie Italien, Spanien, Griechenland, Portugal haben immer mehr als 10% Zinsen gezahlt als sie ihre eigenen Waehrungen hatten. Strukturelle Probleme, Korruption haben sich wenig geaendert, die niedrigen Zinsen waren nur eine folge von Banken die in EU Staatsanleihen diversifiziert haben ... eine Weile ging es ja auch gut, solange aus Bruessel die Infrastrukturfonds und Subventionen kammen aber aus eigener Kraft waren diese Laender nie auf einem Niveau, dass sie diesen Zinssatz verdient haetten. ...also muss Merkel wohl neue Garantien ausstellen - ein Kampf gegen den freien Markt!
mitwisser, 03.08.2011
5. also damit konnte niemand rechnen
"Die Analyse bestätige jedoch, "dass das italienische Banken- und Finanzsystem solide ist dank rascher Maßnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis und der Bankliquidität", erklärte das Gremium, das aus führenden Vertretern der Zentralbank, des Wirtschaftsministeriums, der Börsenaufsicht Consob sowie der Versicherungsaufsicht ISVAP besteht." Tja, die Stresstests wurden letztes Jahr auch alle mit Bravour "bestanden". Danach waren Irland, Portugal und Griechenland pleite. Die Italiener haben - trotz EU - nix an ihren mafiösen Verhältnissen in Politik und Wirtschaft geändert. Haben das Geld der EU mit vollen Händen rausgeschmissen. Jetzt will der Markt halt mehr Geld für die Schrottanleihen. Das ist die Kehrseite des Marktes. Die Spanier haben mit viel zu billigem Geld - dank des Euros - exzessiv spekuliert und werden jetzt zur Kasse gebeten. Da beide Staaten kaum noch können, bittet man IM Erika um die alternativlosen Blanko-Schecks. Im Herbst gesellt sich noch der Franke dazu und - aus ist´s mit dem faulen Zauber ;-)
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