Erstmals seit Zweitem Weltkrieg Rotes Kreuz verteilt Lebensmittel in Großbritannien

Die Wirtschaftskrise bringt den Hunger zurück nach Europa. Laut Rotem Kreuz können sich 43 Millionen Menschen nicht genug zu essen leisten. In Großbritannien gibt die Hilfsorganisation zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Lebensmittel aus.
Humanitäre Krise: Das Rote Kreuz will in Großbritannien Essen ausgeben

Humanitäre Krise: Das Rote Kreuz will in Großbritannien Essen ausgeben

Foto: Matt Cardy/ Getty Images

Hamburg - In Großbritannien sind offenbar immer mehr Menschen auf fremde Hilfe zum Überleben angewiesen. Laut einem Bericht der Zeitung "Independent"  will das Rote Kreuz in diesem Winter erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Lebensmittel sammeln und verteilen. Dazu würden freiwillige Helfer in Supermärkten um Essen und Trinken bitten. Die Wohltätigkeitsorganisation FareShare solle die Hilfspakete dann an Armenküchen im ganzen Land verteilen.

Auch in anderen Staaten Europas hat sich die Lage laut einer Studie der Internationalen Föderation von Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) drastisch verschlechtert. So sei die Zahl der Menschen, die von den nationalen Hilforganisationen in 22 Ländern mit Lebensmitteln versorgt würden, in den vergangenen drei Jahren um 75 Prozent gestiegen - von zwei auf 3,5 Millionen. Insgesamt könnten sich 43 Millionen Bürger in Europa nicht genug zu essen leisten .

"Europa ist mit der schlimmsten humanitären Krise seit sechs Jahrzehnten konfrontiert", ließ IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta mitteilen. Die Hilfsorganisationen machen vor allem den drastischen Sparkurs vieler Staaten für den Notstand verantwortlich. "Wir verstehen zwar, dass die Regierungen sparen müssen", sagte Geleta, "aber wir raten dringend von willkürlichen Einschnitten in die Gesundheits- und Sozialsysteme ab."

Der Trend zu mehr Hunger und Armut sei in ganz Europa zu spüren, sagte Geleta, nicht nur in den eigentlichen Krisenländern. Laut der Studie ist die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, auch in Staaten wie Frankreich oder Deutschland gestiegen. Selbst Menschen mit einer Arbeitsstelle müssten immer häufiger um zusätzliche Unterstützung bitten.

Noch besorgniserregender sei die Situation aber in Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien. Allein in der italienischen Wirtschaftsmetropole Mailand seien mehr als 50.000 Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

Wie ernst die Lage in Spanien ist, zeigt auch ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht der Caritas. Demnach habe sich die Zahl der extrem armen Menschen in dem Land seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 verdoppelt. Mehr als sechs Prozent der spanischen Bevölkerung, etwa drei Millionen Menschen, hätten im vergangenen Jahr mit 307 Euro oder weniger im Monat auskommen müssen.

stk/dpa
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