Rückkauf-Plan Anleihe-Kniff könnte Athen 20 Milliarden Euro bringen

Eine effektive Lösung ist gefragt: Die Euro-Retter loten aus, ob Griechenland sein Defizit durch den Rückkauf von Staatsanleihen senken könnte. Nach Informationen des SPIEGEL gibt es schon Berechnungen für diesen Schritt - er könnte die Schulden der Regierung in Athen um 20 Milliarden Euro reduzieren.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: Seine Beamte rechnen mehrere Modelle durch

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: Seine Beamte rechnen mehrere Modelle durch

Foto: dapd

Hamburg - Viel Zeit bleibt den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht: Am kommenden Donnerstag treffen sie sich zu einem Sondergipfel in Brüssel. Dann wollen die verunsicherten Investoren an den Finanzmärkten einen Plan zur Lösung der Euro-Krise sehen. Nach Informationen des SPIEGEL rechnet das deutsche Finanzministerium bereits ein Szenario durch: Griechenland könnte seine Staatsanleihen zurückkaufen. Beamte des Ministeriums kamen zu dem Ergebnis, dass die Regierung in Athen mit diesem Schritt die Staatsschulden des Landes um 20 Milliarden Euro senken könnte.

Das Geld würde dabei vom Euro-Rettungsschirm EFSF kommen, damit Griechenland seine Anleihen selbst zum Marktpreis von privaten Gläubigern zurückkaufen kann. Für die griechische Regierung wäre das ein gutes Geschäft, denn die Kurse für griechische Anleihen liegen derzeit um bis zu 50 Prozent unter ihrem Nennwert. Dieses Angebot könnte für solche Gläubiger interessant sein, die sich erst während der Krise günstig mit Griechenland-Anleihen eingedeckt haben. Auch für Finanzinstitute, die Griechenland-Anleihen bereits zum Marktwert in ihren Büchern haben, könnte der Verkauf sinnvoll sein.

Rückkaufprogramm werden gute Chancen eingerechnet

Dieser sogenannte "bond-buy-back" ist eine von mehreren Varianten, die Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) derzeit zur Lösung der griechischen Schuldenkrise prüfen lässt. Andere Vorschläge sind unter anderem ein echter Schuldenschnitt, verbunden mit dem Tausch von Griechenland-Anleihen in längerfristige, mit Garantien besicherte Papiere. Im Gespräch ist weiterhin auch Schäubles Vorschlag einer "sanften Umschuldung" von Anfang Juni, der vorsieht, die Laufzeiten aller Griechenland-Anleihen um sieben Jahre zu verlängern. Beide Modelle gelten in Europa derzeit nach Angaben aus dem Finanzministerium allerdings als weniger konsensfähig als das Rückkaufprogramm.

Derzeit diskutiert die EU mit der Finanzbranche die verschiedenen Möglichkeiten einer Umschuldung für Griechenland. So beraten in Rom unter anderem Manager der Großbanken HSBC  , BNP Paribas   und der Deutschen Bank   sowie Vertreter der Allianz   mit Mitarbeitern der EU und des internationalen Bankenverbands IIF beispielsweise, wie die Restrukturierung von griechischen Bonds genau aussehen könnte und welche Banken die Abwicklung des komplizierten Deals übernehmen könnten. Bis Mitte August könnten detaillierte Vorschläge fertig sein.

Einen Fahrplan werden die EU-Staats- und Regierungschefs aber wohl bereits auf ihrem Sondergipfel am kommenden Donnerstag vorlegen müssen. Denn der Druck in der Schuldenkrise wächst: So haben Spekulanten bereits Italien wegen seines hohen Staatsdefizits ins Visier genommen. Experten und Lobbyverbände drängen die EU-Politiker zu einem klaren Kurs in der Euro-Krise und plädieren inzwischen für eine sogenannte Umschuldung, also dafür, dem Land einen Teil seiner Schulden zu erlassen.

mmq
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