Rücktrittsforderungen Genossen wenden sich von Sarrazin ab

Um Thilo Sarrazin wird es einsam. Jetzt fordert auch ein einflussreicher SPD-Politiker den Rücktritt des Bundesbank-Vorstands. Sarrazins Verhältnis zu Bundesbank-Präsident Weber ist nach einem Zeitungsbericht tief zerrüttet. Die beiden sprechen offenbar nicht mehr miteinander.

Thilo Sarrazin: Der Bundesbankvorstand ließ sich nicht von der Veröffentlichung abhalten
dpa

Thilo Sarrazin: Der Bundesbankvorstand ließ sich nicht von der Veröffentlichung abhalten


Berlin - Immer mehr sogenannte Parteifreunde wenden sich von Thilo Sarrazin wegen seiner abwertenden Äußerungen über Türken und Araber ab: Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags und einflussreiche SPD-Politiker, Sebastian Edathy, legte dem Bundesbank-Vorstand den Rücktritt nahe.

"Das ist Rassismus pur und eine Tonlage, die ich außerhalb der NPD bisher nicht vernommen habe", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Das ist weder akzeptabel noch entschuldbar. Deshalb sollte Herr Sarrazin sein Vorstandsmandat bei der Bundesbank niederlegen. Anderenfalls sollte er aus dem Amt entfernt werden." Auch müsse Sarrazins Mitgliedschaft in der SPD überprüft werden.

Den Rücktritt des ehemaligen Berliner Finanzsenators verlangt inzwischen auch die Türkische Gemeinde: Sarrazin habe in selbstgefälliger Art immer wieder Menschen denunziert und verleumdet und dabei besonders auf Menschen aus einkommensschwachen Milieus gezielt. Seine jüngsten Äußerungen seien nun jedoch geeignet, offenen "Stammtischrassismus" zu schüren, hieß es in einer in Berlin verbreiteten Erklärung. Damit sei der Bogen überspannt.

Bundesbankchef Weber wollte Sarrazin stoppen

Auch das Verhältnis zwischen Bundesbank-Präsident Axel Weber, der Sarrazin ebenfalls den Rücktritt nahelegt hat, und seinem Vorstandskollegen ist nach einem Zeitungsbericht tief zerrüttet. Das hatte SPIEGEL ONLINE bereits am Samstag berichtet. Wie das "Handelsblatt" weiter meldete, ist die Kommunikation zwischen den beiden Spitzenvertretern der Zentralbank nahezu eingestellt.

"Je niedriger die Schicht, umso mehr Geburten"

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Von dem Interview habe Weber erst durch die eigene Presseabteilung erfahren, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Bundesbank-Kreise. Dort betont man, dass Sarrazin das Gespräch mit der Zeitschrift "Lettre International" zwar über die Pressestelle abgewickelt, den Bundesbank-Chef darüber aber nicht informiert habe. Weber, der den Text als inakzeptabel einstufe, habe seinen Kommunikationschef eingeschaltet, um Sarrazin von der Veröffentlichung abzuhalten. Der frühere Senator habe dies ignoriert, das Interview eigenhändig freigegeben und damit den Eklat ausgelöst.

Sarrazin hatte in dem fünfseitigen Interview unter anderem gesagt, eine große Zahl von Arabern und Türken in Berlin habe keine produktive Funktion außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es werde sich vermutlich auch keine Perspektive entwickeln. "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert." Die Lösung des Problems könne nur heißen: kein Zuzug mehr.

böl/dpa-AFX

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Klo, 01.10.2009
1.
Zitat von sysopEntsetzen in Politik und Finanzwelt: Bundesbank-Vorstand Sarrazin hat in einem Interview mit einem Kulturmagazin kräftig über Berlin hergezogen - und über die Einwanderer in der Stadt. "Türkische Wärmestuben" brächten Berlin nicht voran, sagte der SPD-Politiker. Ist Sarazin noch zu halten?
Er ist unmöglich zu halten. Diese Aussagen sind nicht nur eines Politikers unwürdig, der eben diese angeprangerten Verhältnisse in Berlin mitzuverantworten hat, sondern sie sind schlichtweg eine Unverschämtheit.
CMH 01.10.2009
2.
Sarazin ist der einzige Politiker, der sagt was Sache ist. Kein anderer hat einen solchen Mumm. Es ist immer wieder eine Freude, seine seltenen Interviews zu hören oder lesen. Auch wenn er natürlich überspitzt - das was er sagt hat im Kern Hand und Fuß. Und das, obwohl er (für mich) in der völlig falschen Partei ist.
Harald E, 01.10.2009
3.
Zitat von KloEr ist unmöglich zu halten. Diese Aussagen sind nicht nur eines Politikers unwürdig, der eben diese angeprangerten Verhältnisse in Berlin mitzuverantworten hat, sondern sie sind schlichtweg eine Unverschämtheit.
grummel... Wie soll denn eine vernünftige Diskussionskultur entstehen, wenn sie bereits im ersten Beitrag schon alles zum Thema gesagt haben. ;-D
Reziprozität 01.10.2009
4.
Zitat von sysopEntsetzen in Politik und Finanzwelt: Bundesbank-Vorstand Sarrazin hat in einem Interview mit einem Kulturmagazin kräftig über Berlin hergezogen - und über die Einwanderer in der Stadt. "Türkische Wärmestuben" brächten Berlin nicht voran, sagte der SPD-Politiker. Ist Sarazin noch zu halten?
LOL, er ist doch nur eitel, der Thilo. War ja klar, dass er intellektuellen Importbedarf in der Hauptstadt ausmacht, jetzt, wo er nicht mehr da ist... ;-o Wer Politik als Spektakel vor irgendwelchen Kulissen ansieht, wird die Rolle des Clowns kaum in Frage stellen. Und die kann er gut. Lasst ihn da wo er ist, sonst faengt er wieder an Kochkurse fuer Hartz IV-Bezüger zu geben. P.S.: Er schreibt sich mit zwei "r" im Nachnamen.
nr6527 01.10.2009
5.
Zitat von KloEr ist unmöglich zu halten. Diese Aussagen sind nicht nur eines Politikers unwürdig, der eben diese angeprangerten Verhältnisse in Berlin mitzuverantworten hat, sondern sie sind schlichtweg eine Unverschämtheit.
Sarazin polarisiert, es fehlt halt einfach der Weichspüler in seinen oft treffenden Analysen. Immerhin hat er kein Problem damit, unbequeme Wahrheiten unverblümt auszusprechen. Empörung bitte......
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