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21. April 2015, 14:55 Uhr

Schlechter Jahresstart

Russische Wirtschaft schrumpft um zwei Prozent

Die Regierung in Russland macht vor allem die Sanktionen des Westens verantwortlich: Die Wirtschaft des Landes ist von Januar bis März um zwei Prozent geschrumpft. Ministerpräsident Medwedew sieht keine schnelle Erholung.

Die Folgen der westlichen Sanktionen und der niedrige Ölpreis haben der russischen Wirtschaft einen schlechten Jahresstart beschert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist offiziellen Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in den ersten drei Monaten um zwei Prozent zurückgegangen.

Ministerpräsident Dmitrij Medwedew machte insbesondere die Sanktionen des Westens im Ukraine-Konflikt für die schlechte Entwicklung verantwortlich. Demnach drohen Russland wegen der Sanktionen im laufenden Jahr Verluste von etwa 75 Milliarden Euro.

Erstmals seit 2009 sei das BIP in einem ersten Quartal wieder geschrumpft. "Die negativen Tendenzen setzen sich dieses Jahr fort", sagte Medwedew vor Abgeordneten in Moskau. Allerdings sei die derzeitige Entwicklung nicht so schlimm wie Anfang 2009.

Für das Gesamtjahr erwartet die russische Regierung einen Rückgang des BIP um drei Prozent. Die Weltbank sagt Russland dieses Jahr sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent voraus.

Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew hatte Ende Januar eine Inflationsrate von zwölf Prozent prophezeit; die Kapitalflucht wird laut Regierungsprognose bei 115 Milliarden Dollar liegen.

Die Wirtschaft in Russland leidet besonders unter dem starken Einbruch des Ölpreises seit vergangenem Sommer. Das Land bezieht einen großen Teil seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt in einem TV-Interview versucht, Optimismus zu verbreiten. Die russische Wirtschaft erhole sich, sagte er. "Experten glauben, dass wir den Höhepunkt der Krise überwunden haben." Putin verwies dabei auch auf die Stabilisierung des Rubels. Die Währung hatte sich Mitte Dezember im freien Fall befunden. Inzwischen verleiht der steigende Ölpreis dem Rubel wieder Auftrieb.

mmq/Reuters/AFP

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