Gaslieferungen Russland erwägt Rabatt für Ukraine

Abseits der massiven Differenzen um die Lieferung und Bezahlung von russischem Erdgas an die Ukraine ist Moskau durchaus zu Konzessionen bereit. Energieminister Alexander Nowak brachte sogar einen Rabatt ins Spiel.

Gazprom-Zentrale in Moskau: Preisnachlass für Sommerlieferungen
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Gazprom-Zentrale in Moskau: Preisnachlass für Sommerlieferungen


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Moskau - Russland erwägt einen Preisnachlass für Erdgas-Lieferungen in die Ukraine. Dieser könnten ab dem Frühjahr gelten, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak am Dienstag dem Fernsehsender Rossija 24. Die Regierung in Moskau hatte für das laufende erste Quartal einem Rabatt von 100 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas zugestimmt.

Die Versorgung der Ukraine mit Gas aus Russland bis Ende März ist derweil gesichert. Nach fast fünfstündigen Verhandlungen unter Vermittlung der EU zurrten beide Länder am Montagabend ein Abkommen über die Verlängerung der Gaslieferungen bis Ende März fest. Über die Zeit danach soll noch in diesem Monat erneut verhandelt werden.

Der für die Energie zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic, erklärte nach der Einigung am Montag, er sei "zufrieden" mit dem Deal. So sei eine "vollständige Umsetzung" der Winterlieferungen für die Ukraine und damit auch die Versorgungssicherheit der EU erreicht worden, erklärte er. Über die Sommerlieferungen werde noch im März erneut verhandelt.

Donezk und Luhansk außen vor

Die Verhandlungspartner, darunter die Energieminister beider Länder, verabredeten demnach aber auch, die Gasversorgung für die Konfliktregionen Donezk und Luhansk zunächst aus den Gesprächen herauszulassen. Diese Angelegenheit sei "hochkomplex" und berge "rechtliche, technische und politische" Probleme.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini begrüßte die Einigung, die vor dem Hintergrund höchst angespannter Beziehungen zwischen Moskau und Kiew angesichts der Ukraine-Krise zustande kam. Von dem Gasstreit ist immer auch die EU betroffen, da ein beträchtlicher Teil des verbrauchten Gases aus Russland durch die Ukraine strömt.

Der lange schwelende Konflikt um russische Gaslieferungen in die Ukraine war kürzlich wieder aufgeflammt. Russland hatte damit begonnen, die zum großen Teil von prorussischen Kämpfern gehaltenen Gebiete in der Ostukraine mit Erdgas zu beliefern. Die Rebellen hatten zuvor mitgeteilt, ihre Gebiete würden nicht mehr vom ukrainischen Gaskonzern Naftogaz beliefert. Naftogaz bestätigte das, machte aber zerstörte Pipelines dafür verantwortlich.

Außer um die Versorgung selbst geht es im Streit zwischen beiden Ländern um die Bezahlung für das russische Gas. Nach Auffassung des russischen Versorgers Gazprom soll Kiew auch für die jüngsten russischen Lieferungen in die Ostukraine zahlen. Die ukrainische Führung lehnt das ab und macht geltend, dass sie weder die Mengen kontrollieren noch über die Verwendung entscheiden könne.

Zusammengefasst:
Trotz der Differenzen um Lieferung und Bezahlung von Erdgas ist Moskau bereit, mit Kiew über zusätzliche Rabatte zu verhandeln. Für den Winter ist die Versorgung der Ukraine und damit Europas sichergestellt. Für die Sommerlieferungen sollen die Verhandlungen Ende März beginnen.

mik/Reuters/AFP



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