Ostseepipeline Russland will Nord Stream 2 bis Ende 2020 fertigstellen

Die Ostseepipeline wird wegen der US-Sanktionen deutlich später fertig als erwartet. Russland geht nun von einem Start erst in einem Jahr aus - und nennt erstmals eine konkrete Lösungsmöglichkeit.
Ein Verlegeschiff des Offshore-Dienstleisters Allseas vor der Insel Rügen

Ein Verlegeschiff des Offshore-Dienstleisters Allseas vor der Insel Rügen

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Nach dem Stopp der Bauarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 2 erwartet Russland den Start doch erst bis Ende 2020. Diesen neuen Zeitraum nannte der russische Energieminister Alexander Nowak laut russischen Nachrichtenagenturen.

Bisher hatte die russische Führung lediglich von einer Verzögerung von einigen Monaten gesprochen. US-Sanktionen hatten das Projekt gestoppt, weil die Schweizer Firma Allseas aus Angst vor Strafen ihre Spezialschiffe abzog. Um die Röhren am Boden der Ostsee zu verlegen, sind solche Schiffe nötig.

Die USA begründen ihr Vorgehen gegen Nord Stream 2 mit einem Schutz der Energiesicherheit in Europa. Sie warnen vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Gas. Mehrere EU-Staaten und die Ukraine sind gegen die Pipeline. Die USA wiederum stehen in der Kritik, sie wollten ihr eigenes, teuer produziertes Flüssiggas in Europa verkaufen.

Von der Leyen kritisiert US-Sanktionen

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kritisierte die US-Sanktionen gegen europäische Unternehmen wegen der Gaspipeline Nord Stream 2. Zwar habe das Projekt "auch eine politische Dimension" und die EU-Kommission schütze mit ihren Mitteln die Interessen der östlichen EU-Staaten. "Auf einem anderen Blatt steht, dass die EU-Kommission entschieden Sanktionen gegen europäische Unternehmen, die sich im Einklang mit der Rechtsordnung in Projekten engagieren, ablehnt", sagte die CDU-Politikerin im SPIEGEL-Interview .

Die Leitung kostet fast zehn Milliarden Euro und sollte ursprünglich schon Ende dieses Jahres Gas nach Europa pumpen. Nord Stream 2 ist für eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr ausgelegt. Rund 2300 Kilometer der Leitung mit zwei Strängen sind bereits verlegt.

Die russische "Akademik Tscherski" ist nach russischen Angaben das einzige Schiff, das die Arbeiten vollenden könnte. Sie liegt derzeit im fernöstlichen Hafen Nachodka im Japanischen Meer. Es dauert Wochen, bis das Schiff von Asien in Europa sein kann. Wie aus dem Energieministerium verlautete, muss das Spezialschiff noch mit den nötigen Gerätschaften ausgestattet werden. Russische Analysten erwarten Mehrkosten für den Fertigbau von einem zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag.

hej/dpa