IWF-Prognose Ukraine-Krise stürzt Russland in Wirtschaftstief

Die Sanktionen des Westens kommen Russland teuer zu stehen. Laut Internationalem Währungsfonds steht das Land am Rand einer Rezession, Investoren ziehen 100 Milliarden Dollar ab.
Rauchende Kraftwerke hinter Kirche in Moskau: Ohnehin schwache Wirtschaft

Rauchende Kraftwerke hinter Kirche in Moskau: Ohnehin schwache Wirtschaft

Foto: Mikhail Metzel/ ASSOCIATED PRESS

Moskau - Die im Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen treffen die russische Wirtschaft nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) hart. Die Organisation senkt ihre Wachstumsprognose 2014 für Russland deutlich - von 1,3 Prozent auf nur noch 0,2 Prozent.

Die Prognose könnte zudem weiter zurückgenommen werden, sagte IWF-Experte Antonio Spilimbergo. Das Land stehe am Rand einer Rezession. Zu schaffen macht Russland vor allem die Kapitalflucht: Allein in diesem Jahr könnten laut IWF 100 Milliarden Dollar aus dem Land abgezogen werden.

Auch Russland selbst rechnet mit einem großen Mittelabfluss. Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres sind demnach knapp 70 Milliarden Dollar aus dem Land abgezogen worden. Das wäre ein steiler Anstieg: Im gesamten vergangenen Jahr flossen nur 63 Milliarden Dollar ab, berichteten kürzlich die Nachrichtenagentur Reuters und die "Financial Times" ("FT") .

Die USA hatten jüngst Genehmigungen für die Ausfuhr von Hochtechnologie-Produkten zurückgenommen, wenn diese vom russischen Militär verwendet werden können. Zudem wurden Strafmaßnahmen gegen enge Vertraute von Präsident Wladimir Putin verhängt. Auch die EU hatte Konten von Personen aus der russischen Staatsführung eingefroren.

Der Westen wirft Russland vor, sich nicht um eine Entspannung der Lage im Nachbarland Ukraine zu bemühen. Im Osten der Ukraine streben Separatisten den Anschluss an Russland an.

Nach Angaben der Wirtschaftsberatung KPMG vom März schaffen derzeit auch viele deutsche Unternehmen ihr Geld zurück in die Heimat. Bisher seien die Firmen aus der Bundesrepublik eine der größten Quellen für Direktinvestitionen in Russland gewesen. Laut Bundesbank-Statistiken haben deutsche Firmen gut 20 Milliarden Euro in dem Land investiert. Über Jahre hätten die Firmen auf Wachstum gesetzt und ihre Einnahmen aus dem Russlandgeschäft weitgehend für neue Investitionen in dem Schwellenland genutzt, konstatiert KPMG. Nun zögen viele ihr Kapital ab.

Die Ursache für Russlands Wirtschaftsschwäche ist allerdings nicht in erster Linie der Konflikt in der Ukraine, auch wenn die westlichen Sanktionsdrohungen die Strukturprobleme der russischen Wirtschaft verschärfen. Viel schwerer wiegt, dass der Kreml seinen Modernisierungskurs aufgegeben hat.

yes/Reuters
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