Gasstreit Russland will mit Ukraine über Gaspreis verhandeln

Im Streit über die Gaslieferungen an die Ukraine gibt sich Moskau gesprächsbereit. Russland stellt Preissenkungen in Aussicht - vorausgesetzt, die Ukraine zahlt ihre offenen Rechnungen.

Gazprom: Ab Juni keine Gaslieferungen an die Ukraine
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Gazprom: Ab Juni keine Gaslieferungen an die Ukraine


Moskau - Russland hat der Ukraine Gespräche über eine Preissenkung bei den Gaslieferungen in Aussicht gestellt. Moskau sei zu Gesprächen bereit, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak am Freitag. Bedingung sei aber, dass die Ukraine zuvor offene Rechnungen über rund 2,2 Milliarden Dollar begleiche.

Die Regierung der Ukraine Erst müsse Russland den Preis senken, dann werde die Ukraine Rechnungen bezahlen. Derzeit berechnet Moskau der Ukraine 485 Dollar für 1000 Kubikmeter Gas. Der stellvertretende ukrainische Energieminister Ihor Didenko hatte eine Preissenkung auf 268,50 Dollar gefordert. Wenn das geschehe, werde die Ukraine bis Ende Mai vier Milliarden Dollar an Russland überweisen.

Russland hatte dem Nachbarland zuletzt mehrere Rabatte gestrichen. Der Gazprom-Konzern droht wegen der Schulden damit, ab dem 3. Juni kein Gas mehr in die Ukraine zu pumpen. Dies könnte dann auch den Westen treffen, denn die vor dem Staatsbankrott stehende Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte am Donnerstag bekräftigt, dass Russland der Ukraine von Juni an Gas nur noch gegen Vorkasse liefere.

Energieminister Nowak ließ am Freitag offen, wie weit er den Preis senken würde. Er sagte aber, zum 1. April habe die Ukraine einen Zahlungsrückstand von 2,23 Milliarden Dollar gehabt. Diese Summe müsse vor Gesprächen über Preissenkungen gezahlt werden. Seitdem sei der Zahlungsrückstand auf aktuell etwas mehr als 3,5 Milliarden Dollar angewachsen. Am Donnerstag hatte Nowak noch erklärt, die Ukraine werde wohl selbst einen auf 100 Dollar gesenkten Preis nicht zahlen können, weil das Land derzeit komplett zahlungsunfähig sei.

brk/Reuters/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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holle61 16.05.2014
1. Recht so
Wer seine offenen Rechnungen nicht bezahlt wird abgeklemmt. Ist in jedem Staat so. Warum sollte Russland darauf verzichten ? Die Ukraine brauchte bisher kein Mensch und in Zukunft schon gar nicht. Ebenso wie Polen. Nur Ärger !
weserbaer 16.05.2014
2. Ein anständiger Risikozuschlag als Ausfallsicherheit
Zitat von sysopREUTERSIm Streit um die Gaslieferungen an die Ukraine gibt sich Moskau gesprächsbereit. Russland stellt Preissenkungen in Aussicht - vorausgesetzt, die Ukraine zahlt ihre offenen Rechnungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/russland-moskau-stellt-ukraine-preissenkungen-fuer-gas-in-aussicht-a-969861.html
Eine solche Zulage dürfte sicher angebracht sein, denn die Ukraine hat sich in letzter Zeit und auch davor als ein eher unsicherer Zahler und Zeitgenosse geoutet. Da ist ein Zuschlag von 30 Prozent auf den derzeitigen Weltmarktpreis sicher mehr als gerechtfertigt. Umweglieferungen über RWE und Co KG natürlich inklusive.
luchs89 16.05.2014
3. An dieser Stelle
wäre noch einmal der Hinweis angebracht, dass wir dank Schröder eine funktionierende Gasversorgung über die Ostseepipeline haben. Sie wurde u.a. Auch deshalb gebaut, um direkt und unabhängig von Turbulenzen in Ukraine, Weißrussland und auch Polen von Russland beliefert zu werden. Andere Länder beneiden uns um diesen Zugang und wir bzw. unsere Medien schämen uns dafür. Wo sind denn die anderen Projekte, Nabucco etc..? Der aktuelle Streit um die Gaspreise in der Ukraine bestätigt m.E. Die Richtigkeit der damaligen Entscheidung.
Manufaktur2000 16.05.2014
4. ganz einfach...
Zitat von sysopREUTERSIm Streit um die Gaslieferungen an die Ukraine gibt sich Moskau gesprächsbereit. Russland stellt Preissenkungen in Aussicht - vorausgesetzt, die Ukraine zahlt ihre offenen Rechnungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/russland-moskau-stellt-ukraine-preissenkungen-fuer-gas-in-aussicht-a-969861.html
Was das Pumpen in die ordentlich zahlende Länder angeht hat sich Russland bis jetzt sehr vertragssicher erwiesen. Gerne lasse ich mich eines Besseren belehren. Unsere Freunde in Kiew werden sicher nichts dagegen haben, wenn die NATO-Militärs die Piplines und Verteilerstationen gegen unerlaubtes Abzapfen und ungestörten Durchfluß nach Europa sichern. Ganz nach dem amerikanischen Beispiel, die dürfen ja so was überall auf der Welt. Und Achmetows, Timoschenkos & Co. sollen dann selber zusehen, dass die Rechnungen begliechen werden. Ihre Konten mit ukrainischen Milliarden im Ausland ja nicht gesperrt. Aber geht ja nicht, damit wäre Putin nicht mehr so "böse" und die Amerikaner wüssten nicht mehr, wohin mit dem Fracking-Gas und die amerikanischen Führungskräfte in der Ukraine wieder arbeitslos. Sicherlich beendet auch Kiew schlagartig die Freundschaft mit Europa.
haarer.15 16.05.2014
5. Komplett zahlungsunfähig
Die bittere Wahrheit. Und ein bisschen dreist ist es schon, wenn die Ukraine Gaspreis-Forderungen stellt, bevor sie zahlen will. Gehts noch ? So etwas funktioniert woanders auch nicht. Und mit jedem Tag mehr wachsen die Zahlungsverpflichtungen der Ukraine weiter an. Nachdem die EU und der Westen in der Ukraine-Krise nun ja mitten drin hängen, werden wir eben zahlen. Teuer genug und nach oben offen. Aber wir wollten es ja auch nicht anders.
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