Urteil von Standard & Poor's Russlands Bonität fast auf Ramschniveau

Der politische Konflikt mit dem Westen belastet Russlands Kreditwürdigkeit. Die US-Rating-Agentur Standard & Poor's stuft die Bonität des Landes herab - und warnt vor einem Absturz auf Ramschniveau.
Wladimir Putin: Die politische Krise hat wirtschaftliche Folgen

Wladimir Putin: Die politische Krise hat wirtschaftliche Folgen

Foto: ALEXEY DRUZHININ/ AFP

London - Russlands Kreditwürdigkeit gerät wegen der Ukraine-Krise zunehmend unter Druck. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat die Bonitätsnote für das Land um eine Stufe auf BBB- gesenkt. Das ist nur eine Stufe über dem sogenannten Ramschbereich, der spekulative Anlagen kennzeichnen soll.

Den Ausblick für das Rating bewertet S&P als negativ, was weitere Abstufungen erwarten lässt. Auslöser dafür könnten etwa schärfere Sanktionen des Westens sein, schreibt die Agentur.

Solche Sanktionen könnte es schon bald geben. Das deutete US-Außenminister John Kerry an. "Wir sind bereit zu handeln", warnte Kerry. Insidern zufolge will US-Präsident Barack Obama noch am Freitag in einer Telefonkonferenz mit EU-Staats- und Regierungschefs über das weitere Vorgehen beraten. Auslöser der jüngsten Sorgen ist ein russisches Militärmanöver an der Grenze zur Ukraine.

Das Rating eines Landes soll die Kreditwürdigkeit bewerten. Es ist wichtig, wenn es darum geht, ob und zu welchem Preis Investoren einem Staat Geld leihen.

Auf die Krise in der Ukraine hat Standard & Poor's schneller reagiert als die anderen großen Agenturen Moody's und Fitsch. Erst Mitte März hatte S&P Russland mit einer Abstufung gedroht, damals senkte die Agentur bereits den Ausblick für das Rating auf "negativ".

Den jetzigen Schritt begründen die Experten vor allem mit dem krisenbedingt gewaltigen Kapitalabfluss aus Russland. In den ersten drei Monaten 2014 hätten Investoren insgesamt 51 Milliarden Dollar aus dem Land abgezogen. Das ist fast so viel wie der jährliche Abfluss im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. "Wir sehen das als Risiko für die Wachstumsaussichten Russlands."

stk/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.