Druschba-Pipeline Russland liefert verunreinigtes Öl nach Westen

Die russischen Öllieferungen nach Deutschland und Westeuropa sind teilweise unterbrochen. Der Rohstoff gilt derzeit als verschmutzt - und der Ölpreis schießt bereits in die Höhe.

PCK-Raffinerie in Schwedt (Archiv): Grenzwerte um das Zehnfache überschritten
DPA

PCK-Raffinerie in Schwedt (Archiv): Grenzwerte um das Zehnfache überschritten


Die Einfuhr russischen Rohöls über eine wichtige Pipeline nach Deutschland und in andere europäische Länder ist teilweise gestoppt worden. Die Lieferungen durch die Druschba (Freundschaft) genannte Verbindung aus Weißrussland sind wegen schlechter Qualität des Öls unterbrochen.

Mit dem Einfuhrstopp ist einer der bedeutendsten Versorgungswege für polnische Raffinerien der polnischen PKN Orlen und Grupa Lotos gekappt. Auch die ostdeutschen Raffinerien in Schwedt an der Oder und in Leuna könnten ein Versorgungsproblem bekommen - sowie die Produktion von Total, Shell, Eni und Rosneft.

"Wir erwarten, dass Raffinerien ihre Lagerbestände nutzen werden, um kurzfristige Verpflichtungen zu erfüllen. Diese Bestände müssen jedoch zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgefüllt werden", heißt es beim Beratungsunternehmen Energy Aspects. Bereits jetzt ist der Rohölpreis auf seinen höchsten Stand in diesem Jahr geklettert. Er erreichte einen Wert von rund 75 Dollar je Barrel.

Versorgung nicht gefährdet

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge könnte über die Häfen in Danzig und Rostock zusätzliches Öl angeliefert werden. Die Vorräte in den Raffinerien reichen üblicherweise für drei Tage. Und die Tausende Kilometer lange Druschba-Pipeline ist für die Konzerne nicht die einzige Versorgungsquelle. Polens größter Mineralölkonzern PKN Orlen erhält sein Öl beispielsweise außer aus Russland auch aus Saudi-Arabien, Norwegen, Angola und Nigeria. Laut der Nachrichtenagentur Reuters können Alternativrouten die Ausfälle aber nicht komplett auffangen.

Druschba-Pipeline in Schwedt
Patrick Pleul / DPA

Druschba-Pipeline in Schwedt

Druschba wird vom russischen Pipeline-Monopolisten Transneft betrieben und kann bis zu eine Million Barrel pro Tag oder ein Prozent der weltweiten Rohölnachfrage transportieren. Sie beliefert Polen und Deutschland über einen Nordzweig sowie die Tschechische Republik, Ungarn und die Slowakei über eine südliche Route. Laut Reuters dürften durch die Unterbrechung pro Tag insgesamt etwa 700.000 Barrel fehlen, bezogen auf alle Abnehmerländer.

Zur Einordnung: Allein in Deutschland wurden 2017 pro Tag etwa 2,5 Millionen Barrel Rohöl verbraucht, mehr als 30 Prozent davon stammten aus Russland. Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte, dass die Versorgung gesichert sei. Reserven müssten nicht angezapft werden. "Die Lager sind gut gefüllt."

Wer genau für die Verunreinigung des Öls verantwortlich ist, ist bislang unklar. Das Problem mit der Qualität entstand aber bereits vergangene Woche. Ein an der Produktion beteiligtes russisches Unternehmen soll Öl mit einem hohen Anteil an organischem Chlorid kontaminiert haben. Dies wird zur Steigerung der Ölproduktion verwendet, muss aber vor der Weiterverarbeitung vom Öl getrennt werden, da es die Raffinerien beschädigen kann. Der Gehalt an organischem Chlorid seien hundertmal höher gewesen als normal, sagten mehrere Ölhändler. Der Grenzwert sei um das Zehnfache überschritten worden.

Vom 29. April an wolle man wieder sauberes Rohöl durch die Pipeline nach Deutschland pumpen, kündigte der russische Vize-Premier Dmitry Kozak laut der Nachrichtenagentur Tass an. Selbst wenn es so kommen sollte, könnten die Konzerne nach Ansicht von Händlern wegen des Ausfalls noch Ansprüche gegen Transneft geltend machen wollen.

Eine Annahmeverweigerung ist in der Branche äußerst selten. Händler sagten, der letzte Fall mit einer Verunreinigung russischen Öls liege rund zehn Jahre zurück.

apr/Reuters

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