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23. Dezember 2014, 13:52 Uhr

Russische Wirtschaftskrise

Medwedew warnt vor schwerer Rezession

Die Lage der russischen Wirtschaft ist besorgniserregend, das bestätigt jetzt auch die Regierung. Premierminister Medwedew zufolge droht dem Land eine tiefe Rezession. Der Staat verschärft sein Kontrolle von Konzernen und Banken.

Moskau - Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat vor einem Abschwung in seinem Land gewarnt. Russland drohe eine schwere Rezession, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Medwedew.

Die russische Wirtschaft leidet unter den internationalen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise sowie unter dem massiven Rückgang des Ölpreises. Die Landeswährung Rubel verlor zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent ihres Wertes. Dank diverser Stützungsmaßnahmen der Zentralbank hat der Rubel sich inzwischen wieder stabilisiert.

Bekämpft wird die Währungskrise offenbar auch mit Hilfe von Staatskonzernen. Einem Bericht der Zeitung "Kommersant" zufolge hat Medwedew die Konzerne per Dekret angewiesen, einen Teil ihrer ausländischen Geldreserven zu verkaufen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sind die größten staatlichen Exporteure dazu angehalten, einen Teil ihrer Devisenreserven auf den Markt zu werfen. "Natürlich steht es den Unternehmen frei, die harten Währungen auch zu behalten", sagte ein Regierungsmitglied. "Aber dann behalten wir uns auch das Recht vor, ihnen in harten Zeiten nicht zu helfen."

Betroffen sind laut Reuters die Energiekonzerne Gazprom und Rosneft sowie die Diamanten-Produzenten Alrosa und Kristall. Diese sollten bis März 2015 ihren Devisenbestand auf das Niveau von Anfang Oktober zurückführen. Bis dahin müssten sie jede Woche ihren Bestand der Zentralbank melden.

Der Rubel wertete nach Bekanntwerden der Pläne zeitweise um fünf Prozent auf. Zuletzt mussten für einen Dollar 54,44 Rubel bezahlt werden. In den vergangenen Tagen waren es zeitweise 80, in der ersten Jahreshälfte hingegen nur 30 bis 35 Rubel.

"Wenn die Exporteure angehalten werden, ihre Devisenpositionen nicht zu erhöhen, dann kann das als inoffizielle Wiedereinführung von Kapitalkontrollen angesehen werden" sagte Wladimir Osakowsky von der Bank of America. Präsident Wladimir Putin hatte Kapitalkontrollen wiederholt abgelehnt.

Die Zentralbank hat nach Angaben von vier Banken eigene Aufseher in die Devisenhandelabteilungen der größten russischen Kreditinstitute entsandt. "Wir müssen über alle unsere Aktivitäten berichten", zitiert Reuters eine Führungskraft. "Die sind sehr akribisch." Ein Regierungsmitarbeiter verteidigte das Vorgehen: "Es gab Panik. Es musste etwas getan werden und wir haben einige Maßnahmen eingeleitet."

dab/Reuters

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