Aus Steuergeld bezahlt Linken-Chefin will für jeden Recht auf zwei bezahlte Sabbatjahre

Stress abbauen auf Staatskosten: Linken-Chefin Kipping hat in einem Papier das Recht auf zwei aus Steuern finanzierte Auszeiten pro Berufsleben gefordert. Privat wiederum genießt die 41-Jährige so manche Sünde sehr.
Katja Kipping: Stressbedingten Krankheiten vorbeugen

Katja Kipping: Stressbedingten Krankheiten vorbeugen

Foto: Odd ANDERSEN /AFP

Jeder Arbeitnehmer soll nach dem Willen von Linken-Chefin Katja Kipping bis zu zwei Jahre im Berufsleben bezahlte Auszeiten nehmen können. Solche gesetzlich garantierten und steuerfinanzierten Sabbaticals seien in der sich beschleunigenden Arbeitswelt dringend nötig, um aufzutanken und stressbedingten Krankheiten vorzubeugen, heißt es in einem der "Rheinischen Post " vorliegenden Papier Kippings für die nächste Bundesvorstandssitzung der Linken am 6. April.

Viele Beschäftigte wünschten sich dringend eine Auszeit, ohne sich Sorgen machen zu müssen, wie man finanziell über die Runden komme, konstatiert Kipping darin. Bisher könnten sich das nur wenige Privilegierte leisten.

Kipping schlägt der Zeitung zufolge die Möglichkeit einer steuerfinanzierten und sozial abgesicherten Auszeit von drei bis zwölf Monaten vor, wobei die Beschäftigten das Recht haben sollen, zweimal in ihrem Berufsleben ein Sabbatjahr zu nehmen - bei garantiertem Rückkehrrecht auf den gleichen oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz.

Wie Katja Kipping mit 14 zur Vegetarierin wurde

Die Linken-Politikerin scheint mit diesem Vorstoß die SPD überbieten zu wollen. Deren Generalsekretär Lars Klingbeil hatte vor Kurzem ebenfalls ein Sabbatical-Modell präsentiert. Pro Jahr Arbeit sollen Erwerbstätige Anspruch auf einen Monat vom Staat bezahlter Auszeit erhalten. In einem so angesparten "Grundeinkommensjahr" solle jeder monatlich tausend Euro steuerfrei erhalten können, um Stress abzubauen oder Dinge zu erledigen, die man schon lange anpacken wollte.

Nach Kippings Plänen sollten wie beim Elterngeld in der Zeit 65 Prozent vom letzten Nettomonatslohn gezahlt werden, je nach Einkommen maximal 1800 Euro und mindestens 1050 Euro im Monat. Träger der Sabbatical-Leistung könnte demnach eine Abteilung "Qualifizierung und Muße" bei der Bundesagentur für Arbeit sein.

Kippings erneuert mit ihren Plänen abermals einen Vorschlag, den sie bereits im Oktober 2012 gemacht hatte. Erst vor wenigen Tagen war zudem bekannt geworden, dass sich die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme innerhalb von zehn Jahren auf zuletzt 107 Millionen im Jahr 2017 verdoppelt hat, wie es in den Funke-Medien unter Berufung auf Zahlen des Arbeitsministeriums.

"Man genießt die Sünde umso mehr"

Die wirtschaftlichen Ausfallkosten verdreifachten sich demnach im selben Zeitraum von 12,4 Milliarden Euro auf 33,9 Milliarden Euro. Für 2018 registrierte die Krankenkasse DAK Gesundheit allerdings wieder einen Rückgang der Tage, die ihre erwerbstätigen Versicherten wegen psychischer Erkrankungen fehlten - um 5,6 Prozent.

Neben der Politik sprach Kipping in einem Interview mit der "Heilbronner Stimme " auch über private Dinge. Nach einem Punkkonzert in Dresden sei sie mit 14 Jahren zur Vegetarierin geworden. Auf einer Videoleinwand im Hintergrund seien Filme aus Schlachthöfen zu sehen gewesen, wo die Rinder brutal durch die Gänge geprügelt worden seien, sagte sie der Zeitung. "Das fand ich total furchtbar."

Heute bezeichne sie sich als flexible Vegetarierin und gönne sich gelegentlich mal eine Wurst. Die 41-Jährige sagte der Zeitung: "Wie es bei den Katholiken ist: Man hat seine Grundsätze und sündigt manchmal - und genießt die Sünde umso mehr."

apr/dpa