Nach Protesten Samaras will geschlossenen Staatssender teilweise reaktivieren

Die Wut war groß, jetzt gibt Griechenlands Regierungschef Samaras ein bisschen nach. Der geschlossene Staatssender ERT soll zumindest wieder Nachrichtenprogramme senden.

ERT-Sitz in Athen: Samaras bei einer TV-Ansprache am Freitag, 14. Juni
AP/dpa

ERT-Sitz in Athen: Samaras bei einer TV-Ansprache am Freitag, 14. Juni


Athen - Nur wenige Tage nach der überraschenden Schließung des Staatssenders ERT will der griechische Regierungschef Antonis Samaras einen Teil des Sendebetriebs wieder aufnehmen. Eine parteiübergreifende Kommission könne einige wenige Redakteure einstellen, damit Nachrichtenprogramme sofort wieder gesendet werden könnten, erklärte der Ministerpräsident am Freitagabend.

Samaras reagiert damit auf wütende Proteste von entlassenen Mitarbeitern und empörten Bürgern. Nach der Einstellung von ERT am Dienstagabend werden in Griechenland praktisch keine Nachrichten mehr gesendet, weil andere Journalisten aus Solidarität mit den ERT-Kollegen in Streik traten. Der Sender selbst galt bis zuletzt als zentrale Informationsquelle für Griechen im Ausland.

Die Parteien Pasok und Dimar, die mit Samaras' konservativer Nea Dimokratia die Regierung bilden, lehnen die Schließung des Senders ebenfalls ab. Am Montag will Samaras sich mit seinen Koalitionspartnern treffen.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hatte Samaras am Freitag aufgerufen, seine Entscheidung zurückzunehmen. "Wir fordern, das Signal im Fernsehen, im Radio und im Web wieder aufzubauen", sagte EBU-Präsident Jean-Paul Philippot bei einer Pressekonferenz am ERT-Sitz in Athen. Die EBU ist ein Zusammenschluss mehrerer Dutzend Rundfunkanstalten in 54 Ländern Europas und des Mittelmeerraums.

Samaras hatte die Schließung des Staatsrundfunks am Dienstag verkündet und mit Intransparenz und Verschwendung bei dem Sender begründet. Eine Umstrukturierung von ERT gehört auch zu den Forderungen der internationalen Geldgeber aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die den Staat vor der Pleite bewahren.

suc/AFP

insgesamt 13 Beiträge
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denkmal65 15.06.2013
1. hätte mich auch gewundert
wenn irgendeine Regierung der Welt auf das Propagandainstrument numero uno verzichten würde.
bombus67 15.06.2013
2. Griechenland ist NICHT
zu helfen. Dieses Land ist nicht willig und fähig sich zu reformieren. Vor wenigen Tagen stand der Sender laut Samaras für "fehlende Transparenz" und "unglaubliche Ausgaben". "Das wird nun ein Ende haben" oder auch nicht. Mit dem Geld der europäischen Steuerzahler wird weitergemacht, eine Schande und ein Schlag ins Gesicht der dt. Steuerzahler.....
funxxsta 15.06.2013
3. Gegengewicht zu privaten Sendern ausgeschaltet
Samaras hat mit dem abschalten der ERT Kanäle das Gegengewicht zu den privaten TV und Radioanbietern rasiert. In diesem Zusammenhang sind die Besitzverhältnisse dieser privaten Anbieter von Interesse. Die griechische Medienlandschaft setzt sich aus der ERT Gruppe - in öffentlicher Hand - und diversen Medienkonzernen in der Hand von Gewerkschaften, Parteien und Industriellen zusammen. Die Industriellen sitzen mit ihren Unternehmenssitzen meist im Ausland. Z.B. England und Luxemburg. In der jüngsten Vergangenheit wurden die Stimmen im Sender, die die Regierungsarbeit, d.h. das vermeiden von Strukturreformen und betonieren von Oligarchenrechten, kritisch kommentierten, lauter. Der Sender schien Gefahr zu laufen zu einer, in Hellas ungewohnten, 4. Macht im Staat zu werden. Und das im Heimatland der Demokratie. Die Ablehnung Gazproms sich für 1.2 Mill. Euro einen Vertrieb ihres eigenen Gases, der seit Jahrzehnten sowieso das Gazprom Produkt vertreibt, zu leisten, setzte Samaras unter Zugzwang. Die Troika ist im Land. Gescheiterte Privatisierung UND keine Entlassungen im öffentl. Sektor wären eine denkbar schlechte Verhandlungsgrundlage gewesen. Nun sieht die Troika mit eigenen Augen, das ein Aufschub der yentlassungen zwingend notwendig ist. So Samaras Lesart! Währenddessen laufen in den Korridoren der Voulia (Parlament) die Verhandlungen für eine Steueramnestie für im Ausland residierende griechische Oligarchen, die dann ihre über Jahrzehnte in Hellas abgeschöpften und unversteuerten Profite ins Land zurückbringen um sich im Rahmen der Privatisierung die Filetstücke für kleines Geld zu sichern. Samaras sitzt als der Retter der Wirtschaft sicher im Sattel und die investierenden Oligarchen lassen sich vom Volk als Patrioten feiern. Löhne und Arbeitsbedingungen wurden mittlerweile dermassen frisiert, das das Geschäftsmodell gute Profite garantiert. Dies ist lediglich die Fortsetzung des üblichen griechischen Habitus. In den 80. Jahren wurde von PASOK eine hochprofitable Textilindustrie abgewickelt, Maschinen in die Türkei verkauft, 10.000 Arbeitsplätze vernichtet und die Entscheider füllten sich die Taschen. In Griechenland sitzen immer noch die gleichen Kriminellen an der Macht, wie seit Jahrzehnten. Über ihre Medienbeteiligungen wurden die Solidarpartner für das Volk als Schuldige installiert, um in aller Ruhe weiterhin das land und Volk auszubluten. Ich habe 11 Jahre dort gelebt, als Unternehmer gearbeitet und einige sehr interessante Charakter der damaligen und jetzigen Regierung getroffen. Unwahrscheinlich, das die Bundesregierung und EU Granden über diese Vorgänge nicht informiert sind. Ist doch Herr Juncker ein enger Freund des Herrn Latsis, sowie auch Herr Barosso gern Urlaub auf Herrn Latsis Zacht macht. Einige Monate vor "Hellas Rettungspaket #1". Gerade noch rechtzeitig das Herr Latsis seinen Unternehmenssitz der Latsis Group von Genf nach Luxemburg verlegen konnte. Und so ca 900 Millionen Euro Rekapitalisierung für seine EUROBANK ERGASIA kassierte. Als - nun - im Euroraum residierendes Unternehmen! Dort schliesst sich dann der Kreis, Juncker, Barosso und Latsis. Willkommen in der hellenistischen Realität. Diese EU ist eine Farce!!
wwwwalter 15.06.2013
4. Wie soll sich ein Land reformieren,
wenn permanent von aussen Druck aufgebaut und Sparziele festgesetzt werden. Nur die totale Staatspleite hätte einen wirklichen Reformdruck von innen zur Folge, der auch garantiert zur Abwahl der alten Eliten geführt hätte. So wie es aber jetzt läuft, kann permanent das Ausland, in Gestalt von IWF, EZB, oder Frau Merkel als Sündenbock und Quelle des Übels verantwortlich gemacht werden. Das griechische Volk hat sich doppelt seiner Würde beraubt, indem es einen Großteil seiner Souveränität an ausländische (Finanz)Institutionen abgetreten hat, und indem es die Parteien wieder an die Macht gebracht hat, die das ganze Schlamassel in den vergangenen Jahrzehnten angerichtet haben. Ein Ausweg aus dieser Krise ist nicht in Sicht. Es ist eine tiefgreifende Krise der gesamten griechischen Gesellschaft.
Worldwatch 15.06.2013
5. "Der geschlossene Staatssender ERT soll zumindest wieder Nachrichtenprogramme senden"
Wenn und soweit diese die Regierungslinien lobend-preisend wiedergeben? Also, so "alternativlos-unabhaengig" wie in D. die Hofsender?
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